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Pedro Barceló, Geschichte Spaniens in der Antike. Von den Phönikern bis zum Kalifat von Córdoba (2025)

Wer sich für die antike Geschichte der Iberischen Halbinsel interessiert, findet kaum deutschsprachige Publikationen, die auch die vorrömischen Epochen abdecken. Diese Lücke schließt Pedro Barceló nun. Er geht zunächst auf die frühen Bewohner ein und widmet sich dann phönikischen und griechischen Einwanderern, vor allem aber den Karthagern.

Überzeugend widerlegt er die These einer angeblichen frühen karthagischen Präsenz und analysiert sehr ausführlich die Zeit der Karthager in Hispanien wie den Hasdrubal-Vertrag und die Sagunt-Affäre oder die Konflikte mit den Römern bis zum Ende des zweiten römisch-karthagischen Krieges, der, wie Barceló veranschaulicht, zu einem entscheidenden Teil in Hispanien entschieden wurde.

Nach der Vertreibung der Karthager setzten sich die Römer endgültig auf der iberischen Halbinsel fest. Allerdings sollten noch etwa zweihundert weitere Jahre vergehen, bis die Eroberung unter Augustus als abgeschlossen gelten konnte. Die verschiedenen Stämme leisteten lange Widerstand, auch weil viele römische Statthalter hier vor allem die Möglichkeit sahen, sich auf Kosten der Einheimischen zu bereichern, und oft waren sie nicht gerade zimperlich in ihrer Vorgehensweise.

Mit Beginn der Kaiserzeit wandelte sich das Verhältnis zwischen Rom und Hispanien, wie Barceló am Beispiel Tarraco veranschaulicht. Schließlich gelang die Romanisierung der iberischen Halbinsel und ihrer Bewohner. Diese kann exemplarisch für die Romanisierung in anderen Regionen des Imperium Romanum gelten und so widmet er ein eigenes Kapitel den Faktoren einer solchen Romanisierung.

Barceló schildert die politischen Entwicklungen, Wirtschaft und Gesellschaft in der Hispania Romana bis zum Zeitalter des Theodosius und geht dann auf die Entwicklung des Christentums in Hispanien von den Anfängen bis zur Zeit der Völkerwanderung ein. Die neuen Einwanderer – Sueben  Alanen, Vandalen und Westgoten – änderten im Laufe der Zeit die politische Gemengelage auf der Halbinsel, besiegelten letztendlich den Zusammenbruch römischen Herrschaft.

Aber auch das nun entstandene Westgotenreich mit Toledo als Hauptstadt konnte sich nicht auf lange Sicht behaupten. Ebenso wenig wie die Byzantiner, die sich ab der Mitte des 6. Jh. n. Chr. vorübergehend im Süden der iberischen Halbinsel festsetzten. Denn in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhundert begann der Siegeszug der zum Islam konvertierten Araber. Innerhalb weniger Jahrzehnte hatten sie ein riesiges Gebiet erobert und 711 n. Chr. landete ein aus Arabern und Berbern bestehendes Heer in der Ebene von Gibraltar. In nur sieben Jahren unterwarfen sie einen großen Teil der iberischen Halbinsel. Ihre Hauptstadt Cordoba zeigt exemplarisch die verschiedenen Epochen: über einer iberischen Kultstätte erhob sich später ein römisches Heiligtum, über dem man in der Zeit der Westgoten eine christliche Kirche errichtete. Diese wiederum musste einer Moschee weichen, in die dann später eine christliche Kathedrale eingebaut wurde.

Barceló ist es gelungen, mit dem vorliegenden Buch eine sehr detaillierte und dabei gut lesbare Analyse der politischen und historischen Entwicklung der Iberischen Halbinsel in der Antike vorzulegen. Zur besseren Übersicht hat Barceló im Anhang zudem ein Verzeichnis der antiken Orte mit ihren heutigen Bezeichnungen sowie eine chronologische Tabelle beigefügt.

Pedro Barceló
Geschichte Spaniens in der Antike. Von den Phönikern bis zum Kalifat von Córdoba
C.H.Beck Verlag, München 2025
492 S., 29 Ill., 10 Karten
38,00 Euro

Erhältlich bei Amazon oder beim Beck-Verlag.

Buchvorstellung: Sabine Panzram / Dominik Kloss, Die 50 bekanntesten archäologischen Stätten in Spanien

(Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz 2022)

Im neuesten Reiseführer der Reihe „Die 50 bekanntesten archäologischen Stätten“ entführen uns Sabine Panzram und Dominik Kloss nach Spanien. Die beiden Altertumswissenschaftler nehmen uns mit auf eine Rundreise durch das beliebte Urlaubsland und stellen uns ihre Auswahl an wichtigen archäologischen Stätten vor. Und Spanien hat kulturell wirklich viel zu bieten. Zeugnisse von Iberern und Keltiberern, von Phöniziern und Puniern, von Griechen und Römern finden sich ebenso wie sehenswerte Bauten der Westgoten oder aus der maurisch-arabischen Zeit.

In der Einführung geben die Autoren einen Überblick über die Geschichte Spaniens von der Bronzezeit bis zur Eroberung durch die arabischen Umayyaden im 8. Jh. n. Chr. Auch gehen sie auf die geographischen und klimatischen Bedingungen der verschiedenen Regionen ein. Einerseits machten reiche Bodenschätze (Kupfer, Zinn, Silber, Gold, Eisen usw.) die iberische Halbinsel für viele Völker attraktiv. Andererseits eigneten sich einige Landstriche besonders gut für die landwirtschaftliche Nutzung. So gedeihen hier optimal Oliven, Wein und Getreide. Zur Orientierung sind dieser Einführung zwei Karten vorgeschaltet. Eine des römischen Hispanien und eine des heutigen Spanien.

Im folgenden Kapitel starten wir unsere Rundreise durch Spanien in Katalonien. Genauer gesagt in Ampurias, nur etwa 35 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Die Reise führt uns durch die verschiedenen Regionen Spaniens, einschließlich eines Ausflugs nach Mallorca, und endet schließlich in Andalusien. Zu den Orten, die es in diesen handlichen Reiseführer geschafft haben, gibt es Hintergrundinformationen über Geschichte und Forschungsgeschichte und die Autoren gehen ausführlich auf das ein, was den Ort besonders macht.

In manchen Orten sind es trotz ihrer einstigen Bedeutung nur wenige sichtbare Reste in versteckten Ecken, wie z. B. in Barcelona, die in den Orten heute noch besichtigt werden können. Daneben gibt es aber auch die großen archäologischen Zonen oder Parks in Zaragoza, Mérida, Itálica in der Nähe von Sevilla oder Baelo Claudia bei Bolonia an der Südspitze der iberischen Halbinsel. Auch begegnen wir natürlich der berühmten Dame von Elche und stehen staunend vor dem imposanten römischen Aquädukt von Segovia. Wichtig für Besucher sind die Informationen zu Museen und archäologischen Stätten, die jeweils am Seitenrand angegeben sind. Ein Glossar und ein Literaturverzeichnis schließen das informative und kurzweilige Buch ab.

Natürlich kann die Beschränkung auf 50 Stätten nur eine kleine subjektive Auswahl unter den hunderten präsentieren, die einen Besuch wert sind. Aber das Buch zeigt nicht nur, dass Spanien in jedem Fall viel mehr zu bieten hat als Sonne und Strand und es macht Lust darauf, mehr über die Geschichte Spaniens und die vielen archäologischen Hinterlassenschaften zu erfahren. Und vielleicht gibt es irgendwann einen zweiten Band.

Sabine Panzram, Dominik Kloss
Die 50 bekanntesten archäologischen Stätten in Spanien
176 Seiten, 108 Abbildungen, 2 Karten
geb. € 20,00 (D) / € 20,60 (A)
ISBN: 978-3-96176-180-7

Das Buch ist unter anderem bei Amazon erhältlich. Ein Klick auf das Bild führt direkt dorthin.

Aquädukt von Segovia