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Eine kurze Geschichte über … Archäologie zum Reinhören

Der Podcast „Eine kurze Geschichte über …“ ist die deutsche Adaption der britischen Noiser-Reihe „Short History Of …“. Seit 2024 nimmt Host David Nathan aus seinem Heimstudio in Berlin die Hörer jede Woche mit auf eine etwa einstündige Zeitreise zu „den unglaublichsten Momenten und den bemerkenswertesten Menschen der Geschichte“. Im englischsprachigen Original teilen sich die Schauspieler Paul McGann und John Hopkins die Erzählerrolle; die deutsche Fassung setzt stattdessen konsequent auf eine einzige Erzählstimme.

Die thematische Bandbreite der inzwischen über 90 Folgen reicht von Ur- und Frühgeschichte über Antike und Mittelalter bis zu Neuzeit und Popkultur – von den Azteken und Römern über Agatha Christie und Nikola Tesla bis zum Weißen Haus ist praktisch alles vertreten. Dabei arbeitet das Team von Autoren jeweils mit Fachpersonen zusammen, die über eine einschlägige, meist aktuelle deutschsprachige Publikation zum konkreten Thema verfügen.

Erzählerisch folgt die Reihe einem festen Muster: ein szenischer Einstieg mit Geräuschkulisse, gefolgt von chronologisch-sachlicher Einordnung mit Experteneinschüben, unterbrochen von weiteren lebendigen Momentaufnahmen. Am Ende folgt gegebenenfalls eine Einordnung, warum das Thema bis heute nachwirkt. Größere Stoffe werden gelegentlich auf zwei Folgen aufgeteilt, etwa die Steinzeit oder Attila der Hunnenkönig. Im Folgenden gehe ich beispielhaft auf drei Beiträge ein: Kaiser Nero, Pompeji und Machu Picchu.

Kaiser Nero

Die aktuellste der hier besprochenen Folgen, veröffentlicht am 17. August 2026, widmet sich einem der umstrittensten Herrscher Roms: Wie kam Nero schon als Teenager zur Kaiserkrone? Welche Ereignisse führten wirklich zu seinem Sturz? Und war er am Ende vielleicht gar nicht so schlimm, wie ihn die Geschichte bis heute darstellt? Verfasst von Dan Smith und Carolin Sommer, mit Dank an Dr. Alexander Bätz, Autor von „Nero. Wahnsinn und Wirklichkeit“.

Schon der Einstieg zeigt, wie sehr sich die Reihe an ein breites Publikum richtet: Der Erzähler lässt einen Jungen den Beginn des großen Brandes von Rom hautnah miterleben, bevor die Folge in einen „wissenschaftlicheren“ Modus wechselt und Neros Leben chronologisch nachzeichnet – aus welcher Familie er stammte, wie er schließlich über seine Mutter zum Kaiser wurde, wie sich sein Verhalten im Verlauf seiner Regierung veränderte. Immer wieder ordnet Bätz das Erzählte mit kurzen Einschüben historisch ein.

Zwischen diese nüchternen Passagen streut die Folge aber immer wieder lebendige Momentaufnahmen wie zu Beginn ein, etwa wenn sie Neros Wagenrennen in Olympia schildert – untermalt von passenden Hintergrundgeräuschen, in diesem Fall dem Jubel des Publikums. Gerade für einen ersten Einblick in das Thema funktioniert diese Mischung aus lebendiger Erzählung einzelner Episoden und sachlicher Faktenvermittlung sehr gut.

Pompeji und der Ausbruch des Vesuvs

Beim Beitrag über Pompeji nimmt uns der Erzähler zunächst mit durch die Straßen der Stadt am 24.08.79 n. Chr., dem Datum, an dem man diesen Vesuv-Ausbruch traditionell ansetzt. Wir folgen spielenden Kindern, erleben Menschen, die auf dem Markt einkaufen oder über das Forum, den zentralen Platz, schlendern. Ein scheinbar ganz normaler Tag. Zwar hatte es schon seit einigen Tagen kleinere Erdstöße gegeben, aber niemand bringt diese mit dem Berg in Verbindung …

Anschließend gibt es eine kurze historische Einordnung Pompejis, bevor die Geschehnisse rund um den Ausbruch des Vesuvs chronologisch geschildert werden. Anhand der Briefe von Plinius dem Jüngeren, der Augenzeuge des Ausbruchs war, können wir den Ablauf gut nachvollziehen. Und auch die immer neuen Entdeckungen in Pompeji und den anderen betroffenen Städten vertiefen unsere Kenntnisse über die Katastrophe, wie Dr. Gabriel Zuchtriegel, Generaldirektor des Archäologischen Parks Pompeji und Autor von „Pompejis letzter Sommer. Als die Götter die Welt verließen“, sowie Martin Pfaffenzeller, Autor von „Die letzten Tage von Pompeji: So lebten die Römer im Schatten des Vulkans“ darlegen.

Machu Picchu und der Inka-Pfad

Den Einstieg bildet die „Entdeckung“ Machu Picchus durch Hiram Bingham. Im Zentrum des Beitrags steht jedoch das Straßennetz des Inka-Reichs und Machu Picchu als dessen bekanntester Fundort. Der Erzähler geht der Frage nach, wer die Inka waren, wozu die Passstraßen dienten und wie sich die Boten der sogenannten Quipus als Gedächtnisstütze bedienten.

Die wissenschaftliche Einordnung übernimmt in dieser Folge Javier Puente, außerordentlicher Professor für Lateinamerikastudien am Smith College (Massachusetts).

Anspruch und Verständlichkeit

Die große Stärke der Reihe liegt in der Kombination aus erzählerischer Qualität und solider Fachberatung. Die Reihe richtet sich klar an ein breites, nicht-akademisches Publikum: Komplexe historische Zusammenhänge werden verständlich und abwechslungsreich erklärt. Vorwissen ist nicht nötig. Die Folgen eignen sich aber auch gut als niedrigschwelliger Einstieg in Themen, bevor man zu vertiefender Fachliteratur greift.


Besprochene Beispiel-Episoden:

Serienlink: https://open.spotify.com/show/5aurHxjXpcamg56Vs0TXl7

Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte (Dorling Kindersley, 2026)

Mit „Das alte Griechenland“ legt der Dorling Kindersley Verlag einen weiteren Band seiner Reihe visueller Kulturgeschichten vor. Auf 400 Seiten spannt der Band einen Bogen über rund 3000 Jahre: von der Frühgeschichte und den Kulturen der Kykladen, Minoer und Mykener über den Aufstieg von Athen und Sparta bis zum Reich Alexanders des Großen und schließlich der römischen und byzantinischen Zeit. Das großformatige Buch enthält etwa 850 Fotos, Illustrationen, Karten und Zeitleisten.

Das Buch ist chronologisch in sieben aufeinanderfolgende Teile gegliedert: von den Anfängen und der Prähistorie (bis ca. 900 v. Chr.) über den Aufstieg der Stadtstaaten (900–600 v. Chr.), die spätarchaische (600–500 v. Chr.) und die klassische Zeit Athens und Spartas (500–400 v. Chr.) bis zu den Umbrüchen des 4. Jahrhunderts und Alexander dem Großen (400–323 v. Chr.), dem hellenistischen Griechenland (323–31 v. Chr.) und schließlich Griechenland unter römischer Herrschaft (ab 31 v. Chr.) mit Christianisierung und byzantinischer Ära.

Jeder der sieben Teile beginnt mit einem kurzen Überblick über den Zeitabschnitt: mit einem einleitenden Text, einer Zeitleiste mit den wichtigsten Daten am unteren Rand und einer Karte mit den relevanten Orten.

Der erste Abschnitt über die Anfänge bzw. die Prähistorie bis ungefähr 900 v. Chr. führt zunächst in die griechische Vorzeit und stellt anschließend die Kultur der Kykladen und die minoische Welt vor. Neben den historischen Begebenheiten werden auch besondere Orte, Funde und Befunde vorgestellt. Der Palast von Knossos fehlt dabei ebenso wenig wie der Diskos von Phaistos. Das Buch geht auf den minoischen Seehandel ein und zeigt dann den Aufstieg der Mykener auf dem griechischen Festland. Mehrere Kapitel sind den griechischen Göttern und Helden gewidmet. Ebenfalls in diesen Zeitabschnitt fällt der Trojanische Krieg. Der erste Teil endet schließlich mit den sogenannten Dunklen Jahrhunderten, über die man aufgrund mangelnder schriftlicher und archäologischer Funde lange Zeit nicht viel wusste.

Der folgende Abschnitt widmet sich dem Aufstieg der Stadtstaaten und umfasst den Zeitraum von 900 bis 600 v. Chr. Er macht zunächst deutlich, dass die Dunklen Jahrhunderte gar nicht so dunkel waren, wie es die ältere, auf den Schilderungen Hesiods beruhende Annahme nahegelegt hatte. In den letzten Jahrzehnten haben zahlreiche archäologische Funde gezeigt, dass es in dieser Zeit durchaus kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten gab.

Ins 8. Jahrhundert fielen die Anfänge der großen Heiligtümer Olympia und Delphi, und Hesiods „Werke und Tage“ entstanden. Um 700 v. Chr. wurden dann verschiedene Legenden und Erzählungen, die zuvor nur mündlich überliefert worden waren, schriftlich festgehalten: die Ilias und die Odyssee.

Politisch entstand nach dem Niedergang der mykenischen Kultur eine Vielzahl unabhängiger Stadtstaaten (Poleis). Eine der ersten städtischen Siedlungen Griechenlands war Argos. Die Stadtstaaten waren aber in ihrer politischen Ordnung keineswegs einheitlich. In einigen Staaten herrschten Könige, in anderen eine Oligarchie, in wieder anderen wurde eine Demokratie eingeführt.

Immer wieder führten die einzelnen Stadtstaaten Kriege gegeneinander, und die Art der Kriegsführung wandelte sich: hin zur Phalanx, die man sehr schön auf der sogenannten Chigi-Kanne aus dem 7. Jahrhundert sehen kann.

Angetrieben von Überbevölkerung, Handel und weiteren Gründen gründeten die Griechen zudem im gesamten Mittelmeerraum und rund um das Schwarze Meer neue Siedlungen.

Der Abschnitt beleuchtet außerdem den Alltag in den Poleis, etwa das Symposion. Man traf sich, um gemeinsam zu trinken, zu diskutieren und Handel zu treiben, aber auch, um sich die Zeit zu vertreiben – mit Spielen, Musik und häufig auch intellektuellen Debatten.

In der spätarchaischen Zeit (Abschnitt 3, 600–500 v. Chr.) begegnen uns die bekanntesten Stadtstaaten: Athen und Sparta wurden zu den dominanten Mächten in Griechenland. Sie waren zugleich die einzigen Städte, die ihre Macht ausschließlich innerhalb Griechenlands konzentrierten und nicht nach Übersee expandierten oder Kolonien gründeten.

Sparta stieg zur führenden Macht auf der Peloponnes auf und war dafür bekannt, dass seine Gesellschaft auf die Erziehung und Ausbildung zum Krieger ausgerichtet war. Doch natürlich war auch hier die Gesellschaft vielschichtiger, als es uns die Überlieferung – oft aus der Sicht der Rivalen – glauben lässt.

Auch Athen wuchs in dieser Zeit zu der Stadt heran, die bis heute als Inbegriff von Demokratie gilt. Soziale Unruhen führten im 6. Jahrhundert dazu, dass Solon, der berühmte Gesetzgeber Athens, eine Reihe von Reformen durchführte und damit den Beginn der attischen Demokratie einleitete.

Künstlerisch begegnen uns in dieser Zeit die großen Figuren der Jünglinge, die Kouroi, und ihr weibliches Pendant, die Koren. Auch die Vasenmalerei brachte mit der Zeit die prachtvollen Bilder hervor, die wir heute in den Museen bewundern. War zu Beginn, bei der schwarzfigurigen Malerei, noch Korinth führend, so war spätestens mit der rotfigurigen Malerei Athen der Hauptproduzent qualitätvoller Keramik, die im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und exportiert wurde.

Auch die Gründung zahlreicher Kolonien in Süditalien und Sizilien (später Großgriechenland – Magna Graecia genannt) sowie rund um den Mittelmeerraum ist in diesem Abschnitt noch einmal Thema. Man reiste zu Land und zu Wasser, und auch die Kriegsführung auf See wurde immer wichtiger. Aber auch die Schattenseiten der Gesellschaft – vom geringen Ansehen der Handwerker bis zur Sklaverei – kommen zur Sprache.

Der vierte Abschnitt behandelt die Jahre 500 bis 400 v. Chr. Er steht im Zeichen großer Konflikte: des Ionischen Aufstands, der Perserkriege und schließlich des Peloponnesischen Krieges. Er stellt Herodot als „Vater der Geschichtsschreibung“ vor und zeigt, wie Athen den Delischen Bund für den eigenen Wiederaufbau nutzte. Ohne Skrupel wurde die Schatzkasse des Bundes geplündert, um die Akropolis prachtvoll auszubauen und den Parthenon zu errichten.

Das Kapitel geht auch wieder auf verschiedene Aspekte des griechischen Lebens ein, darunter auf den Alltag griechischer Frauen, die griechische Religion, die großen Festtage und die Orakel. Das griechische Theater sowie die griechischen Autoren und Dramatiker werden vorgestellt und auch Sokrates, der „Vater der westlichen Philosophie“, lebte in dieser Zeit.

Vom Peloponnesischen Krieg bis zum Tod Alexanders des Großen reicht der fünfte Abschnitt (400–323 v. Chr.). Anfangs profitierte Sparta von seinem Sieg im Peloponnesischen Krieg und baute seine Vorherrschaft aus. Doch die Uneinigkeit unter den griechischen Stadtstaaten führte immer wieder zu kriegerischen Konflikten mit wechselnden Bündnissen. Schon im 5. Jh. hatte das bis dahin eher als Randgebiet geltende Reich Makedonien an Bedeutung gewonnen, und schließlich wurde Griechenland vom makedonischen König Philipp II. und seiner gut ausgebildeten Armee erobert.

Nach seinem Tod sicherte sich sein Sohn Alexander mit brutaler Gewalt die Nachfolge und konnte den Plan seines Vaters, die Eroberung des Perserreichs, abschließen. Doch dies war ihm nicht genug und sein Eroberungszug führte ihn immer weiter nach Osten. Er kam bis nach Indien, bevor er dem wachsenden Unmut seines erschöpften Heeres nachgeben und umkehren musste. Kurz nach der Rückkehr in seine künftige Hauptstadt Babylon erlag er dann jedoch einer Krankheit.

Parallel zur politischen Erzählung widmet sich auch dieser Abschnitt wieder Themen des täglichen Lebens: dem Leben der Nichtbürger, der Kindheit, dem Tod und den Bestattungsritualen, dem Leben nach dem Tod. Ein Highlight ist in diesem Zusammenhang das Mausoleum von Halikarnassos, das in einem eigenen Kapitel vorgestellt wird. Die Darstellung zeigt gut, wie man sich die farbliche Gestaltung eines antiken Bauwerks vorstellen muss. Weitere Kapitel behandeln griechische Medizin, Münzen und Wirtschaft, Essen und Trinken sowie die Entwicklung der Naturwissenschaften.

Die Zeit nach Alexanders Tod war von den Nachfolgekämpfen seiner Feldherren geprägt, aus denen die großen Reiche der Seleukiden, Antigoniden und Ptolemäer hervorgingen, die im sechsten Abschnitt (323–31 v. Chr.) vorgestellt werden. Weitere Reiche bildeten sich in Pergamon und Pontos. Daneben gab es weiterhin unabhängige Stadtstaaten. Doch die Rivalität untereinander ebnete der allmählichen Eroberung Griechenlands und Kleinasiens durch die Römer den Weg – ein Prozess, der mit der Schlacht von Actium 31 v. Chr. abgeschlossen war.

Die Kunst der hellenistischen Zeit war geprägt durch dramatische und realistische Darstellungen, sei es bei Skulpturen von alten oder behinderten Menschen, sei es bei Darstellungen von Boxern mit ihren Wunden. Die bukolische Dichtung dagegen idealisierte das Landleben und beschrieb idyllische Szenen. Und während die einfachen Menschen Zuflucht in Magie und Zauberei suchten, machte im hellenistischen Griechenland andererseits auch die Wissenschaft weiter Fortschritte: von der Mathematik und der Physik mit ihrem wichtigsten Vertreter Archimedes bis hin zu Technik und Musik.

Der letzte Abschnitt beginnt mit dem Jahr 31 v. Chr. und Roms Herrschaft, die Frieden und Wohlstand in die griechischen Provinzen brachte. Von hier aus spannt das Buch den Bogen weiter über die Christianisierung bis in die byzantinische Ära und die Eroberung Konstantinopels durch die Türken.

Den Abschluss bilden verschiedene Verzeichnisse:

  • die Stadtstaaten, gegliedert nach Gebieten (Festland, Inseln, Kleinasien, Nordafrika),
  • Dichter und Dramatiker,
  • Historiker und Geografen,
  • Philosophen und Wissenschaftler
  • die olympischen Götter und die Helden,
  • die wichtigsten griechischen Mythen
  • Übersicht der wichtigsten Stätten, die man in Griechenland besuchen kann.

Das Besondere dieses Buches und gleichzeitig das Kennzeichen aller Bücher von Dorling Kindersley liegt in der visuellen Gestaltung. Fast jedes Kapitel kommt mit zwei gegenüberliegenden Seiten aus, bei denen der verständlich geschriebene Text mit Fotos, Illustrationen, 3-D-Grafiken, Karten und Infografiken ergänzt wird.

Das Buch richtet sich an ein breites, interessiertes Publikum ohne Vorwissen und verbindet den großen historischen Überblick mit vielen kleinen, konkreten Einblicken in den Alltag. Es liegt in der Natur der Reihe, dass viele Themen nur oberflächlich oder gar nicht behandelt werden können. Wer tiefer einsteigen will, würde sich allerdings über Hinweise zu weiteren Überblickswerken freuen. Grundsätzlich ist das Buch allerdings sehr gut als schneller Einblick in Geschichte, Kunst und Kultur des antiken Griechenlands geeignet.

DK Verlag (Hrsg.), Das alte Griechenland
ISBN 978-3-8310-5210-3 
400 Seiten, 245 x 288 mm, fester Einband, Über 850 farbige Fotos, Illustrationen und Karten
45 Euro


Marc Aurel. Kaiser, Feldherr, Philosoph (2025)

Trier ist bekannt für seine eindrucksvollen Landesausstellungen, die sich über mehrere Museen erstrecken. Nach den römischen Kaisern Konstantin und Nero stellt das Landesmuseum Trier dieses Jahr Marc Aurel vor, der den meisten Menschen heute als Philosophenkaiser ein Begriff ist. Seine „Selbstbetrachtungen“ dienten schon vielen Prominenten als Anleitung für ihr Leben, darunter Helmut Schmidt oder Bill Clinton.

Trotz der Bekanntheit Marc Aurels ist die Ausstellung in Trier die erste große Schau, die sich ganz seinem Leben widmet. Die Begleitbände sind, wie bei solchen Projekten üblich, keine reinen Kataloge der ausgestellten Fundstücke. Die reich bebilderten Bücher vertiefen die Informationen der Ausstellungen.

Der Begleitband zum Ausstellungsteil “ Marc Aurel. Kaiser, Feldherr, Philosoph“ im Landesmuseum bietet zunächst eine knappe Zusammenfassung von Marc Aurels Leben – beginnend mit seiner Adoption durch Antoninus Pius wird seine Biografie in den historischen Kontext eingebettet: Hadrian, Antoninus Pius, Marc Aurel, Lucius Verus und schließlich der Übergang zu Commodus.

In den nachfolgenden Kapiteln gehen die Autoren ins Detail. Herkunft, Adoption und Herrschaft von Markus Annius Catilius Severus, wie er ursprünglich hieß, werden ausführlich beleuchtet. Einen genauen Überblick über die verwandtschaftlichen Verhältnisse geben zwei Stammbäume: einer von Marc Aurels Familie, der andere den der Adoptivkaiser.

Da sein Vorgänger Antoninus Pius unerwartet lange lebte, blieb Marc Aurel ganze 23 Jahre lang „Kronprinz“ – eine einmalige Konstellation, durch die er als einer der bestvorbereiteten Kaiser Roms in die Geschichte einging. Als Marc Aurel 161 n. Chr. endlich seine Herrschaft antreten konnte, machte er seinen Adoptivbruder Lucius Verus zum Mitkaiser – ein Novum in der Geschichte der römischen Kaiser. Dieses Modell sollte Schule machen und sich als zukunftsweisend erweisen.

Bereits in der Antike galt Marc Aurel als guter Herrscher – wenn auch aus anderer Perspektive gesehen. Der römische Historiker Cassius Dio bezeichnete ihn sogar als Idealkaiser. Dennoch war seine Regierungszeit geprägt von zahlreichen Kriegen und Krisen wie der Antoninischen Pest oder den Kriegen gegen die Parther und die Markomannen. Diese unsicheren Zeiten führten zu einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis im Reich: Die Armee wurde aufgerüstet und überall entstanden Stadtmauern.

Die Ausstellung und der Begleitband gehen auch auf die Personalpolitik Marc Aurels ein, auf Wirtschaft und Handel während seiner Regierung sowie auf Carnuntum, in der Nähe von Wien gelegen, wo er zusammen mit seiner Familie und seinem Gefolge während des Markomannenkriegs sein Hauptquartier aufschlug.

Ein eigener Abschnitt ist natürlich Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ und dem Stoizismus gewidmet. Nach einem allgemeinen Überblick über die historische Entwicklung der philosophischen Kultur im Römischen Reich und speziell des Stoizismus, geht das Buch auf das Verhältnis Marc Aurels zur Philosophie und auf seine „Selbstbetrachtungen“ ein. Die Einteilung in zwölf Bücher mit insgesamt 490 Kapiteln ist wohl eine spätere Zusammenstellung. Im ersten Buch dankt Marc Aurel den Göttern und all jenen Personen, die ihn in seinem Leben gefördert haben. Dabei verbindet er jede dieser Person mit bestimmten Tugenden, die ihn geprägt haben. Die übrigen Bücher enthalten Marc Aurels philosophische Überlegungen zu diesen Tugenden und Hinweise zu guter Lebensweise.

Diese „Selbstbetrachtungen“, die wohl nie zur Veröffentlichung gedacht waren, zeigen seine persönliche Lebenseinstellung und sind rein privat. Gleichzeitig war er sehr pflichtbewusst, was seine  kaiserlichen Pflichten angeht: Schutz und Verteidigung des Reiches und der Bürger. Und das machte ihn für seine Zeitgenossen und folgende Generationen von Römern zu einem guten Herrscher. Für heutige Bewunderer seiner philosophischen Gedanken ist es dagegen verstörend, wenn sie auf der Marcus-Säule in Rom zahlreiche Szenen sehen, die wir heute Kriegsverbrechen als ansehen.

Ein weiterer Abschnitt des Begleitbands stellt wichtige Denkmäler vor, die mit Marc Aurel verbunden sind: Natürlich die Marcus-Säule und das Reiterstandbild in Rom, aber auch das Parthermonument in Ephesos, zahlreiche Portrait-Büsten, Münzen und Medaillons sowie die Bautätigkeit Marc Aurels in Rom und den Provinzen.

Die nördlichen Provinzen Gallia Belgica, Germania Superior und Germania Inferior repräsentieren bespielhaft die zunehmend unruhigen Zeiten unter Antoninus Pius und Marc Aurel. Zahlreiche Konflikte mit einfallenden germanischen Gruppen wie den Chatten zeigen sich in archäologischen Spuren von Zerstörungen ebenso wie dem Bau von Stadtbefestigungen, wie im Falle von Trier.

Nicht fehlen darf in diesem Begleitband zur Landesausstellung selbstverständlich eine Auseinandersetzung mit der Wiederentdeckung und Rezeption der „Selbstbetrachtungen“ bis heute. Auch wenn sich der Rezeption dieses Bestsellers und der Frage nach dem, was gute Herrschaft ausmacht, vor allem die Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift widmet.

Im Epilog wird noch einmal ein Fazit unserer Kenntnisse über Marc Aurel gezogen, bevor die Ausstellungsstücke in einem Katalog vorgestellt werden und das Buch mit einem ausführlichen Literaturverzeichnis abschließt.

Und mein Fazit? Ausstellung und Begleitband unterstreichen einmal mehr, dass es sich lohnt, einen Blick hinter die Kulissen der römischen Antike zu werfen oder sich ihr mit neuen Fragestellungen zu nähern. Denn allzu oft widerspricht das, was wir zu wissen glauben, der Realität. Marc Aurel, der gute Herrscher? Ja, aber nicht so, wie die heutige Öffentlichkeit den Philosophen auf dem Kaiserthron sieht.

Marc Aurel. Kaiser, Feldherr, Philosoph
Hrsg.: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Rheinisches Landesmuseum Trier
Theiss in der Verlag Herder GmbH
1. Auflage 2025
Gebunden, 400 Seiten
ISBN: 978-3-534-61047-1

Markus Hafner, Die deutsche Altertumswissenschaft in der NS-Zeit. Der Gnomon von seiner Gründung 1925 bis 1949 (2025)

Die bedeutendste deutsche Rezensionszeitschrift für die klassischen Altertumswissenschaften, der Gnomon, feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt, um zu den Anfängen zurückzublicken. Markus Hafner legt mit seinem jüngst erschienenen Buch eine fundierte Analyse der Geschichte der Zeitschrift von der Gründung 1925 bis zur Neuerscheinung nach dem Zweiten Weltkrieg vor.

Die Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft erschien erstmals 1925 – bei der Weidmannschen Verlagsbuchhandlung in Berlin. Sie ging auf eine Idee des Verlagsinhabers Hans Reimer sowie Werner Jaeger zurück. Neben Dr. phil. Richard Harder wurden 16 weitere Herausgeber auf der Titelseite genannt, die das gesamte Spektrum der deutschen Altertumswissenschaften abdeckten.

  1. Ludwig Curtius (Archäologie, Heidelberg)
  2. Ludwig Deubner (Klassische Philologie, Freiburg)
  3. Eduard Fraenkel (Klassische Philologie, Kiel; später Göttingen; im Zeitraum 1931–1933 in Freiburg)
  4. Matthias Gelzer (Alte Geschichte, Frankfurt a. M.)
  5. Ernst Hoffmann (Philosophiegeschichte, Heidelberg)
  6. Werner Jaeger (Klassische Philologie, Berlin)
  7. Walther Kranz (Klassische Philologie, Lehrer in Berlin, seit 1928 und bis Mai 1933 Rektor der Landesschule Pforta)
  8. Karl Meister (Klassische Philologie, Heidelberg)
  9. Peter von der Mühll (Klassische Philologie, Basel)
  10. Karl Reinhardt (Klassische Philologie, Frankfurt a. M.)
  11. Gerhart Rodenwaldt (Generalsekretär des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches, Berlin)
  12. Wilhelm Schubart (Papyrussammlung, Altes Museum Berlin)
  13. Wilhelm Schulze (Sprachwissenschaft, Berlin)
  14. Eduard Schwartz (Klassische Philologie, München)
  15. Johannes Stroux (Klassische Philologie, München)
  16. Wilhelm Weber (Alte Geschichte, Tübingen)

Ausgangspunkt der nachfolgenden Studie ist die Umbildung des Herausgeberstabes 1933: Welche Rolle spielten die Herausgeber? Wie positionierten sie sich?

Hafner stellt jeden Herausgeber in einem Biogramm vor und geht dabei nicht nur auf ihre Lebensläufe ein, sondern auch auf ihre Einstellung zum NS-Regime und den Umwälzungen in der Redaktion des Gnomon. Er analysiert detailliert bisher zum Teil unbekanntes Material und zeichnet dabei nach, welche Rolle einzelne Herausgeber bei der Umbildung des Herausgebergremiums im Sinne des NS-Regimes einnahmen.

Das Ergebnis zeigte sich dann 1934 beim ersten Heft des 10. Jahrgangs: Nun standen nur noch 3 Herausgeber – Gelzer, Harder und Rodenwaldt – auf dem Titelblatt. Die Korrespondenz zwischen den Herausgebern untereinander, mit anderen Forschern und auch den Verlagen zeigt, dass die Umbildung von Harder von langer Hand vorbereitet worden war.

Jüdische Mitarbeiter oder als „Nichtarier“ eingestufte Forscher (Wissenschaftler mit (halb)jüdischen Ehepartnern) wurden aus dem Herausgebergremium entfernt, wenn sie nicht freiwillig gingen. Einige weitere Herausgeber gingen aus Protest ebenfalls. Trotz immer schärferer Einschränkungen für „nichtarische“ Wissenschaftler erlaubte Harder jedoch weiterhin unter bestimmten Bedingungen Rezensionen durch jüdische beziehungsweise nichtarische Wissenschaftler. Zum Teil gab es einfach keinen adäquaten Ersatz, zum Teil – wie vermutlich bei Hermann Straßburger und Otto Regenbogen – lag es an den sehr guten Lehrer-Schüler-Kontakten zu den Herausgebern.

Hafner zeigt außerdem deutlich, welche Probleme die Umgestaltung des Gnomon mit sich brachte. Es gingen nicht mehr genügend Besprechungen ein, da ja viele Rezensenten nicht mehr zugelassen wurden. Gleichzeitig deckten die drei Herausgeber nur noch einen kleinen Teil der ursprünglichen wissenschaftlichen Bandbreite ab. Als Gegenmaßnahme beschlossen sie zum einen, mehr eigene Besprechungen aufzunehmen, und zum anderen, Besprechungen aus dem ersten Jahrzehnt erneut abzudrucken. Eine Art des Content Recyclings. Die Themen entwickelten sich weg von Griechenland hin zu Rom und natürlich vor allem zu Germanien.

Harders Nachfolger wurde sein Schüler Marg – ein Generationenwechsel „im deutschen Sinne“, wie Harder schreibt. Später, als Harder und Marg an der Front kämpften, übernahm dann Erich Wilhelm Burck ihre Vertretung. Trotz aller Versuche, den Gnomon durch den Krieg zu bringen, musste man sich 1944 aber den äußeren Umständen geschlagen geben. Die Zeitschrift wurde eingestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten Wissenschaftler in Deutschland die durch die NS-Herrschaft größtenteils gekappten Verbindungen ins Ausland wieder aufzufrischen. Auch erschienen bald wieder die ersten altertumswissenschaftlichen Zeitschriften. So 1949 auch der Gnomon. Die bisherigen Herausgeber waren bei den Verfahren zur Entnazifizierung glimpflich davongekommen und wurden als Mitläufer eingestuft oder als entlastete Personen klassifiziert. Trotzdem gab es Veränderungen: Harder war zurückgetreten und Rodenwaldt hatte sich das Leben genommen. Für letzteren übernahm Friedrich Matz d. J. den Herausgeberanteil Archäologie. Burck, Marg und Gelzer machten weiter, wobei letzterer von Harder zu seinem Nachfolger bestimmt worden war.

Der Verlag wechselte von Berlin zum C. H. Beck-Verlag in München. Ausführlich schildert Hafner die Probleme bis zur Neuerscheinung im Beck Verlag. So mussten für die Lizenzierung unter anderem Gutachten ausländischer Wissenschaftler eingeholt werden.

Im abschließenden Kapitel geht Hafner auf die Frage ein, inwieweit sich der Gnomon beziehungsweise seine Herausgeber nun wirklich von den vorangegangenen ideologischen Einschränkungen lösten. Er stellt dabei fest, dass nun tatsächlich wieder Forscher aus dem Ausland rezensiert und auch als Rezensenten wieder zugelassen wurden. Dadurch kam es zu einer zunehmenden Internationalisierung. Auch jüdische bzw. nichtarische Forscher kamen nun wieder zu Wort, darunter auch Eduard Fraenkel oder Ludwig Curtius.

Andererseits waren aber auch Wissenschaftler darunter, die bis 1945 eine nicht unerhebliche Rolle im Wissenschaftsbetrieb des Nationalsozialismus gespielt hatten – und nach Kriegsende rasch wieder Positionen im westdeutschen Universitätswesen einnahmen. Aufbruch und personelle Kontinuität vermischten sich im Neuanfang nach 1945 unter dem weitgehend unveränderten Herausgebergremium also.

Im Anhang kann man alle Briefe von 1933 bis 1949, die der Untersuchung zugrunde liegen, nachlesen – beziehungsweise jene Textstellen aus den Briefen, die für die vorliegende Studie herangezogen wurden. In einem weiteren Anhang finden sich Listen der Herausgeber und Redakteure von 1925 bis 2024.

Auch wenn der Fokus klar auf der Altertumswissenschaft liegt, zeigt diese eindrucksvolle Studie beispielhaft, wie wissenschaftliche Institutionen unter politischem Druck agierten bzw. agieren mussten – und wie schwer ein Neuanfang nach 1945 war – vor allem dann, wenn zentrale Hauptakteure dieselben waren. Die Geschichte des Gnomon wird so zu einem Spiegel der Wissenschaftsgeschichte im „Dritten Reich“ – und darüber hinaus.

Markus Hafner
Die deutsche Altertumswissenschaft in der NS-Zeit. Der Gnomon von seiner Gründung 1925 bis 1949
C.H.Beck Verlag, München, 2025
224 S.
78,00 Euro

Erhältlich bei Amazon oder beim Beck-Verlag.

Archäologisches Museum von Cerveteri

Einige besonders qualitätvolle Funde der etruskischen Stadt Caere, heute Cerveteri, und ihrer Nekropolen befinden sich heute in der Villa Giulia in Rom oder im Pariser Louvre. Einige Funde sind jedoch auch im Museo Nazionale Cerite „Claudia Ruspoli“, einer alten Festung der Familie Ruspoli, untergebracht.

Die Ausstellung im Castello Ruspoli ist auf zwei Stockwerke verteilt und umfasst alle Epochen von der Villanova- bis zur Römerzeit. Die Vitrinen in der unteren Ebene zeigen viele komplette Grabinventare aus verschiedenen Epochen. Hier überwiegt Bucchero-Keramik.

Im Obergeschoss geht es dagegen um herausragende Einzelstücke. Neben Sarkophagen beeindrucken hier Amphoren und andere Gefäße mit figürlicher Malerei. Darunter als absolute Highlights einen Krater (ein Weinmischgefäß) und eine Kylix (eine Trinkschale) des berühmten Athener Vasenmalers Euphronios (5. Jh. v. Chr.). Beide Gefäße, die bei illegalen Grabungen zutage kamen, befanden sich lange Jahre in den USA, wurden aber schließlich dem italienischen Staat zurückgegeben. Zunächst wurden sie dann in der Villa Giulia in Rom aufbewahrt, doch 2015 kamen sie endlich nach Hause – nach Cerveteri.

Mein persönliches Lieblingsstück des Museums ist allerdings eine Statue des Todesdämonen Charun. Die Statue gehört zur Grabanlage von Greppe Sant‘ Angelo, die im ersten Stock teilweise rekonstruiert wurde.

Weitere Informationen zum Museum.

Die Monterozzi-Nekropole von Tarquinia

 

Zu den Meisterwerken der etruskischen Kunst gehören die Wandmalereien der Monterozzi-Nekropole von Tarquinia in der italienischen Provinz Viterbo. Die Nekropole zieht sich über etwa 5 Kilometer hin und umfasst mehr als 6000 Grabanlagen von der Villanova-Periode (9. Jahrhundert v. Chr.) bis zur Römerzeit. Wandmalereien befinden sich dagegen nur in etwa 60 dieser Gräber.

Entsprechend der langen Benutzung der Nekropole gibt es hier unzählige Grabtypen. Aus der frühesten Zeit stammen einfache aus dem Fels gehauene Gruben für Brandbestattungen. Als sich gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. eine Aristokratie in Tarquinia etabliert hatte, entstanden die ersten Familiengräber in Form von unterirdischen Grabkammern, über denen sich Grabhügel erhoben. Von diesen teilweise riesigen Grabhügeln, von denen noch im 19. Jahrhundert viele sichtbar waren, ist inzwischen kaum noch etwas übrig und so präsentiert sich die Nekropole dem Besucher heute als flache Ebene.

In den Gräbern standen Urnen oder Sarkophage für die sterblichen Überreste der Verstorbenen. Bei den frühesten Sarkophagen ist eine Skulptur der oder des Verstorbenen auf dem Rücken liegend auf dem Deckel dargestellt. Später zeigen die Skulpturen ihn oder sie auf der linken Seite liegend. Sie wenden sich dem Betrachter zu und halten oft ein Trankopfergefäß in der Hand. Manchmal entfaltet sich bei einem Mann eine Schriftrolle in seiner Hand, auf der seine Ahnen und seine Ämter aufgelistet sind.

Die Seiten der Sarkophage zeigen Reliefs mit symbolischen oder mythologischen Darstellungen. Die Vorbilder für diese Sarkophage stammen vermutlich aus Süditalien, genauer aus der Gegend von Tarent. Hergestellt wurden sie aber wohl in Tarquinia selbst. Zumindest wurden hier sehr viele dieser Sarkophage gefunden.

Man gab den Toten persönliche Gegenstände mit ins Grab und einige Kammern schmückte man mit beeindruckenden Wandmalereien. Man sieht Dämonen und Szenen aus der Unterwelt, fantastische Wesen und Tiere wie Leoparden oder Delphine. Unter den Darstellungen finden wir auch Bankett- und Familienszenen, die uns einen Einblick in das Leben der wohlhabenden Etrusker geben. Ob diese Szenen allerdings tatsächlich im Diesseits spielen oder Jenseitsvorstellungen darstellen, muss offenbleiben.

Unter den vielen sehenswerten Grabanlagen Tarquinias möchte ich im Folgenden ein paar hervorheben. Um die kostbaren Wandmalereien zu schützen, kann der Besucher die Kammern mit den Wandbilder nicht betreten, sondern muss sich mit einem Blick durch Glasscheiben begnügen – die jedoch oft durch die feuchte Luft beschlagen sind.

Die Tomba dei Giocolieri („Grab der Jongleure“) aus dem Ende des 6. Jahrhunderts zeigt im hinteren Giebelfeld einen Löwen und einen Panther. In der Wandzone darunter sind Akrobaten, Jongleure, Musiker und Tänzerinnen dargestellt. 

Das Grab des Kriegers (Tomba del Guerriero) ist über einen sogenannten Dromos zugänglich ist. Hierbei handelt es sich um einen Korridor unter freiem Himmel. Die Decke zeigt ein schachbrettartiges Muster und an den Wänden sind sechs rote Säulen dargestellt. Eine Bankettszene zeigt unter anderem zwei Zither- und Doppelflötenspieler, eine Tänzerin und zwei Tänzer.

Die Tomba della Caccia e Pesca („Grab der Jagd und der Fischerei“) ist eines der bekanntesten Gräber Tarquinias. Ein Dromos mit einer Treppe führt zu der Grabkammer, die eine der detailreichsten Wandmalereien der Nekropole besitzt. Zum einen sieht man ein Boot mit Steuermann, Matrosen und einem Fischer inmitten von Delfinen und Vögeln. Zum anderen sind an Land Jäger mit Steinschleudern und ein weiterer Fischer mit einer Harpune dargestellt.

Auch die Tomba dei Tori („Grab der Stiere“) betritt man über einen Dromos. Die Grabanlage besteht aber nicht nur aus einer einzigen Kammer. Der Dromos endet in einer Art Atrium, von dem zwei Kammern abgehen. Von den Stieren, die dem Grab seinen Namen gab, hat einer einen menschlichem Kopf. Vermutlich ist hier der Flussgott Acheloos gemeint. Was das Grab allerdings noch bekannter gemacht hat, sind einige erotische Szenen. Der Besitzer des Grabes, Arath Spuriana, hat sich in einer Inschrift auf dem Architrav verewigt. Er gehörte wohl zu einer der wichtigsten Familien Tarquinias, der Famile Spurinna.

Die Fresken der Tomba degli Auguri („Grab der Auguren“) werden auf die Jahre 530–540 v. Chr. datiert. An der rechten Wand steht ein Mann vor dem Eingang zur Unterwelt. Er trägt ein purpurrotes Gewand und ein Diener übergibt ihm eine sella curulis, einen Klappstuhl, der höheren Beamten vorbehalten war. Neben dieser Szene ist ein Ringkampf dargestellt, beobachtet von einem Ringrichter, wie sein gebogener Stock zeigt. Es handelt sich wohl um eine Szene aus den Begräbnisspielen zu Ehren des Verstorbenen, denn man sieht auch phersu, eine maskierte Gestalt, die einen Hund an der Leine führt, der wiederum eine weitere Person mit verhülltem Kopf angreift.

Die Tomba dei Leopardi („Grab der Leoparden“) ist ein besonders schönes Beispiel der etruskischen Grabmalerei. Zwei Leoparden im Giebelfeld der Rückwand haben dem Grab seinen Namen gegeben. Drei Paare haben sich zu einem Bankett versammelt und liegen auf Klinen. Das mittlere Paar wird von zwei nackten jungen Männern bedient. Das Bankett wird begleitet von Musikanten und Tänzern.

Schon diese wenigen Beispiele der eindrucksvollen, farbenfrohen Fresken der Monterozzi-Nekropole machen deutlich, dass diese Totenstadt ein Muss für jeden ist, der sich für die Etrusker interessiert.

Buchbesprechung: Roderick Beaton, Die Griechen. Eine Globalgeschichte (Reclam 2023)

Roderick Beaton, Spezialist für moderne griechische und byzantinische Geschichte, Sprache und Literatur, erzählt in seinem aktuellen Buch die Geschichte all jener Menschen, die in den vergangenen 3500 Jahren ihre Identität über die griechische Sprache und Kultur definierten – ganz gleich, wo sie sich niederließen. Es geht also nicht nur um die Geschichte des modernen Griechenland, das, wie das Buch zeigt, geographisch nur einen Bruchteil der Gebiete abdeckt, in denen Griechen im Laufe der Jahrhunderte siedelten.

Sein Buch beginnt 1500 v. Chr. auf Kreta, der Insel der Minoer, und den auf sie folgenden Mykener, die ihre Macht vom griechischen Festland auf die gesamte Ägäis ausweiteten. Er geht auch ausführlich auf den Siegeszug des griechischen Alphabets ein, die bahnbrechende Erfindung, die Voraussetzung für die Entstehung von Geschichtsschreibung, Philosophie oder auch literarischen Werken wie Homers Epen war.

Beaton zeigt, wie sich Stadtstaaten wie Athen oder Sparta entwickelten, wie die Ursprünge der Demokratie aussahen und wie Athen zur kulturellen Hauptstadt der Griechen wurde. Wir verfolgen die Kriege zwischen den Stadtstaaten untereinander und gegen verschiedene fremde Eroberer wie die Perser. Einige Eroberer, wie die Römer, ließen sich dabei ihrerseits bereitwillig hellenisieren.

In der Spätantike gehen jedoch mit zunehmender Christianisierung bedeutende Veränderungen vor sich. Noch immer gilt Athen vielen als kultureller Nabel der griechischen Welt. Aber das Rad der Geschichte hat sich weitergedreht und nun zieht Konstantinopel, die neue Hauptstadt des römischen Reiches, die bedeutendsten Künstler und Wissenschaftler an. Aber es wird auch deutlich, wie die Griechen von den Kreuzzügen bis zu den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts und der Gründung des modernen Staates weiterhin immer wieder in Kriege verwickelt wurden, in denen sie sich auf verschiedenen Seiten wiederfinden. Das Buch endet 2021 und deckt somit auch aktuelle Themen wie die Flüchtlingskrise, die Schuldenkrise von 2010 und die Auswirkungen der Covid19-Pandemie ab.

Fundiert, aber trotzdem leicht lesbar, vermittelt Beaton, was griechische Kultur im Laufe der Geschichte ausmachte. Für interessierte Leser stellt Beaton eine umfangreichen Liste weiterführender Literatur zur Verfügung. Für die deutsche Ausgabe wäre es allerdings nützlich gewesen, wo vorhanden, die deutschen Ausgaben anzuführen.

Beaton, Roderick: Die Griechen. Eine Globalgeschichte
Übers. von Ursula Blank-Sangmeister unter Mitarbeit von Janet Schüffel
605 S. 43 Farbabb. 15 Karten
ISBN: 978-3-15-011007-2
38,00 €

Das Buch ist unter anderem bei Amazon erhältlich. Als Buch und als E-Book.
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Patrick Schollmeyer, Die 40 bekanntesten archäologischen Stätten in Mittel- und Nordgriechenland

(Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz 2023)

Auch dieses Jahr nimmt uns der Nünnerich-Asmus-Verlag mit seiner Reihe „Die bekanntesten archäologischen Stätten“ mit auf Reisen. Unsere diesjährigen Reiseziele sind Mittel- und Nordgriechenland sowie die Peloponnes und unser Reiseleiter ist der Archäologe Patrick Schollmeyer. In diesem Beitrag geht es um die weniger bekannte Regionen in Mittel- und Nordgriechenland.

Zunächst nimmt uns der Autor mit auf eine „Zeitreise“, in der er uns einen Überblick über die Geografie und Geschichte dieses Teils Griechenlands gibt. Die ersten Siedlungsspuren stammen aus dem Neolithikum (7.–4. Jahrtausend v. Chr.). In den Mittelpunkt der griechischen Geschichte rückte diese Region jedoch erst, als sich die hier ansässigen Makedonen zu einer militärischen Macht entwickelten. Unter ihrem König Philipp II. unterwarfen sie im 4. Jahrhundert zunächst viele der übrigen griechischen Stadtstaaten, die die Makedonen bis dahin als Nichtgriechen, „Barbaren“, angesehen hatten. Phillips Sohn Alexander stieß mit seinen Eroberungszügen sogar bis nach Indien vor und verband die griechische Kultur mit der Kultur der neu eroberten Regionen.

Nach seinem Tod kämpften seine Nachfolger, die Diadochen, um die Vorherrschaft. In Mittel- und Nordgriechenland konnten sich die Antigoniden etablieren. Aber auch sie konnten den aufstrebenden Römern nichts entgegensetzen. Unter Augustus und seinen Nachfolgern herrschte dann endlich wieder Frieden. Aber erst Ende des 3. / Anfang des 4. Jahrhunderts wurde Mittel- und Nordgriechenland eine bedeutende Region des römischen Reiches, wie auch viele Kirchenstiftungen – auch des Kaiserhauses – zeigen.

Zu allen Regionen gibt Patrick Schollmeyer zunächst einen Überblick über Landschaft und Geschichte. Anschließend werden die wichtigsten Orte der jeweiligen Region vorgestellt. Neben einer Beschreibung dessen, was der Besucher besichtigen kann, erwarten den Leser auch viele Informationen über die Geschichte des Ortes, die Landschaft, in die er eingebettet ist, sowie die Forschungsgeschichte. Im Folgenden werden einige der besprochenen Orte erwähnt.

Unsere Reise führt uns zunächst nach Boiotien. Hier befindet sich beispielsweise Theben, die wichtigste Stadt des boiotischen Bundes, einem Städtebund aus fünfzehn Stadtstaaten (Poleis) (6.–4. Jh. v. Chr.). Um Theben ranken sich viele Sagen. So spielen hier die Sagen um die Sieben gegen Theben, Ödipus oder Niobe. Auch ist Theben die Geburtsstadt des Herakles. In Theben selbst ist vor allem das Museum zu empfehlen und einige Kilometer entfernt kann man die Ausgrabungen eines Kabirenheiligtums besichtigen.

Traurige Berühmtheit haben die Thermopylen erlangt. Im Kampf der Griechen gegen die Perser hielten 300 Spartaner die Perser hier auf, um dem Hauptheer den Rückzug zu ermöglichen, und verteidigten diesem Engpass bis zu ihrem Tod – ein Ereignis, das sogar seinen Weg in die Kinos fand.

Die kleineren Regionen Phokis, Lokris und Doris sind in einem Kapitel des Reiseführers zusammengefasst. Hier, genauer gesagt in Phokis, liegt Delphi, der Nabel der Welt. Das Orakelheiligtum des Apollo hier war über die griechische Welt hinaus bekannt und wurde von vielen Herrschern befragt. Schollmeyer stellt zum einen ausführlich das Apolloheiligtum selbst vor. Zum anderen geht er auch auf die Ruinen in der Umgebung ein – das Heiligtum der Athena Pronaia mit dem auffälligen Tholos (= Rundtempel), ein Gymnasion und die Kastalia-Quelle – sowie auf das Museum, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Aber nicht nur die antiken Griechen haben hier sehenswerte Spuren hinterlassen. In der Nähe Delphis sollte man auch einen Abstecher zur Klosteranlage von Osios Loukas machen, einem Musterbeispiel byzantinischer Architektur und Mosaikkunst.

Aitolien und Akarnanien waren eher dünn besiedelte Regionen, in denen aufgrund der zerklüfteten Landschaft lange Zeit keine größeren Siedlungen oder sogar Städte entstanden. Trotzdem haben sich hier einige archäologischen Reste erhalten, die einen Besuch lohnen. Zum Beispiel das Heiligtum des Aitoler-Bundes, der in hellenistischer Zeit militärisch bedeutend war. In diesem bei Thermos gelegenen religiösen Zentrum der Aitoler kann man die Entstehungsgeschichte dorischer Tempelarchitektur besonders gut nachvollziehen.

Aus den griechischen Sagen ist dagegen Kalydon bekannt, der Ort der mythischen Jagd auf einen riesigen Eber, der die Region verheerte. Hier haben sich außer der Stadtmauer aus dem 4. Jahrhundert auch Reste des Hauptheiligtums der Stadt erhalten. Sehenswert ist  auch die Nekropole Kalydons mit dem Grabdenkmal des Leon, der als Heros, genauer gesagt als neuer Herakles verehrt wurde.

Auch die Region Epirus lag, wie Patrick Schollmeyer erklärt, in der Antike nicht gerade im Zentrum des Geschehens, auch wenn hier das überregional bedeutende Orakel des Zeus-Heiligtums von Dodona lag. In den Fokus der Geschichte geriet dieser Landstrich jedoch, als 31 v. Chr. die ägyptische Königin Kleopatra und Markus Antonius in einer Seeschlacht vor dem Kap von Actium dem späteren römischen Kaiser Augustus unterlagen. Was historisch als Beginn der römischen Kaiserzeit gilt, wurde von Augustus durch die Gründung von Nikopolis, der Stadt des Sieges, manifestiert. Dabei wurden viele Menschen der umliegenden Orte dorthin umgesiedelt.

Die nächste Station unserer Reise führt uns nach Thessalien, der mythischen Heimat des Achill. Hier haben sich mit Sesklo eine jungsteinzeitliche Großstadt erhalten – man geht von etwa 3000 Einwohnern aus. In Dimini wiederum kann man den Übergang zur Bronzezeit gut beobachten. Eine hellenistische Neugründung war dagegen Demetrias, benannt nach ihrem Gründer Demetrios Poliorketes (dem Städtebelagerer).

Sehenswert aus nachantiker Zeit sind auch die Meteora-Klöster, ein Highlight der Klosterbaukunst. Von den ursprünglich 24 einzelnen Klöstern und Eremitagen sind heute nur noch sechs bewohnt. Teilweise waren die auf hohen Felsformationen errichteten Klöster ursprünglich nur über Seilwinden und Strickleitern zugänglich, die man heute noch sehen kann.

Makedonien, wo die griechischen Götter auf dem Olymp wohnten, galt den antiken Griechen, wie schon erwähnt, lange Zeit als Barbarenland. Die Hinterlassenschaften der makedonischen Herrscherdynastie sind künstlerisch jedoch alles andere als barbarisch. Sehenswert sind unter anderem Vergina und Lefkadia mit ihren beeindruckenden Grabanlagen sowie die Ruinen des Palastes in Pella, der Geburtsstadt Alexanders d. Gr.

Thessaloniki, nach Athen die wichtigste Stadt des modernen Griechenland, bietet vor allem Freunden spätantiker und byzantinischer Zeit Anlass für einen mehrtägigen Aufenthalt. Zum einen beherbergen das archäologische und das byzantinische Museum der Stadt eindrucksvolle Kunstschätze. Zum anderen lohnen die Reste des für den Tetrarchen Galerius errichteten Palast sowie zahlreiche Kirchen einen Besuch.

Mit der bei Badetouristen beliebten Halbinsel Chalkikide mit ihren drei „Fingern“ verbindet man kulturell vor allem die Mönchsrepublik Athos. Nur wenige Personen erhalten allerdings Zutritt zu diesem Teil Chalkidikes.

Im Nordosten Griechenlands erstecken sich die Regionen Ostmakedonien und Thrakien auf einer fruchtbaren Küstenebene. Der wichtigste Ort, das ostmakedonische Philippi, steht einerseits in Verbindung mit dem Bürgerkrieg nach Caesars Ermordung, denn hier unterlagen die Verschwörer den Anhängern Caesars. Andererseits ist der Ort durch den Besuch des Apostels Paulus bei der hiesigen frühchristlichen Gemeinde und durch seinen in der Bibel überlieferten Brief an sie bekannt und war eine Zeit lang sogar Pilgerzentrum. Der heutige Besucher kann hier unter anderem die Reste der antiken Stadt bewundern, die seit 1914 ausgegraben wird.

Den Abschluss unserer Reise durch Mittel- und Nordgriechenland bildet Thrakien mit Abdera, der Heimat der Philosophen Anaxarchos, Demokritos, Hekataios und Protagoras.

Patrick Schollmeyer legt mit diesem Führer zu archäologischen Stätten Mittel- und Nordgriechenlands wieder ein gelungenes Buch dieser Reihe vor. Schon diese kleine Auswahl aus den vielen archäologischen Stätten in diesen meist weniger frequentierten Teilen Griechenlands zeigt uns, dass diese Region auch abseits von Delphi und den üblichen Touristenpfaden eine Reise wert ist.

Patrick Schollmeyer, Die 40 bekanntesten archäologischen Stätten in Mittel- und Nordgriechenland (Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz 2023)
176 Seiten, 102 Abbildungen
ISBN: 978-3-96176-179-1

©Angela Zimmermann

Das Buch ist unter anderem bei Amazon erhältlich. Ein Klick auf das Bild führt direkt dorthin.

Haus Bürgel (Teil 3)

Anschließend verlässt man das Hauptgebäude von Haus Bürgel und wandert außen an der Ostmauer entlang. Im Pflaster sind Lage und Form der zwei Zwischentürme, des Osttors und des südöstlichen Eckturms sichtbar. Vom Osttor führt ein schmaler Pfad zum Ort der Getreidedarre, deren Grundriss in der Wiese markiert ist. Auch die Gräber sollen mit Steinplatten auf der Wiese angedeutet sein. Aufgrund von verschiedenen Hochwassern ist hier allerdings nicht mehr viel zu sehen.

Vor der Südmauer wurde durch die biologische Station ein historischer Nutzgarten mit Gemüse und Kräutern angelegt, der die Essgewohnheiten von Germanen und Römern bis heute zeigt. Auch auf dieser Seite sind Lage und Form der Kastelltürme sichtbar gemacht. Statt eines Tores gab es hier, wie bereits erwähnt, nur eine kleine Tür.

Vor dem zweiten Zwischenturm führt eine neuzeitliche Tür in den Hof, wo rechts die Nachbildung eines römischen Backofens steht. Dieser Backofen wird bei Veranstaltungen genutzt, aber auch im römischen Kastell stand vermutlich ein Backofen. Im Fußboden wurde hier und im Bereich zwischen dem Ofen und dem Wirtschaftsgebäude an der Ostmauer der Grundriss des vermuteten Hauses des Kommandanten mit dem Bad angedeutet.

Der Außenpfad führt weiter bis zur Südwest-Ecke von Haus Bürgel, wo zwei weitere Raume des Museums untergebracht sind. In Raum 7 sieht man rechts Reste der Kastellmauer, genauer gesagt den Kern der Mauer. Denn außen war sie, wie schon erwähnt, mit regelmäßigen Quadern und Ziegelbändern verkleidet. Eine solche Verkleidung ist hier ebenfalls nachgebildet. Näheres zur Bautechnik erfährt man auf den Infotafeln.

Der letzte Ausstellungsraum widmet sich zum einen noch einmal dem Alltagsleben der Soldaten und ihrer Familien, zum anderen der römischen Schifffahrt. So gibt es hier unter anderem Nachbildungen einer Prahm (ein flacher Lastkahn), einer Kochstelle und eines Scorpio, einer römischen Artillerie-Waffe.

Um zum Ausgang des Museums zu gelangen, geht man wieder den Außenpfad entlang und durch das Hauptgebäude.

Die vielen Infotafeln im Museum und am Außenpfad geben zusammen mit den gezeigten Funden einen guten Einblick in das Leben im römischen Kastell von Haus Bürgel. Wenn man in die Gegend von Düsseldorf kommt, lohnt sich in jedem Fall ein Besuch in diesem kleinen Museum.

Weitere Informationen:

Website von Haus Bürgel

Literaturhinweise:

  • Michael Gechter, Michael Hohmeier, K Peter Wiemer: Haus Bürgel in Monheim am Rhein. Rheinische Kunststätten 517, Neuss 2010.
  • Jost Auler: „Capite arma equites!“ Dormagen in der Römerzeit. Dormagen 2021 .
  • Peter Bürschel, Michael Gechter: Ausgrabungen in Haus Bürgel. In: Archäologie im Rheinland 1993. Bonn 1994, S. 94–96.
  • Thomas Fischer: Neue Forschungen im spätrömischen Kastell „Haus Bürgel“, Stadt Monheim, Kreis Mettmann. In: Archäologie in Deutschland. 1998, Heft 2, S. 6 ff.
  • Thomas Fischer: Neue Forschungen im spätrömischen Kastell „Haus Bürgel“, Stadt Monheim, Kreis Mettmann. In: Spätrömische Befestigungsanlagen in den Rhein- und Donauprovinzen. Oxford 1998, S. 41 ff. (BAR Int. Ser. 704).
  • Michael Gechter: Neufunde aus Haus Bürgel. In: Archäologie im Rheinland 2003. Stuttgart 2004, S. 81–83.

Haus Bürgel (Teil 2)

Irgendwann, vielleicht im 11. Jahrhundert, wurde die Befestigung des Kastells bei Haus Bürgel erneuert. Der Turm in der Nordostecke wurde dabei durch einen Eckturm ersetzt, an den sich das Hauptgebäude dieser Burg lehnte. Vermutlich wurde die römische Mauer in der südwestlichen Ecke etwa in dieser Zeit von einem Hochwasser weggespült. Bei einem anderen Hochwasser 1373/1374 verlegte der Rhein sein Bett und so liegt Haus Bürgel nun rechtsrheinisch. Im Laufe der Zeit wurde der Gebäudekomplex immer wieder umgestaltet und diente schließlich in den letzten Jahrhunderten als Gutshof.

Die Funde in und um dieses Kastells zeigen auch, dass es hier schon ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. eine Art Siedlung oder ein Kleinkastell gab. Man fand Gräber, Gruben und zahlreiche Streufunde.

Der Hauptteil des 2003 eröffneten Museums ist im heutigen Hauptgebäudes des Hofes untergebracht. Der Weg dorthin führt zunächst vom Foyer in den Hof, von wo aus man einige der originalen Reste der römischen Mauern erkennen kann sowie den Standort der Maternus-Kirche, deren Grundriss im Pflaster sichtbar gemacht wurde. Eine schmale Treppe führt zum Museumseingang, sodass das Museum leider nicht barrierefrei ist.

Der erste Raum gibt einen Überblick über die Geschichte von Haus Bürgel von den Anfängen vor etwa 2000 Jahren über die mittelalterliche Burg und den Gutshof des 18. Und 19. Jahrhunderts bis heute.

Der nächste Raum widmet sich den Gräbern, die im Hof und außerhalb des Gebäudekomplexes gefunden wurden. Die Grabbeigaben belegen, dass es schon im 1. Jh. n. Chr. am Ort des späteren Kastells eine Siedlung gab. Die Ausstellung zeigt darüber hinaus die verschiedenen Formen, die es für Körper- oder Brandbestattungen gab, und geht auf Begräbnissitten und Totenkult ein.

Wer hier stationiert war, erfahren wir einen Stock höher in Raum 4. Ausrüstungsgegenstände, Kleidung, Waffen und Münzen zeigen, dass wir es mit germanischen Söldnern zu tun haben. Ihr Alltag wird im nächsten Raum veranschaulicht, wo verschiedene Funde beispielsweise Aufschluss über ihre Essgewohnheiten geben. Auch weisen Haarnadeln oder Steckkämme auf die Anwesenheit von Frauen.

In Raum 3 geht es um römische Militärlager im Allgemeinen und um das Kastell Haus Bürgel im Speziellen. Wie sah der Grundriss aus? Welche Gebäude gab es? Welche Bautechnik verwendete man für Mauern, Tore und Türme?

Der Rundgang führt als nächstes ins Erdgeschoss des Turms der nordöstlichen Ecke. Hier in Raum 6 werden die Arbeitsmethoden von Archäologen erklärt. Fotos und Zeichnungen geben Einblick in die Grabungen an Haus Bürgel. In diesem Raum hat sich außerdem das Fundament des römischen runden Eckturms erhalten.

(Fortsetzung folgt …)

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