Monat: Februar 2014

Römische Wandmalerei (Teil 2): 2. römisch-pompejanischer Stil (circa 100 bis 15 v. Chr.)

Der 2. römisch-pompejanische Stil entstand um etwa 100 v. Chr. Zunächst wurde der späte 1. Stil durch gemalte „vorgeblendete“ Säulen in einen Vorder- und einen Hintergrund aufgeteilt. Ein Beispiel findet sich in der Casa dei Grifi (Haus der Greifen) auf dem Palatin in Rom.

Nach und nach wurde die massive Wand des 1. Stils immer weiter aufgelöst. Eine Scheinarchitektur im Vordergrund ahmte offenbar Theaterarchitektur nach. Die Wand dahinter öffnete sich in der Wand und oberhalb der Scheinarchitektur zu Durchblicken in eine „dahinter liegende“ idyllische Landschaft, auf Gebäude oder Tempelbezirke. Teilweise öffnen sich dabei die Durchblicke hinter einem dunklen Vorhang, der zur Seite gezogen ist – ein weiterer Hinweis darauf, dass die Architekturdarstellung römischer Bühnenarchitektur folgen. Auf seinem Höhepunkt war die Wand in mehrere Schichten aufgelöst, wobei die einzelnen Architekturteile im Vordergrund reich verziert waren und Gefäße oder Statuetten trugen.

Dieser Architektur- oder Illusionsstil dauerte bis etwa 15 v. Chr. und in seiner späten Phase wurde die Wand wieder „flacher“ und die „Durchblicke“ wurden auf ein zentrales Hauptbild reduziert. Architektur und Figuren werden zunehmend unrealistischer und leiten damit zum 3. Stil über.

Beispiele:
Casa dei Grifi
Villa in Boscoreale
Haus des Augustus
Haus der Livia

(Fortsetzung folgt …)

Römische Wandmalerei (Teil 1): Einleitung und 1. römisch-pompejanischer Stil (Inkrustationsstil, circa 200 bis 80 v. Chr.)

Römische Wandmalerei ist in der Regel selten erhalten und unsere besten Quellen sind die beim Ausbruch des Vesuv im August 79 n. Chr. verschütteten Städte. Vergleiche mit Resten in Rom und anderen Orten im römischen Imperium zeigen jedoch, dass es sich bei den einzelnen Entwicklungsstufen offenbar um weitbreitete Modeerscheinungen handelte.

1882 teilte August Mau in seiner „Geschichte der decorativen Wandmalerei in Pompeji“ die Wandmalerei von Pompeji in vier Stile ein:

  • 1. Stil / Mauerwerk- oder Inkrustationsstil: circa 200 bis 80 v. Chr.
  • 2. Stil / Architektur- oder Illusionsstil: circa 100 bis 15 v. Chr.
  • 3. Stil / ornamentaler Stil: circa 15 v. Chr. bis 50 n. Chr.
  • 4. Stil / Phantasiestil: 50 bis 79 n. Chr.

Dabei sind die Übergänge zwischen den einzelnen Stilen fließend.

Es gibt reichlich Literatur zu römischen Wandmalereien. Hier nur wenige ausgewählte Werke:

  • August Mau, Geschichte der decorativen Wandmalerei in Pompeji (Berlin 1882)
  • Harald Mielsch, Römische Wandmalerei (Darmstadt 2001)
  • Donatella Mazzoleni und Umberto Pappalardo, Pompejanische Wandmalerei, Architektur und illusionistische Dekoration (München 2005)

1. Stil / Mauerwerk- oder Inkrustationsstil: circa 200 bis 80 v. Chr.

Der sogenannte Inkrustationsstil imitierte griechische Vorbilder hellenistischer Zeit. Mit Hilfe von Stuck und Malerei wurde eine Wand aus echtem Mauerwerk aus verschiedenem Marmor nachgeahmt. Über einem Sockel erhob sich eine Zone mit Orthostaten (aufrecht stehende Steinblöcke) und darüber eine Zone aus Quaderblöcken, eine Frieszone und Zierglieder, z. B. eine Zahnschnittzone. Bei den Farben dominieren Ocker, Rot, Violett und Dunkelgrün. Anfangs sorgte der Stuck dafür, dass die „Steine“ plastisch hervortraten. Zum Ende des 1. Stils wurden die Marmorblöcke nur noch gemalt, blieben also flächig. Dabei wurden die Orthostaten jetzt in der Regel vertikal angeordnet.

Beispiel:
– Haus des Sallust, Pompeji (Rekonstruktion; Fotos)

(Fortsetzung folgt …)

Buchbesprechung: Diana E. E. Kleiner, Roman Architecture – A Visual Guide

(Yale University Press, 2014)

Geschrieben als Begleitbuch zum Onlinekurs „Roman Architecture“, den Prof. Kleiner auf www.coursera.org anbietet (basierend auf ihrem Open Yale Course), kann dieses E-Book (erschienen für IPad und Kindle) auch für sich als gute Einführung in römische Architektur dienen.

Das Buch deckt den Zeitraum von der frühen Republik bis zur Spätantike ab und zeigt kurz, aber trotzdem sehr anschaulich die Entwicklung der römischen Architektur:
– wie die Erfindung des Opus Caementicium, dem römischen Beton, den römischen Architekten nie geahnte Möglichkeiten der Gestaltung eröffnete
– wie sich Häuser von nach innen gerichteten Häusern sich zu prachtvollen Villen mit Gärten und riesigen Innenhöfen öffneten
– wie sich die Innendekoration bzw. die Wandmalerei von noch recht schlichten Marmorimitationen zu phantasievollen Dekorationssystemen entwickelten
usw.

Der räumliche Schwerpunkt liegt natürlich bei Rom selbst und den Vesuvstädten Pompeji, Herculaneum usw. Aber Prof. Kleiner geht auch auf die römischen Provinzen ein.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch für alle, die sich für römische Architektur interessieren.

Das E-Book ist unter anderem bei Amazon erhältlich. Ein Klick auf das Bild führt direkt dorthin.

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