Monat: Juli 2020

Ara Pacis Augustae, Rom (Teil 2)

Die gesamte Anlage der Ara Pacis hat eine Grundfläche von 11,63 × 10,62 und ist 4,60 Meter hoch. Sie besteht aus Carrara-Marmor. Der eigentliche Altar im Zentrum des Heiligtums steht in einem von Mauern umgebenen Hof. Man erreicht diesen Hof, der sich auf einem Podium erhebt, über 3,60 Meter breite Zugänge an Vorder- und Rückseite der Umfassungsmauer. Während der Eingang auf der Rückseite zur Zeit der Erbauung ebenerdig lag, war der Eingang auf der Vorderseite, der Hauptseite des Altars, über eine neunstufige flache Freitreppe zugänglich.

Der eigentliche Altar erhebt sich auf einem weiteren Podium. Über vier Stufen erreichte man den Altartisch, der an den Schmalseiten sowie an der Rückseite von Reliefs eingefasst war. Die seitlichen Wangen dieser Umfassung sind mit Greifen und Ranken mit hoch aufragenden Voluten geschmückt. Vermutlich waren alle freien Wände des Altars mit Reliefs versehen, von denen sich aber kaum Reste erhalten haben. Die Wange links vom Altartisch zeigt innen und außen Opferzüge. Ansonsten reichen die Reste nicht für genaue Rekonstruktionen.

Die Umfassungsmauer ist außen und innen jeweils mit zwei Registern von Reliefs versehen. Die Innenseite imitiert im unteren Register Holzpalisaden, mit denen ein römischer Altar oft umgeben war. Das darüber liegende Relief ahmt den in solchen Holzkonstruktionen üblichen Girlandenschmuck nach. Dieser hing dann an Pfosten und war wie an der Ara Pacis mit Bukranien (Rinderschädeln) verziert. Über den Girlanden sieht man Opferschalen.

Die Außenwände der Umfassungsmauer sind im unteren Register auf allen vier Seiten mit Ranken aus Akanthusblättern und anderen Pflanzen geschmückt, zwischen denen man bei genauerem Hinsehen auch Vögel und andere kleine Tiere entdecken kann.

Die Reliefs im oberen Register zeigen unter anderem Opferzüge und Szenen aus der mythischen Vorzeit der Römer. Diese Darstellungen sind jedoch Gegenstand des folgenden Artikels.

 

(Fortsetzung folgt …)

Ara Pacis Augustae, Rom (Teil 1)

Im Jahre 13 v. Chr. kehrte Augustus von siegreichen Feldzügen in Spanien und Gallien nach Rom zurück und der römische Senat gab zu Ehren des Augustus einen Altar in Auftrag, der der Pax Augusta (Augusteischer Friede) bzw. Pax Romana (Römischer Friede) geweiht war. Dieser Begriff bezog sich allerdings nur auf den inneren Frieden, also eine Zeit ohne Bürgerkriege, wie sie die letzten Jahre der Römischen Republik geprägt hatten. Diese Zeit des inneren Friedens hielt tatsächlich etwa zweieinhalb Jahrhunderte an. Kriegerische Auseinandersetzungen mit anderen Völker im Zuge der Ausdehnung und Grenzsicherung des römischen Reiches gab es aber auch weiterhin.

Der Altar stand ursprünglich auf dem Marsfeld in der Nähe des Flusses und gehörte zu einem Baukomplex, zu dem auch das Mausoleum des Augustus und die sogenannte Sonnenuhr des Augustus gehörte. Letztere (Solarium Augusti oder Horologium Augusti) bestand aus Markierungen auf dem Boden und einem Obelisken als Zeiger, dessen Schatten am Geburtstag des Augustus in die Ara Pacis fiel.

In vielen Bereichen Roms erhöhte sich im Laufe der Zeit das Straßenniveau der Stadt (z. B. durch Überschwemmungen und Schlammablagerungen). Auch die Ara Pacis verschwand allmählich und man errichtete neue Gebäude an dieser Stelle. Die ersten Reliefstücke des Altars traten im 16. Jh. beim Bau des Palazzo Peretti zutage, weitere Stücke im 19. Jh. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann man dann mit systematischen Ausgrabungen. Als Benito Mussolini zum zweitausendsten Geburtstag des Augustus eine Ausstellung plante, beschloss er, den Altar auszugraben und in die Ausstellung zu integrieren. Die Ara Pacis wurde mit den noch vorhandenen Resten und den früher gefundenen Teilen (bzw. ihren Abgüssen), die sich inzwischen an verschiedenen Orten befanden, am heutigen Standort wieder aufgebaut und zum Schutz mit einem Pavillon überbaut. Leider wurde der Altar bei dieser Gelegenheit um 90 Grad gedreht. Der heutige Glasbau wurde von dem amerikanischen Architekten Richard Meier und wurde 2006 eingeweiht.

In den folgenden Artikeln werde ich die Reliefs des Altars genauer vorstellen.

 

(Fortsetzung folgt …)

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