Kategorie: Bestattungswesen Seite 1 von 4

Archäologisches Museum von Cerveteri

Einige besonders qualitätvolle Funde der etruskischen Stadt Caere, heute Cerveteri, und ihrer Nekropolen befinden sich heute in der Villa Giulia in Rom oder im Pariser Louvre. Einige Funde sind jedoch auch im Museo Nazionale Cerite „Claudia Ruspoli“, einer alten Festung der Familie Ruspoli, untergebracht.

Die Ausstellung im Castello Ruspoli ist auf zwei Stockwerke verteilt und umfasst alle Epochen von der Villanova- bis zur Römerzeit. Die Vitrinen in der unteren Ebene zeigen viele komplette Grabinventare aus verschiedenen Epochen. Hier überwiegt Bucchero-Keramik.

Im Obergeschoss geht es dagegen um herausragende Einzelstücke. Neben Sarkophagen beeindrucken hier Amphoren und andere Gefäße mit figürlicher Malerei. Darunter als absolute Highlights einen Krater (ein Weinmischgefäß) und eine Kylix (eine Trinkschale) des berühmten Athener Vasenmalers Euphronios (5. Jh. v. Chr.). Beide Gefäße, die bei illegalen Grabungen zutage kamen, befanden sich lange Jahre in den USA, wurden aber schließlich dem italienischen Staat zurückgegeben. Zunächst wurden sie dann in der Villa Giulia in Rom aufbewahrt, doch 2015 kamen sie endlich nach Hause – nach Cerveteri.

Mein persönliches Lieblingsstück des Museums ist allerdings eine Statue des Todesdämonen Charun. Die Statue gehört zur Grabanlage von Greppe Sant‘ Angelo, die im ersten Stock teilweise rekonstruiert wurde.

Weitere Informationen zum Museum.

Die Monterozzi-Nekropole von Tarquinia

 

Zu den Meisterwerken der etruskischen Kunst gehören die Wandmalereien der Monterozzi-Nekropole von Tarquinia in der italienischen Provinz Viterbo. Die Nekropole zieht sich über etwa 5 Kilometer hin und umfasst mehr als 6000 Grabanlagen von der Villanova-Periode (9. Jahrhundert v. Chr.) bis zur Römerzeit. Wandmalereien befinden sich dagegen nur in etwa 60 dieser Gräber.

Entsprechend der langen Benutzung der Nekropole gibt es hier unzählige Grabtypen. Aus der frühesten Zeit stammen einfache aus dem Fels gehauene Gruben für Brandbestattungen. Als sich gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. eine Aristokratie in Tarquinia etabliert hatte, entstanden die ersten Familiengräber in Form von unterirdischen Grabkammern, über denen sich Grabhügel erhoben. Von diesen teilweise riesigen Grabhügeln, von denen noch im 19. Jahrhundert viele sichtbar waren, ist inzwischen kaum noch etwas übrig und so präsentiert sich die Nekropole dem Besucher heute als flache Ebene.

In den Gräbern standen Urnen oder Sarkophage für die sterblichen Überreste der Verstorbenen. Bei den frühesten Sarkophagen ist eine Skulptur der oder des Verstorbenen auf dem Rücken liegend auf dem Deckel dargestellt. Später zeigen die Skulpturen ihn oder sie auf der linken Seite liegend. Sie wenden sich dem Betrachter zu und halten oft ein Trankopfergefäß in der Hand. Manchmal entfaltet sich bei einem Mann eine Schriftrolle in seiner Hand, auf der seine Ahnen und seine Ämter aufgelistet sind.

Die Seiten der Sarkophage zeigen Reliefs mit symbolischen oder mythologischen Darstellungen. Die Vorbilder für diese Sarkophage stammen vermutlich aus Süditalien, genauer aus der Gegend von Tarent. Hergestellt wurden sie aber wohl in Tarquinia selbst. Zumindest wurden hier sehr viele dieser Sarkophage gefunden.

Man gab den Toten persönliche Gegenstände mit ins Grab und einige Kammern schmückte man mit beeindruckenden Wandmalereien. Man sieht Dämonen und Szenen aus der Unterwelt, fantastische Wesen und Tiere wie Leoparden oder Delphine. Unter den Darstellungen finden wir auch Bankett- und Familienszenen, die uns einen Einblick in das Leben der wohlhabenden Etrusker geben. Ob diese Szenen allerdings tatsächlich im Diesseits spielen oder Jenseitsvorstellungen darstellen, muss offenbleiben.

Unter den vielen sehenswerten Grabanlagen Tarquinias möchte ich im Folgenden ein paar hervorheben. Um die kostbaren Wandmalereien zu schützen, kann der Besucher die Kammern mit den Wandbilder nicht betreten, sondern muss sich mit einem Blick durch Glasscheiben begnügen – die jedoch oft durch die feuchte Luft beschlagen sind.

Die Tomba dei Giocolieri („Grab der Jongleure“) aus dem Ende des 6. Jahrhunderts zeigt im hinteren Giebelfeld einen Löwen und einen Panther. In der Wandzone darunter sind Akrobaten, Jongleure, Musiker und Tänzerinnen dargestellt. 

Das Grab des Kriegers (Tomba del Guerriero) ist über einen sogenannten Dromos zugänglich ist. Hierbei handelt es sich um einen Korridor unter freiem Himmel. Die Decke zeigt ein schachbrettartiges Muster und an den Wänden sind sechs rote Säulen dargestellt. Eine Bankettszene zeigt unter anderem zwei Zither- und Doppelflötenspieler, eine Tänzerin und zwei Tänzer.

Die Tomba della Caccia e Pesca („Grab der Jagd und der Fischerei“) ist eines der bekanntesten Gräber Tarquinias. Ein Dromos mit einer Treppe führt zu der Grabkammer, die eine der detailreichsten Wandmalereien der Nekropole besitzt. Zum einen sieht man ein Boot mit Steuermann, Matrosen und einem Fischer inmitten von Delfinen und Vögeln. Zum anderen sind an Land Jäger mit Steinschleudern und ein weiterer Fischer mit einer Harpune dargestellt.

Auch die Tomba dei Tori („Grab der Stiere“) betritt man über einen Dromos. Die Grabanlage besteht aber nicht nur aus einer einzigen Kammer. Der Dromos endet in einer Art Atrium, von dem zwei Kammern abgehen. Von den Stieren, die dem Grab seinen Namen gab, hat einer einen menschlichem Kopf. Vermutlich ist hier der Flussgott Acheloos gemeint. Was das Grab allerdings noch bekannter gemacht hat, sind einige erotische Szenen. Der Besitzer des Grabes, Arath Spuriana, hat sich in einer Inschrift auf dem Architrav verewigt. Er gehörte wohl zu einer der wichtigsten Familien Tarquinias, der Famile Spurinna.

Die Fresken der Tomba degli Auguri („Grab der Auguren“) werden auf die Jahre 530–540 v. Chr. datiert. An der rechten Wand steht ein Mann vor dem Eingang zur Unterwelt. Er trägt ein purpurrotes Gewand und ein Diener übergibt ihm eine sella curulis, einen Klappstuhl, der höheren Beamten vorbehalten war. Neben dieser Szene ist ein Ringkampf dargestellt, beobachtet von einem Ringrichter, wie sein gebogener Stock zeigt. Es handelt sich wohl um eine Szene aus den Begräbnisspielen zu Ehren des Verstorbenen, denn man sieht auch phersu, eine maskierte Gestalt, die einen Hund an der Leine führt, der wiederum eine weitere Person mit verhülltem Kopf angreift.

Die Tomba dei Leopardi („Grab der Leoparden“) ist ein besonders schönes Beispiel der etruskischen Grabmalerei. Zwei Leoparden im Giebelfeld der Rückwand haben dem Grab seinen Namen gegeben. Drei Paare haben sich zu einem Bankett versammelt und liegen auf Klinen. Das mittlere Paar wird von zwei nackten jungen Männern bedient. Das Bankett wird begleitet von Musikanten und Tänzern.

Schon diese wenigen Beispiele der eindrucksvollen, farbenfrohen Fresken der Monterozzi-Nekropole machen deutlich, dass diese Totenstadt ein Muss für jeden ist, der sich für die Etrusker interessiert.

Die Banditaccia-Nekropole von Cerveteri

Die etruskische Nekropole von Banditaccia (italienisch: Necropoli della Banditaccia) liegt auf einem Tuffsteinplateau nordwestlich von Cerveteri (nördlich von Rom). Seit 2004 steht diese mit 400 Hektar eine der größten der bekannten etruskischen Nekropolen auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO.

Die Necropoli della Banditaccia umfasst mehrere tausend Gräber und hat ihren Ursprung im 9. Jahrhundert – in der Villanova-Zeit, die der etruskischen Kultur vorherging. Für die Öffentlichkeit zugänglich ist jedoch nur ein kleiner Teil. Der archäologische Park umfasst etwa 10 Hektar mit rund 2000 Gräbern. Auf dem Rundweg durch die Anlage kann der Besucher hier gut die Entwicklung der Bestattungsformen vom neunten bis zum dritten Jahrhundert vor Christus nachvollziehen.

Anfangs, in der Villanova-Periode, gab es vor allem Brandbestattungen. Die Asche wurde in Urnen aufbewahrt, die in schlichten Schachtgräbern oder Gruben standen. Später gab es in Cerveteri sowohl Brand- als auch Körperbestattungen, wobei beide Bestattungsformen gleichzeitig und auch im selben Grab vorkommen konnten.

Im Verlauf der sogenannten orientalisierenden Phase, im 7. Jahrhundert, errichtete man die ersten eindrucksvollen großen Grabhügel (Tumuli), die für die Banditaccia-Nekropole so bezeichnend sind. Die Tumuli I und II beherbergen dabei jeweils mehrere Grabanlagen, die wie fast alle ab dieser Zeit über einen längeren Zeitraum in Benutzung waren und mehrere Bestattungen enthielten.

Der erste Blickfang ist Tumulus II, der vier Grabanlagen aus unterschiedlichen Epochen enthält: die Tomba della Capanna (erste Hälfte des 7. Jh. v. Chr.), die Tomba dei Dolii (spätes 7. Jh.), die Tomba dei Letti funebri (erste Hälfte des 6. Jh. v. Chr.) sowie die Tomba dei Vasi Greci (etwa Mitte des 6. Jh.). Dieses Grab zeigt gut die Weiterentwicklung von den undekorierten frühen Gräbern zu den im 6. Jh. aufkommenden Verzierungen. In diese Zeit gehört auch die Tomba dei Capitelli, die man zwischen dem Eingang des Parks und Grabhügel II passiert. Gegenüber und in dem Bereich bis zu Tumulus I (mit nur zwei Grabanlagen) sieht man aneinandergereihte würfelförmige Gräber aus dem 4. bis 3. Jahrhundert.

Das absolute Highlight der Banditaccia-Nekropole liegt links hinter Tumulus I: die Tomba dei Rilievi – das Grab der Reliefs, das vom 4. bis zum 2. Jh. genutzt wurde. Die Grabanlage, die nicht unter einem Grabhügel lag – diese wurden im 5. Jh. v. Chr. zugunsten von Doppelgräbern aufgegeben, die an sich rechtwinklig kreuzenden Straßen angelegt wurden – besticht durch ihre fantastische Ausstattung. Wie viele der etruskischen Gräber ist das Innere einem Haus nachempfunden. Und in diesem Fall sind die Wände über und über mit farbigen Stuckreliefs geschmückt: Wir sehen unter anderem Waffen, Werkzeuge, ein Spielbrett und verschiedene Küchengeräte. Sogar ein Hund ist dargestellt.

Auf die weiteren Grabanlagen soll hier nicht näher eingegangen werden. Es lohnt sich aber, immer mal wieder einen Blick ins Innere der verschiedenen Gräber zu werfen, oder die unterschiedlichen Grabformen auf sich wirken zu lassen.

Weitere Informationen findet man auf der Website des Archäologischen Parks:

https://www.comune.cerveteri.rm.it/turismo-e-cultura/le-necropoli/la-banditaccia

Dort ist auch ein Plan der Nekropole abgebildet.

Literatur:

  • Robert Hess, Elfriede Paschinger: Das etruskische Italien (1973) S. 257–265
  • Stefan Steingräber, Etrurien (1981) S. 424–447

Die „Römermauer“ am Augsburger Dom

Im Stadtbild des modernen Augsburg sieht man leider nur sehr wenige Reste seiner großen Vergangenheit als Augusta Vindelicum (oder Augusta Vindelicorum), der Hauptstadt der römischen Provinz Raetien. Einer dieser seltenen Plätze ist die sogenannte Römermauer beim Augsburger Dom.

Die „Römermauer“ selbst entstand erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich wurden hier römische Inschriftensteine präsentiert, die bei Grabungen im dahinterliegenden Fronhof gefunden wurden. Leider bot die Mauer mit ihrem Dach nicht genügend Schutz vor Witterung und Umweltverschmutzung. Und auch Vandalismus setzte den Originalsteinen zu. Daher beschloss man 2000/2001 die Originale abzunehmen und die Römermauer mit Abgüssen umzugestalten.

Zu sehen sind nun zum einen Abgüsse von Ehreninschriften, zum anderen gibt es Architekturelemente wie Kapitelle und Basen von Säulen, Gesimse, Architrave und sogar eine Bauinschrift. Leider wurden alle diese Stücke eher zufällig gefunden und lassen sich keinem Bau oder auch nur einem bestimmten Fundort zuweisen.

Einblicke in das religiöse Leben der Stadt bieten einige Weihesteine. Und verschiedene Grabdenkmäler (siehe Bild oben), darunter das fast 7 Meter hohe Grabmal des Marcus Aurelius Carus aus der Zeit um 180/200 n. Chr., veranschaulichen das Wirtschaftsleben in der rätischen Hauptstadt.

Das ebenfalls auf dem Domvorplatz gelegene sogenannte archäologische Fenster zeigt die Fundamente der Johanneskirche, die Anfang des 20. Jahrhunderts freigelegt wurde. Des Weiteren werden einige Strukturen darunterliegender römischer Gebäude im Pflaster sichtbar gemacht. Was fehlt, ist jedoch eine genauere Erklärung, denn die Infotafeln wurden inzwischen entfernt.

Ausstellung „Neues Licht aus Pompeji“

Staatliche Antikensammlungen München, 08.11.2022 – 30.04.2023

Die aktuelle, inzwischen bis 30.4. verlängerte Ausstellung in der Antikensammlung in München präsentiert die Ergebnisse eines interdisziplinären Forschungsprojektes, das sich den in den verschütteten Städten am Vesuv gefundenen Beleuchtungsgeräten gewidmet hat. 180 Originalfunde aus Bronze zeigen die Vielfalt, mit denen man nicht nur die Nacht erhellte. Auch tagsüber waren Lampen in vielen Bereichen notwendig. Denn römische Häuser erhielten bis auf wenige Räume kein Tageslicht.

Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, zeigt die Ausstellung daher als Einstieg in das Thema, wie hell es in den einzelnen Bereichen eines römischen Hauses war. Ganz deutlich zeichnet sich ab, wie abhängig die Bewohner selbst luxuriöserer Villen von künstlichem Licht waren. Kein Wunder, dass die Römer ihre zwölf Tagesstunden an die Jahreszeiten anpassten. So waren die einzelnen Stunden während der Wintermonate wesentlich kürzer als in den Sommermonaten, wie eine entsprechende Zeitleiste veranschaulicht.

Die Beleuchtungsgeräte in der Münchner Ausstellung bestehen fast ausschließlich aus Bronze. Diese besteht aus einer Legierung aus Kupfer und Zinn sowie anderen Metallen wie Blei, wobei die genaue Zusammensetzung variieren kann. Die Ausstellung zeigt, wie sich verschiedene Legierungen unterscheiden – sowohl im Farbton als auch in der Art, wie sie sich anfühlen.

Die Ausstellung präsentiert eine erstaunliche Vielfalt an Formen für Öllampen, Kandelaber, Lampenständer sowie Lampen- und Fackelhalter in figürlicher Form – sei es als Statuetten, sei es als lebensgroße Figuren. Das flackernde künstliche Licht fand Verwendung bei Banketten und im Kult, erleuchtete dunkle Wege und Straßen und schuf eine sinnliche Atmosphäre bei erotischen Abenteuern.

Gleichzeitig lebt die Ausstellung vom Gegensatz zwischen der antiken Beleuchtung und den modernen Lichtskulpturen des Münchner Lichtdesigners Ingo Maurer.

Weitere Informationen:

https://www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de/index.php/de/jevents-alle-kategorien/Eventdetail/294/48,78/neues-licht-aus-pompeji

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-ausstellung-antikensammlung-pompeji-lampen-1.5713903

Ruth Bielfeldt u. a., Neues Licht aus Pompeji (2022)

Die etruskische Nekropole Crocifisso del Tufo in Orvieto

 

Das malerische Städtchen Orvieto, hoch auf einem Felsplateau thronend, befindet sich im Südwesten Umbriens. Man vermutet hier eine der wichtigsten etruskischen Städte – Velzna (Volsinii Veteres auf Lateinisch).

An der modernen Straße, die zur Stadt hochführt, liegt die etruskische Nekropole Crocifisso del Tufo. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt, aber erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann man, das Areal systematischer zu erforschen. Die Funde sind größtenteils im Museum von Orvieto untergebracht.

Die Nekropole besteht aus etwa 200 würfelförmigen Gräbern, die sich an rechtwinklig angelegten „Straßen“ aneinanderreihen. Die Grabkammern sind jeweils ca. 3 x 2 Meter groß. Oft führen drei Stufen in die Gräber hinunter und an der Rückwand sowie an einer Seite sind Steinbänke aus dem Felsen gehauen, auf denen man die Verstorbenen ablegte oder eine Aschenurne aufstellen konnte. Der Fußboden besteht aus gestampfter Erde oder aus Tuffstein. Die Grabbeigaben deponierte man sowohl bei den Verstorbenen auf den Bänken als auch auf dem Fußboden. Und einige Beigaben waren offenbar auch an der Wand angebracht, wie Nägel nahelegen.

Die Dächer bilden innen oft ein falsches Gewölbe, d. h. sie bestehen aus Tuffblöcken, die nach und nach weiter zur Mitte hin vorspringen. Die Gräber wurden mit einer Steinplatte verschlossen und der Bereich der Treppe wurde anschließend noch mit losen Steinen verfüllt. Zusätzlich markierte man die Gräber mit Grabsteinen, den sogenannten Cippi.

 

 

In der Nekropole Crocifisso del Tufo handelt es sich um Familiengräber und über den Eingängen ist der Name der Familie eingeritzt, die in dem jeweiligen Grab bestattet wurde. Die gefundenen Beigaben, die man ihm oder ihr mitgab, verdeutlichen, welche Rolle die verstorbene Person in der Gemeinschaft spielte. Auch können sie Hinweise auf das Geschlecht der bestatteten Person geben. So fand man beispielsweise Bronze- oder Keramikgefäßen, darunter auch Importware aus Athen, oder auch Waffen und verschiedene Haushaltsgeräte.

Die gefundenen Inschriften lassen darauf schließen, dass die Nekropole vom 8. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. genutzt wurde. Der Höhepunkt ihrer Nutzung fällt jedoch in das 6. und 5. Jahrhundert.

 

 

 

 

 

 

Literaturhinweise:

  • S. Steingräber – M. Pallottino, Etrurien. Städte, Heiligtümer, Nekropolen, Reise und Studium (1981) S. 284-287
  • R. Hess – E. Paschinger, Das etruskische Italien. Entdeckungsfahrten zu den Kunststätten und Nekropolen der Etrusker, DuMont-Dokumente DuMont-Kunst-Reiseführer 7 (1990) S. 211-213
  • P. Bruschetti, Etruschi ad Orvieto. Il Museo Archeologico Nazionale di Orvieto Collezioni e territorio (2006)

Der Tod der Niobiden auf römischen Sarkophagen

Niobiden-Sarkophag, Glyptothek München Inv.-Nr. 345

Zu den frühesten mythologischen Darstellungen auf römischen Sarkophagen gehört die Tötung der Niobiden durch Apollo und Artemis.

Der Mythos erzählt von Niobe, der Frau von Amphion, des Königs von Theben. Sie hatte sieben Töchter und sieben Söhne und war auf ihre so zahlreiche Nachkommenschaft so stolz, dass sie es wagte, sich über Leto lustig zu machen. Diese, die Tochter der Titanen Koios und Phoibe, war eine der vielen Geliebten des Göttervaters Zeus und hatte nur zwei Kinder, die Zwillinge Apollo und Artemis. Niobe hinderte in ihrer Überheblichkeit sogar ihr Volk daran, Leto zu verehren. Doch dies sollte ihr teuer zu stehen kommen. Denn Apollo und Artemis rächten ihre Mutter. An nur einem Tag töteten sie alle Kinder der Niobe, die sogenannten Niobiden, mit Pfeil und Bogen. Zunächst fielen ihnen die Söhne zum Opfer, danach alle Töchter.

Die Darstellung der Tötung der Niobiden finden wir auf etwa zehn stadtrömischen Sarkophagen. Man kann 2 Typen unterscheiden.

Drei der erhaltenen Exemplare zeigen an den Enden der Langseite die schießenden Götter Apoll und Artemis. Zwischen ihnen sieht man die sterbenden Opfer mit ihren Ammen und Lehrern. Auf dem Deckel sind die toten Niobiden dargestellt. Ein Sarkophag im Vatikan von ca. 140/150 n. Chr. (Inv.-Nr.: 2635) ist möglicherweise der Urtyp dieser Reihe. Bei einem weiteren Beispiel in München (Inv.-Nr. 345, siehe Bild oben) sind einige Motive identisch wiedergegeben, andere wurden leicht verändert oder verschoben.

Zeitlich später einzuordnen sind sieben Exemplare, bei denen die Eltern der Niobiden an den Enden der Langseite stehen. Die Söhne sind nun beritten dargestellt und Apollo und Artemis sind jetzt an die Enden der Deckel versetzt, wie zwei erhaltene Deckel zeigen. Auch für diesen Typus finden wir ein Beispiel im Vatikan (Inv.-Nr.: 10437). Dieser Sarkophag entstand wohl in früh-antoninischer Zeit. Ein anderes Beispiel, das stilistisch in mittel-antoninische Zeit datiert werden kann, befindet sich in Venedig (Inv.-Nr. 24).

Welche Bedeutung haben diese Darstellungen aber im Zusammenhang der Sarkophage. Die Überheblichkeit der Niobe ist ja kaum ein Charakterzug, mit dem sich die Verstorbenen rühmen würden. Ein plausiblere Erklärung ist, dass es hier darum geht, das unvermittelte Schicksal des Todes zu verdeutlichen.

 

Tomba dei Tori, Tarquinia

Das sogenannte „Grab der Stiere“ ist ein etruskisches Grab in der Monterozzi-Nekropole von Tarquinia und wird auf etwa 530 v. Chr. datiert.

Das fast 16 Meter lange Grab besteht aus einer Haupt- und einer Nebenkammer. Ein Gang mit Stufen führt zu einer großen Kammer (das sogenannte Atrium), an deren Rückwand zwei parallele Eingänge zu zwei kleinen Grabkammern mit umlaufenden Plattformen für die Aufbahrung der Toten führen. Diese beiden Kammern sind mit farbigen Bändern und Tiergruppen in den Giebeln verziert.

Das Besondere an der Bildausstattung dieses Grabes ist, dass dies bisher das einzig bekannte Grab ist, dessen Malerei ein Thema aus der griechischen Mythologie darstellt. Das Hauptbild, an der Rückwand der Hauptkammer, zeigt eine Szene aus dem Trojanischen Krieg. Das Bild zeigt wie Achill hinter einem Brunnen im heiligen Hain des Apollo dem trojanischen Königssohn Troilos auflauert, der sich dem Brunnen auf einem Pferd nähert. Der heilige Hain setzt sich auch im Bildfeld darunter fort. Troilos könnte hier auf den Verstorbenen weisen, der vielleicht wie er zu früh aus dem Leben gerissen wurde.

Auf dem Fries über der Achilleus-Szene sind ein liegender Stier sowie verschiedene erotische Szenen dargestellt. Die bekannteste zeigt eine Frau und einen Mann, die dabei von einem Stier mit Menschengesicht angegriffen wird. Bei diesem Mischwesen handelt es sich um den Flussgott Acheloos. Die Darstellungen im Giebel darüber zeigen neben einem Reiter verschiedene mit dem Tod verbundene (Fabel-)Wesen: eine Chimaira, eine Sphinx und einen Stier. Vielleicht ist hier mit dem Reiter wieder Troilos bzw. der Verstorbene gemeint, diesmal auf seiner Reise in die Unterwelt.

Auf der gegenüberliegenden Seite finden sich im Giebel über dem Eingang Meereswesen, darunter ein Hippokamp (ein Pferd mit Fischschwanz), auf dem ein junger Mann auf einen Felsen (eine Insel?) zureitet.

Literaturauswahl:

  • Robert Hess, Elfriede Paschinger: Das etruskische Italien. Entdeckungsfahrten zu den Kunststätten und Nekropolen der Etrusker. 5. Auflage. DuMont, Köln 1985, ISBN 3-7701-0637-7, S. 236.
  • Maja Sprenger, Gilda Bartoloni: Die Etrusker. Kunst und Geschichte. Aufnahmen von Max und Albert Hirmer. Hirmer, München 1977, ISBN 3-7774-2890-6, S. 107.
  • Stephan Steingräber: Etrurien. Städte, Heiligtümer, Nekropolen. Hirmer, München 1981, ISBN 3-7774-3330-6, S. 384–385.

Mausoleum von Belevi, Türkei

In der Nähe Ephesus, beim Dorf Belevi, befinden sich die Reste eines antiken Grabbaus. Dieses sogenannte Mausoleum von Belevi besteht aus einem etwa 10 Meter hohen quadratischen Sockel (ca. 30 x 30 Meter), über dem sich wohl eine Anlage mit einer umlaufenden Säulenhalle befand. Der Bau besteht fast ausschließlich aus dem bläulichen Belevi-Marmor, der auch in Ephesus verwendet wurde.

Die Fassade des Sockels ist durch eine monumentale Scheintür gekennzeichnet. Im hinteren Bereich des Sockels befand sich eine Kammer für den Sarkophag. Es handelt sich um einen Klinen-Sarkophag, d. h. der Tote wurde darauf lagernde dargestellt. Es ist allerdings nicht klar, ob Deckel und Sarkophag-Kasten zusammengehören. Die Figur ist überlebensgroß, was auf den Status des Toten weisen könnte. Der Kopf ist allerdings nicht fertig gearbeitet. Man fand außerdem die Statue eines trauernden Dieners in orientalischer Bekleidung.

Die Rekonstruktion des Aufbaus ist problematisch, da sich nur wenig erhalten hat. Man hat jedoch Reste von Säulen und einen Fries mit der Darstellung einer Kentauromachie gefunden. Zum Figurenschmuck gehörten Funden außerdem ein Greif und ein Löwenkopf.

Wer aber ließ das Grab errichten? Die Funde (Ornamente, Keramik, Figurenschmuck) lassen auf einen Bau zwischen ca. 301 v. Chr. und 280 v. Chr. schließen. Als ursprünglicher Auftraggeber kommt eventuell Lysimachos in Frage, einer der Nachfolger Alexanders des Großen. Als dieser in der Schlacht starb, wurde der Bau wohl unterbrochen. Antiochus II. ließ die Arbeiten an dem Grabmal fortsetzen und nach seinem Tod fand er hier auch die letzte Ruhestätte. Nach der Einnahme von Ephesus durch die Ptolemäer (174 v. Chr.) wurden die Bauarbeiten endgültig eingestellt, sodass das Mausoleum unvollendet blieb.

Literaturauswahl:

  • Camillo Praschniker, Max Theuer u. a.: Das Mausoleum von Belevi. (= Forschungen in Ephesos). Österreichisches Archäologisches Institut, Wien 1979
  • Reinhard Heinz: Das Mausoleum von Belevi – Bauforschung (= Forschungen in Ephesos. Bd. 6/1). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2016
  • Peter Ruggendorfer: Das Mausoleum von Belevi – Archäologische Untersuchungen zu Chronologie, Ausstattung und Stiftung (= Forschungen in Ephesos. Bd. 6/2). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2016

Römische Sarkophage mit Darstellungen des Persephone-Mythos (Teil 2)

Zwei Sarkophage sollen als Beispiele für das auf römischen Friessarkophagen äußerst beliebte Thema des Raubs der Persephone durch Hades dienen:

Der sogenannte Proserpina-Sarkophag in Aachen entstand im 1. Viertel des 3. Jahrhunderts n. Chr. in Rom. Er ist aus Carrara-Marmor gefertigt und 205 cm lang, 50 cm breit und 49 cm tief. Die Vorderseite zeigt im Zentrum Hades, der Persephone auf seinem Wagen entführt. Hilfe bekommt der Herrscher der Unterwelt von Athena, die hinter dem von vier Pferden gezogenen Wagen steht, dem Liebesgott Eros sowie dem Götterboten Hermes, der das Viergespann führt. Auf der linken Seite sieht man Demeter, die Hades in ihrem von Schlangen gezogenen Wagen verfolgt.

Auf der linken Schmalseite sieht man zwei junge Mädchen und einen Jungen beim Pflücken von Blumen, auf der rechten Schmalseiten dagegen einen Jungen, der Früchte trägt und zwei Schäfer.

Der Überlieferung nach wurde der Aachener Sarkophag 814 n. Chr. die die Bestattung Karls des Großen wiederverwendet. Aber spätestens seit dem Jahr 1215 war der Sarkophag leer und stand im unteren Oktogonumgang des Aachener Münsters. Napoleon I. ließ den Sarkophag Ende des 18. Jahrhunderts nach Paris verschleppen, aber schon 1815 kehrte der Sarkophag Aachen zurück. Seit 1979 befindet er sich in der Domschatzkammer.

Auf einem Beispiel aus Wien (Antikensammlung, Inv. Nr. I 1126), vermutlich ebenfalls aus dem frühen 3. Jh., wird der Mythos in drei Szenen erzählt. Im Zentrum entführt Hades Persephone auf seinem Wagen. Dabei sträubt sich Persephone heftig. Wieder werden die Pferde von Hermes geführt und Athena steht neben dem Wagen. Der Moment, in dem Hades dem Mädchen auflauert, während es Blumen pflückt wird erst rechts der Entführungsszene dargestellt. Persephone blickt sich dabei zu Demeter um, die auf der rechten Seite mit Fackeln in den Händen auf ihrem Schlangenwagen steht.

Man geht davon aus, dass der Mythos auf Friessarkophagen als Hoffnung des Verstorbenen und seiner Familie auf ein Weiterleben im Jenseits zu verstehen ist. Auch kann der Raub als Symbol für einen plötzlichen Tod gesehen werden.

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