Monat: November 2016

Römische Grabaltäre

Vor einem römischen Grab wurden oft Altäre aufgestellt. Einzelne Beispiele gibt es bereits in augusteischer Zeit, aber erst ab tiberischer Zeit nimmt ihre Zahl stark zu.

Die Form dieser Grabaltäre variiert stark. Die sogenannte Normalform trägt an der Vorderseite eine Inschrift und hat einen spitzen oder runden Giebel. Eine weitere Gruppe ist mit Girlanden geschmückt. Der Stil der Girlanden ändert sich im Lauf der Zeit und hilft bei der Datierung dieser Grabaltäre: von claudischer bis in die flavische Zeit nimmt die Licht-Schatten-Wirkung immer mehr zu. Im 2. Jh. n. Chr. läuft dieser Typ aus. Andere Grabaltäre sind seitlich gerahmt. Hier unterscheiden wir eine Rahmung durch Säulen, die vor allem in flavischer Zeit vorkommt, und eine Rahmung durch Rankenleisten. Teilweise finden sich auch Portraits der Verstorbenen auf diesen Altären.

Der Form nach handelt es sich zwar um Altäre, aber sie wurden nicht immer als solche genutzt. Altäre galten als Symbol für Pietas, das pflichtgerechtes Verhalten gegenüber Göttern und Menschen. Gleichzeitig dienten einige dieser Altäre als Behälter für Brandbestattungen. In diesen Fällen gab es im Innern oder oben Vertiefungen für die Asche oder eine Urne.

Ganz allgemein kann man diese Grabaltäre wohl als Symbol für die religiöse Pflichterfüllung gegenüber dem Verstorbenen deuten.

Die Villa rustica von Holheim, Bayern (Teil 2)

holheim_1

Wie bei allen römischen Gutshöfen gab es auch bei der Holheimer Villa ein Badegebäude. Unmittelbar hinter der Feuerstelle (Praefurnium) liegt das Heißbad (Caldarium). Daran schließt sich das Warmbad (Tepidarium) an. Die dazugehörigen Badewannen befanden sich in Erkern. Im östlichen Teil des Gebäudes liegt das Kaltbad (Frigidarium) mit einem weiteren Wasserbecken, das mit Ziegelplatten ausgekleidet war. Dieses Becken war vermutlich ca. 60 cm tief und man konnte über 2 oder 3 Stufen hineinsteigen.

In den Wänden des Kaltbades haben sich Reste von Wasserleitungen erhalten. Die Wasserbecken wurden vermutlich aus einer obertägigen Zisterne gespeist. Zu diesem Zweck durchbricht schmaler Kanal die Ostmauer. Das Abwasser floss dagegen durch einen Abfluss in der Nordmauer des Kaltwasserbeckens in einen schmalen Traufgraben, der das Badehaus umgibt.

An das Frigidarium schließt sich im Süden ein ursprünglich unbeheizter Raum an, der wohl als Eingang und gleichzeitig zum An- und Auskleiden diente. Später baute man eine sogenannte Kanalheizung in diesen Raum ein.

Neben dem Haupthaus und dem Badegebäude waren einige Wirtschaftsgebäude auf dem eingefriedeten Gelände des Gutshofes verteilt, deren Nutzung jedoch in der Regel nicht näher bestimmt werden konnte. Vermutlich handelte es sich jedoch um verschiedene Speicher, Schuppen sowie Stallungen und ein Mühlstein, weist auf die Nutzung eines dieser Gebäude als Getreidemühle hin. Zudem wurden die Höhlen oberhalb der Villa als Kühl- und Vorratsräume genutzt.

Die Befunde weisen auf eine Entstehungszeit der Villa im 2. Jh. n. Chr. Um die Mitte des 3. Jh. n. Chr. wurde die Villa durch einen Brand zerstört – möglicherweise im Verlauf der Alemanneneinfälle. Darauf könnte hinweisen, dass das gewaltsame Ende die Bewohner offenbar überraschte – man fand im Haupthaus auch unbestattete Leichen.

Die Funde aus der Villa befinden sich heute im Stadtmuseum Nördlingen. Unter anderem fand man die Statuette eines Satyrs, einen Altar für Jupiter, Münzen und Fibeln.

Die Villa rustica von Holheim, Bayern (Teil 1)

holheim_2 

Unterhalb des Riegelberges bei Nördlingen liegt im Tal des Marienbaches (Stadtteil Holheim) ein römischer Gutshof. Die Ruinen der Villa rustica waren schon im 13. Jh. unter den Namen castrum bzw. urbs antiqua bekannt. Die Mauern waren zu dieser Zeit also offenbar sichtbar.

1974 fand man den Hof im Zuge von Flurbereinigungsmaßnahmen und grub in den folgenden Jahren fast den ganzen Gutshof aus. Seit 1983 sind die Grundmauern der ergrabenen Gebäude konserviert und geben dem Besucher einen Eindruck eines römischen Gutshofes.

Literaturauswahl:

  • W.  Czysz, Andrea Faber u. a.: Der römische Gutshof von Nördlingen-Holheim, Landkreis Donau-Ries. In: Berichte der bayerischen Bodendenkmalpflege 45/46, 2004/2005, S. 45–172.
  • W. Czysz in: W. Czysz, L. Bakker (Hrsg.): Die Römer in Bayern. Theiß, Stuttgart 1995, S. 415–538.
  • W. Czysz: Die villa rustica von Holheim. In: Die Römer in Schwaben. Jubiläumsausstellung 2000 Jahre Augsburg, Lipp, München 1985, S. 168–174.

Nach außen hin ist das Anwesen von einer Hofmauer abgegrenzt. Der genaue Verlauf dieser Mauer ist nur in einigen Bereichen bekannt und auch „das Zufahrtstor konnte noch nicht lokalisiert werden“[1]. Die bisherigen Funde weisen jedoch darauf hin, dass die Hofmauer trapezförmig war.

Die Front des Haupthauses beträgt 100 Meter. Das Gebäude besteht aus L-förmig angeordneten Räumen, hinter denen ein Hof liegt. Die große Spannweite und fehlende tragfähiger Stützen sprechen dafür, dass der Hof nicht überdacht war. Bis zur Entdeckung des Holheimer Haupthauses war dieser Villentyp unbekannt und so wurde er nach ihm benannt.

Wegen der starken Hangneigung musste der Hof zweimal abgestuft werden. An der Westwand des Hofes überdacht eine Säulenhalle den rückwärtigen Zugang zu den beiden Wohnflügeln. Die gefundene Ausstattung ist einfach: weißer Wandputz mit rotem „falschem Fugenputz“ täuscht regelmäßiges Quaderwerk vor und Scherben weisen auf Glasfenster. Reste einer Hypokaustheizung hat man dagegen nicht gefunden. Die Bewohner der Villa verwendeten stattdessen vermutlich tragbare Kohlebecken. Der Wohnbau bestand anscheinend von Anfang an aus mörtelgebundenem Kalkbruchstein und das Dach war offenbar mit Schindeln gedeckt.

(Forsetzung folgt …)

[1] W. Czysz: Die villa rustica von Holheim. In: Die Römer in Schwaben. Jubiläumsausstellung 2000 Jahre Augsburg, Lipp, München 1985, S. 171

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén