Monat: Juli 2023

Die Banditaccia-Nekropole von Cerveteri

Die etruskische Nekropole von Banditaccia (italienisch: Necropoli della Banditaccia) liegt auf einem Tuffsteinplateau nordwestlich von Cerveteri (nördlich von Rom). Seit 2004 steht diese mit 400 Hektar eine der größten der bekannten etruskischen Nekropolen auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO.

Die Necropoli della Banditaccia umfasst mehrere tausend Gräber und hat ihren Ursprung im 9. Jahrhundert – in der Villanova-Zeit, die der etruskischen Kultur vorherging. Für die Öffentlichkeit zugänglich ist jedoch nur ein kleiner Teil. Der archäologische Park umfasst etwa 10 Hektar mit rund 2000 Gräbern. Auf dem Rundweg durch die Anlage kann der Besucher hier gut die Entwicklung der Bestattungsformen vom neunten bis zum dritten Jahrhundert vor Christus nachvollziehen.

Anfangs, in der Villanova-Periode, gab es vor allem Brandbestattungen. Die Asche wurde in Urnen aufbewahrt, die in schlichten Schachtgräbern oder Gruben standen. Später gab es in Cerveteri sowohl Brand- als auch Körperbestattungen, wobei beide Bestattungsformen gleichzeitig und auch im selben Grab vorkommen konnten.

Im Verlauf der sogenannten orientalisierenden Phase, im 7. Jahrhundert, errichtete man die ersten eindrucksvollen großen Grabhügel (Tumuli), die für die Banditaccia-Nekropole so bezeichnend sind. Die Tumuli I und II beherbergen dabei jeweils mehrere Grabanlagen, die wie fast alle ab dieser Zeit über einen längeren Zeitraum in Benutzung waren und mehrere Bestattungen enthielten.

Der erste Blickfang ist Tumulus II, der vier Grabanlagen aus unterschiedlichen Epochen enthält: die Tomba della Capanna (erste Hälfte des 7. Jh. v. Chr.), die Tomba dei Dolii (spätes 7. Jh.), die Tomba dei Letti funebri (erste Hälfte des 6. Jh. v. Chr.) sowie die Tomba dei Vasi Greci (etwa Mitte des 6. Jh.). Dieses Grab zeigt gut die Weiterentwicklung von den undekorierten frühen Gräbern zu den im 6. Jh. aufkommenden Verzierungen. In diese Zeit gehört auch die Tomba dei Capitelli, die man zwischen dem Eingang des Parks und Grabhügel II passiert. Gegenüber und in dem Bereich bis zu Tumulus I (mit nur zwei Grabanlagen) sieht man aneinandergereihte würfelförmige Gräber aus dem 4. bis 3. Jahrhundert.

Das absolute Highlight der Banditaccia-Nekropole liegt links hinter Tumulus I: die Tomba dei Rilievi – das Grab der Reliefs, das vom 4. bis zum 2. Jh. genutzt wurde. Die Grabanlage, die nicht unter einem Grabhügel lag – diese wurden im 5. Jh. v. Chr. zugunsten von Doppelgräbern aufgegeben, die an sich rechtwinklig kreuzenden Straßen angelegt wurden – besticht durch ihre fantastische Ausstattung. Wie viele der etruskischen Gräber ist das Innere einem Haus nachempfunden. Und in diesem Fall sind die Wände über und über mit farbigen Stuckreliefs geschmückt: Wir sehen unter anderem Waffen, Werkzeuge, ein Spielbrett und verschiedene Küchengeräte. Sogar ein Hund ist dargestellt.

Auf die weiteren Grabanlagen soll hier nicht näher eingegangen werden. Es lohnt sich aber, immer mal wieder einen Blick ins Innere der verschiedenen Gräber zu werfen, oder die unterschiedlichen Grabformen auf sich wirken zu lassen.

Weitere Informationen findet man auf der Website des Archäologischen Parks:

https://www.comune.cerveteri.rm.it/turismo-e-cultura/le-necropoli/la-banditaccia

Dort ist auch ein Plan der Nekropole abgebildet.

Literatur:

  • Robert Hess, Elfriede Paschinger: Das etruskische Italien (1973) S. 257–265
  • Stefan Steingräber, Etrurien (1981) S. 424–447

Buchbesprechung: Roderick Beaton, Die Griechen. Eine Globalgeschichte (Reclam 2023)

Roderick Beaton, Spezialist für moderne griechische und byzantinische Geschichte, Sprache und Literatur, erzählt in seinem aktuellen Buch die Geschichte all jener Menschen, die in den vergangenen 3500 Jahren ihre Identität über die griechische Sprache und Kultur definierten – ganz gleich, wo sie sich niederließen. Es geht also nicht nur um die Geschichte des modernen Griechenland, das, wie das Buch zeigt, geographisch nur einen Bruchteil der Gebiete abdeckt, in denen Griechen im Laufe der Jahrhunderte siedelten.

Sein Buch beginnt 1500 v. Chr. auf Kreta, der Insel der Minoer, und den auf sie folgenden Mykener, die ihre Macht vom griechischen Festland auf die gesamte Ägäis ausweiteten. Er geht auch ausführlich auf den Siegeszug des griechischen Alphabets ein, die bahnbrechende Erfindung, die Voraussetzung für die Entstehung von Geschichtsschreibung, Philosophie oder auch literarischen Werken wie Homers Epen war.

Beaton zeigt, wie sich Stadtstaaten wie Athen oder Sparta entwickelten, wie die Ursprünge der Demokratie aussahen und wie Athen zur kulturellen Hauptstadt der Griechen wurde. Wir verfolgen die Kriege zwischen den Stadtstaaten untereinander und gegen verschiedene fremde Eroberer wie die Perser. Einige Eroberer, wie die Römer, ließen sich dabei ihrerseits bereitwillig hellenisieren.

In der Spätantike gehen jedoch mit zunehmender Christianisierung bedeutende Veränderungen vor sich. Noch immer gilt Athen vielen als kultureller Nabel der griechischen Welt. Aber das Rad der Geschichte hat sich weitergedreht und nun zieht Konstantinopel, die neue Hauptstadt des römischen Reiches, die bedeutendsten Künstler und Wissenschaftler an. Aber es wird auch deutlich, wie die Griechen von den Kreuzzügen bis zu den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts und der Gründung des modernen Staates weiterhin immer wieder in Kriege verwickelt wurden, in denen sie sich auf verschiedenen Seiten wiederfinden. Das Buch endet 2021 und deckt somit auch aktuelle Themen wie die Flüchtlingskrise, die Schuldenkrise von 2010 und die Auswirkungen der Covid19-Pandemie ab.

Fundiert, aber trotzdem leicht lesbar, vermittelt Beaton, was griechische Kultur im Laufe der Geschichte ausmachte. Für interessierte Leser stellt Beaton eine umfangreichen Liste weiterführender Literatur zur Verfügung. Für die deutsche Ausgabe wäre es allerdings nützlich gewesen, wo vorhanden, die deutschen Ausgaben anzuführen.

Beaton, Roderick: Die Griechen. Eine Globalgeschichte
Übers. von Ursula Blank-Sangmeister unter Mitarbeit von Janet Schüffel
605 S. 43 Farbabb. 15 Karten
ISBN: 978-3-15-011007-2
38,00 €

Das Buch ist unter anderem bei Amazon erhältlich. Als Buch und als E-Book.
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Römisches Museum, Augsburg

Von 1966 bis Mitte 2012 war das Augsburger Römermuseum in der ehemaligen Dominikanerkirche untergebracht, die ein würdiges Ambiente für die archäologischen Funde aus Augsburg und seinem Umland bildeten. Dazu zählen Stücke aus der Steinzeit und der Bronzezeit ebenso wie römische Funde und Objekte aus dem frühen Mittelalter. Leider musste dieser Standort aufgrund statischer Probleme geschlossen werden und wird derzeit saniert.

Die meisten der Exponate lagern zurzeit im Depot. Seit 2015 allerdings wird ein Teil der Funde aus der römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum in der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses präsentiert. So konnte diese für Augsburg so wichtige Epoche Bürgern und Touristen zumindest in einem kleineren Rahmen weiterhin sichtbar gemacht werden. Denn im Stadtbild selbst ist heute kaum noch etwas zu sehen. Für das Zeughaus wurden bekannte und unbekannte Stücke ausgewählt und in der Ausstellung „Römerlager. Das römische Augsburg in Kisten“ in sieben Themenbereichen zusammengestellt:

  • Der Namensgeber der Stadt
  • Das römische Militärlager
  • Das römische Straßennetz
  • Der Handel und das Geld
  • Das römische Essen
  • Die römische Religion
  • Der römische Totenkult

Zunächst wird der Besucher von einer Statue des römischen Kaisers Augustus begrüßt, der der Stadt seinen Namen gab. Am Anfang der römischen Besiedlung Augsburgs stand jedoch ein Militärlager im Stadtteil Oberhausen, das wohl um die Zeitenwende eines der Versorgungsdepots für den Alpenfeldzug war. Das Museum zeigt Waffen und Rüstungsteile aus diesem Lager.

Die Römer erschlossen alle Gebiete, die sie eroberten, durch Straßen, um schnelle Truppenverlegungen zu ermöglichen. Gleichzeitig begünstigte das römische Straßennetz auch den Handel. Ein Highlight des ursprünglichen Museums ist ein vollständiges Faksimile der Tabula Peutingeriana, einer mittelalterlichen Kopie einer Straßenkarte des römischen Reichs. Hier im Zeughaus kann man anstelle des Originals einen Druck sehen, unter dem einige aufklappbare Fächer weitere Details enthüllen.

Unter den Objekten, die Augsburgs Bedeutung als Handelsplatz zeigen, findet man im Zeughaus einen Goldmünzenschatz, das Steinrelief mit der Darstellung Merkurs, des Gottes der Händler und Diebe, sowie die Reste einer Schiffsanlegestelle. Zur Datierung von Holzresten wie bei dieser Anlegestelle dient die Dendrochronologie. Das Vorgehen bei dieser Datierungsmethode, bei der das Alter der Holzstücke anhand ihrer Jahresringe bestimmt wird, wird hier an Beispielen näher erläutert.

Einen weiteren Einblick in die archäologische Forschung bietet das Projekt „Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“, in dessen Verlauf auch das absolute Highlight des römischen Museums in Augsburg untersucht wurde: ein bronzener, ursprünglich mit Blattgold überzogener Pferdekopf, der im 18. Jahrhundert in der Wertach gefunden wurde. Zunächst nahm man an, dass der Kopf zu einer Reiterstatue gehörte. Nach den neuen Materialanalysen und Vergleichen mit der vergoldeten Figur eines Genius des römischen Volkes, der einst einen Wagenkasten schmückte, geht man nun davon aus, dass der Pferdekopf zu einer Quadriga (einem Viergespann) gehörte, die ein Bogenmonument beim Forum krönte.

Ein weiterer Themenbereich widmet sich der Götterwelt der Römer. Die Römer verehrten unzählige Gottheiten, von denen sie auch einige aus anderen Kulturen übernahmen. Hier im römischen Museum Augsburgs wird diese Vielfalt beispielsweise durch Statuen, Weihesteine und Altäre für Mithras, Isis oder Jupiter, dem höchsten der römischen Götter, veranschaulicht.

Den Alltag der Römer zeigen zum einen das lebensgroße Modell eines römischen Speisezimmers (Triclinium) und zahlreiche Funde von Geschirr und Besteck. Zum anderen gibt uns das Museum mit Grabsteinen, Urnen und Grabbeigaben einen Einblick in den römischen Totenkult.

An der Rückwand des Ausstellungsraums stehen aufgestapelte Depotkisten für die zahlreichen Fundstücke, für die im Übergangsquartier des römischen Museums von Augsburg kein Platz ist. Hoffen wir, dass Augsburg in naher Zukunft in einem neueröffneten Museum wieder die ganze Bandbreite archäologischer Hinterlassenschaften aus der Geschichte der Stadt genießen kann.

Weitere Informationen:
https://kunstsammlungen-museen.augsburg.de/roemisches-museum

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