Kategorie: Geschichte

Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte (Dorling Kindersley, 2026)

Mit „Das alte Griechenland“ legt der Dorling Kindersley Verlag einen weiteren Band seiner Reihe visueller Kulturgeschichten vor. Auf 400 Seiten spannt der Band einen Bogen über rund 3000 Jahre: von der Frühgeschichte und den Kulturen der Kykladen, Minoer und Mykener über den Aufstieg von Athen und Sparta bis zum Reich Alexanders des Großen und schließlich der römischen und byzantinischen Zeit. Das großformatige Buch enthält etwa 850 Fotos, Illustrationen, Karten und Zeitleisten.

Das Buch ist chronologisch in sieben aufeinanderfolgende Teile gegliedert: von den Anfängen und der Prähistorie (bis ca. 900 v. Chr.) über den Aufstieg der Stadtstaaten (900–600 v. Chr.), die spätarchaische (600–500 v. Chr.) und die klassische Zeit Athens und Spartas (500–400 v. Chr.) bis zu den Umbrüchen des 4. Jahrhunderts und Alexander dem Großen (400–323 v. Chr.), dem hellenistischen Griechenland (323–31 v. Chr.) und schließlich Griechenland unter römischer Herrschaft (ab 31 v. Chr.) mit Christianisierung und byzantinischer Ära.

Jeder der sieben Teile beginnt mit einem kurzen Überblick über den Zeitabschnitt: mit einem einleitenden Text, einer Zeitleiste mit den wichtigsten Daten am unteren Rand und einer Karte mit den relevanten Orten.

Der erste Abschnitt über die Anfänge bzw. die Prähistorie bis ungefähr 900 v. Chr. führt zunächst in die griechische Vorzeit und stellt anschließend die Kultur der Kykladen und die minoische Welt vor. Neben den historischen Begebenheiten werden auch besondere Orte, Funde und Befunde vorgestellt. Der Palast von Knossos fehlt dabei ebenso wenig wie der Diskos von Phaistos. Das Buch geht auf den minoischen Seehandel ein und zeigt dann den Aufstieg der Mykener auf dem griechischen Festland. Mehrere Kapitel sind den griechischen Göttern und Helden gewidmet. Ebenfalls in diesen Zeitabschnitt fällt der Trojanische Krieg. Der erste Teil endet schließlich mit den sogenannten Dunklen Jahrhunderten, über die man aufgrund mangelnder schriftlicher und archäologischer Funde lange Zeit nicht viel wusste.

Der folgende Abschnitt widmet sich dem Aufstieg der Stadtstaaten und umfasst den Zeitraum von 900 bis 600 v. Chr. Er macht zunächst deutlich, dass die Dunklen Jahrhunderte gar nicht so dunkel waren, wie es die ältere, auf den Schilderungen Hesiods beruhende Annahme nahegelegt hatte. In den letzten Jahrzehnten haben zahlreiche archäologische Funde gezeigt, dass es in dieser Zeit durchaus kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten gab.

Ins 8. Jahrhundert fielen die Anfänge der großen Heiligtümer Olympia und Delphi, und Hesiods „Werke und Tage“ entstanden. Um 700 v. Chr. wurden dann verschiedene Legenden und Erzählungen, die zuvor nur mündlich überliefert worden waren, schriftlich festgehalten: die Ilias und die Odyssee.

Politisch entstand nach dem Niedergang der mykenischen Kultur eine Vielzahl unabhängiger Stadtstaaten (Poleis). Eine der ersten städtischen Siedlungen Griechenlands war Argos. Die Stadtstaaten waren aber in ihrer politischen Ordnung keineswegs einheitlich. In einigen Staaten herrschten Könige, in anderen eine Oligarchie, in wieder anderen wurde eine Demokratie eingeführt.

Immer wieder führten die einzelnen Stadtstaaten Kriege gegeneinander, und die Art der Kriegsführung wandelte sich: hin zur Phalanx, die man sehr schön auf der sogenannten Chigi-Kanne aus dem 7. Jahrhundert sehen kann.

Angetrieben von Überbevölkerung, Handel und weiteren Gründen gründeten die Griechen zudem im gesamten Mittelmeerraum und rund um das Schwarze Meer neue Siedlungen.

Der Abschnitt beleuchtet außerdem den Alltag in den Poleis, etwa das Symposion. Man traf sich, um gemeinsam zu trinken, zu diskutieren und Handel zu treiben, aber auch, um sich die Zeit zu vertreiben – mit Spielen, Musik und häufig auch intellektuellen Debatten.

In der spätarchaischen Zeit (Abschnitt 3, 600–500 v. Chr.) begegnen uns die bekanntesten Stadtstaaten: Athen und Sparta wurden zu den dominanten Mächten in Griechenland. Sie waren zugleich die einzigen Städte, die ihre Macht ausschließlich innerhalb Griechenlands konzentrierten und nicht nach Übersee expandierten oder Kolonien gründeten.

Sparta stieg zur führenden Macht auf der Peloponnes auf und war dafür bekannt, dass seine Gesellschaft auf die Erziehung und Ausbildung zum Krieger ausgerichtet war. Doch natürlich war auch hier die Gesellschaft vielschichtiger, als es uns die Überlieferung – oft aus der Sicht der Rivalen – glauben lässt.

Auch Athen wuchs in dieser Zeit zu der Stadt heran, die bis heute als Inbegriff von Demokratie gilt. Soziale Unruhen führten im 6. Jahrhundert dazu, dass Solon, der berühmte Gesetzgeber Athens, eine Reihe von Reformen durchführte und damit den Beginn der attischen Demokratie einleitete.

Künstlerisch begegnen uns in dieser Zeit die großen Figuren der Jünglinge, die Kouroi, und ihr weibliches Pendant, die Koren. Auch die Vasenmalerei brachte mit der Zeit die prachtvollen Bilder hervor, die wir heute in den Museen bewundern. War zu Beginn, bei der schwarzfigurigen Malerei, noch Korinth führend, so war spätestens mit der rotfigurigen Malerei Athen der Hauptproduzent qualitätvoller Keramik, die im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und exportiert wurde.

Auch die Gründung zahlreicher Kolonien in Süditalien und Sizilien (später Großgriechenland – Magna Graecia genannt) sowie rund um den Mittelmeerraum ist in diesem Abschnitt noch einmal Thema. Man reiste zu Land und zu Wasser, und auch die Kriegsführung auf See wurde immer wichtiger. Aber auch die Schattenseiten der Gesellschaft – vom geringen Ansehen der Handwerker bis zur Sklaverei – kommen zur Sprache.

Der vierte Abschnitt behandelt die Jahre 500 bis 400 v. Chr. Er steht im Zeichen großer Konflikte: des Ionischen Aufstands, der Perserkriege und schließlich des Peloponnesischen Krieges. Er stellt Herodot als „Vater der Geschichtsschreibung“ vor und zeigt, wie Athen den Delischen Bund für den eigenen Wiederaufbau nutzte. Ohne Skrupel wurde die Schatzkasse des Bundes geplündert, um die Akropolis prachtvoll auszubauen und den Parthenon zu errichten.

Das Kapitel geht auch wieder auf verschiedene Aspekte des griechischen Lebens ein, darunter auf den Alltag griechischer Frauen, die griechische Religion, die großen Festtage und die Orakel. Das griechische Theater sowie die griechischen Autoren und Dramatiker werden vorgestellt und auch Sokrates, der „Vater der westlichen Philosophie“, lebte in dieser Zeit.

Vom Peloponnesischen Krieg bis zum Tod Alexanders des Großen reicht der fünfte Abschnitt (400–323 v. Chr.). Anfangs profitierte Sparta von seinem Sieg im Peloponnesischen Krieg und baute seine Vorherrschaft aus. Doch die Uneinigkeit unter den griechischen Stadtstaaten führte immer wieder zu kriegerischen Konflikten mit wechselnden Bündnissen. Schon im 5. Jh. hatte das bis dahin eher als Randgebiet geltende Reich Makedonien an Bedeutung gewonnen, und schließlich wurde Griechenland vom makedonischen König Philipp II. und seiner gut ausgebildeten Armee erobert.

Nach seinem Tod sicherte sich sein Sohn Alexander mit brutaler Gewalt die Nachfolge und konnte den Plan seines Vaters, die Eroberung des Perserreichs, abschließen. Doch dies war ihm nicht genug und sein Eroberungszug führte ihn immer weiter nach Osten. Er kam bis nach Indien, bevor er dem wachsenden Unmut seines erschöpften Heeres nachgeben und umkehren musste. Kurz nach der Rückkehr in seine künftige Hauptstadt Babylon erlag er dann jedoch einer Krankheit.

Parallel zur politischen Erzählung widmet sich auch dieser Abschnitt wieder Themen des täglichen Lebens: dem Leben der Nichtbürger, der Kindheit, dem Tod und den Bestattungsritualen, dem Leben nach dem Tod. Ein Highlight ist in diesem Zusammenhang das Mausoleum von Halikarnassos, das in einem eigenen Kapitel vorgestellt wird. Die Darstellung zeigt gut, wie man sich die farbliche Gestaltung eines antiken Bauwerks vorstellen muss. Weitere Kapitel behandeln griechische Medizin, Münzen und Wirtschaft, Essen und Trinken sowie die Entwicklung der Naturwissenschaften.

Die Zeit nach Alexanders Tod war von den Nachfolgekämpfen seiner Feldherren geprägt, aus denen die großen Reiche der Seleukiden, Antigoniden und Ptolemäer hervorgingen, die im sechsten Abschnitt (323–31 v. Chr.) vorgestellt werden. Weitere Reiche bildeten sich in Pergamon und Pontos. Daneben gab es weiterhin unabhängige Stadtstaaten. Doch die Rivalität untereinander ebnete der allmählichen Eroberung Griechenlands und Kleinasiens durch die Römer den Weg – ein Prozess, der mit der Schlacht von Actium 31 v. Chr. abgeschlossen war.

Die Kunst der hellenistischen Zeit war geprägt durch dramatische und realistische Darstellungen, sei es bei Skulpturen von alten oder behinderten Menschen, sei es bei Darstellungen von Boxern mit ihren Wunden. Die bukolische Dichtung dagegen idealisierte das Landleben und beschrieb idyllische Szenen. Und während die einfachen Menschen Zuflucht in Magie und Zauberei suchten, machte im hellenistischen Griechenland andererseits auch die Wissenschaft weiter Fortschritte: von der Mathematik und der Physik mit ihrem wichtigsten Vertreter Archimedes bis hin zu Technik und Musik.

Der letzte Abschnitt beginnt mit dem Jahr 31 v. Chr. und Roms Herrschaft, die Frieden und Wohlstand in die griechischen Provinzen brachte. Von hier aus spannt das Buch den Bogen weiter über die Christianisierung bis in die byzantinische Ära und die Eroberung Konstantinopels durch die Türken.

Den Abschluss bilden verschiedene Verzeichnisse:

  • die Stadtstaaten, gegliedert nach Gebieten (Festland, Inseln, Kleinasien, Nordafrika),
  • Dichter und Dramatiker,
  • Historiker und Geografen,
  • Philosophen und Wissenschaftler
  • die olympischen Götter und die Helden,
  • die wichtigsten griechischen Mythen
  • Übersicht der wichtigsten Stätten, die man in Griechenland besuchen kann.

Das Besondere dieses Buches und gleichzeitig das Kennzeichen aller Bücher von Dorling Kindersley liegt in der visuellen Gestaltung. Fast jedes Kapitel kommt mit zwei gegenüberliegenden Seiten aus, bei denen der verständlich geschriebene Text mit Fotos, Illustrationen, 3-D-Grafiken, Karten und Infografiken ergänzt wird.

Das Buch richtet sich an ein breites, interessiertes Publikum ohne Vorwissen und verbindet den großen historischen Überblick mit vielen kleinen, konkreten Einblicken in den Alltag. Es liegt in der Natur der Reihe, dass viele Themen nur oberflächlich oder gar nicht behandelt werden können. Wer tiefer einsteigen will, würde sich allerdings über Hinweise zu weiteren Überblickswerken freuen. Grundsätzlich ist das Buch allerdings sehr gut als schneller Einblick in Geschichte, Kunst und Kultur des antiken Griechenlands geeignet.

DK Verlag (Hrsg.), Das alte Griechenland
ISBN 978-3-8310-5210-3 
400 Seiten, 245 x 288 mm, fester Einband, Über 850 farbige Fotos, Illustrationen und Karten
45 Euro


Harry Sidebottom, Der wahnsinnige Kaiser. Elagabal und der Niedergang Roms (Herder 2025)

Elagabal, oder besser Marcus Aurelius Antoninus (geboren als Sextus oder Gaius Varius Avitus Bassianus), galt schon in der Antike als Symbol für Dekadenz. Heute ist er allerdings – im Gegensatz zu Caligula oder Nero – weitgehend aus dem kulturellen Gedächtnis verschwunden. Auch, weil sich nur wenige Gelehrte mit ihm beschäftigen. Und so ist Sidebottoms Buch der Versuch, diesen römischen Imperator aus der Vergessenheit zu holen.

Für seine Zeitgenossen und auch spätere römische Autoren galt Elagabal als fremdartig und exzentrisch. Doch entspricht alles, was wir in den antiken Quellen lesen, tatsächlich der Wahrheit? Sidebottoms Buch will der Sache auf den Grund gehen. Er analysiert die drei erhaltenen schriftlichen Quellen – Cassius Dio, Herodian und die Historia Augusta – und zeigt zu jeder Überlieferung, wie glaubwürdig die Quelle ist. Dazu zieht er auch Inschriften, Münzen und archäologische Funde heran. Denn antike Geschichtsschreibung hat nicht viel mit der Schilderung von Fakten zu tun, sondern gleicht eher einem historischen Roman: Es werden keine Quellen genannt, und viele Episoden oder Dialoge werden einfach erfunden. Und man darf auch nicht vergessen, dass die Biografen zur römischen Elite gehörten, die Elagabal mit seinem Verhalten oft vor den Kopf stieß.

Doch wie begann alles? Am Anfang steht die Flucht Elagabals und seiner Familie aus Emesa. Seine Großmutter, Julia Maesa, war die Schwester von Julia Domna – der Frau von Septimius Severus und Mutter von Caracalla. Vermutlich war es auch seine Großmutter, die die Fäden zog. Zum Zeitpunkt dieser Flucht war Elagabal erst 13 oder 14 Jahre alt. Ebenfalls zu der Gruppe gehörten seine Tante und deren 9 Jahre alter Sohn, dem späteren Kaiser Severus Alexander. Vieles deutet darauf hin, dass es sich um eine Herrscherfamilie aus Emesa handelte – Könige, die unter Caesar oder Augustus das römische Bürgerrecht erhalten hatten.

Es gelang der kleinen Gruppe, die Elagabal als unehelichen Sohn Caracallas präsentierte, eine in der Nähe stationierte Legion zu einem Aufstand gegen Caracallas Nachfolger Macrinus aufzustacheln und Elagabal zum Kaiser auszurufen. Macrinus wurde schließlich besiegt. Elagabal wurde zwar recht schnell vom Senat bestätigt, ließ sich aber sehr viel Zeit, nach Rom zurückzukehren, wo er auch aufgewachsen war. Danach verließ er die Stadt nicht mehr.

Von Anfang an ignorierte der junge Kaiser römische Gepflogenheiten – er betonte in seinem Verhalten die orientalischen Traditionen seiner Heimat. Sidebottom warnt zwar davor, unsere heutigen Werturteile auf die Antike zu übertragen, zeigt jedoch, wie Elagabal nach und nach die römische Elite gegen sich aufbrachte.

Bevor man sich der Frage widmen kann, warum Elagabal diese Elite gegen sich aufbrachte, muss man sich zunächst damit beschäftigen, wie das römische Kaisertum im Zusammenspiel mit den verschiedenen Institutionen und Bevölkerungsschichten funktionierte. Der Autor geht darauf im Kapitel „Macht“ ein. Was erwartete man von einem Kaiser? Auf welche „Wählergruppen“ musste ein Kaiser Rücksicht nehmen? Welche Entscheidungen traf der junge Kaiser? Und vor allem: Wo lagen die Grenzen kaiserlicher Macht?

Man erwartete von einem Kaiser beispielsweise, dass er heiratete und Nachfolger hatte. Gegebenenfalls half man mit einer Adoption nach. Mindestens drei Ehefrauen sind belegt, darunter zweimal die Vestalin Aquilia – ein unerhörter Frevel. In dem Kapitel „Religion“ geht Sidebottom darauf ein, was wir über die Kultpraktiken des Gottes Elagabal wissen, und macht deutlich, dass wir den schriftlichen und materiellen Quellen zwar einiges über die äußeren Formen des Kultes entnehmen können, über den Glauben an sich jedoch nur wenig wissen. Der Kaiser war seit frühester Jugend Priester dieses Gottes, der in Form eines schwarzen Steins verehrt wurde, und wollte ihn sogar über Jupiter stellen. Für Römer undenkbar, denn Jupiter war der Garant für Roms „Herrschaft ohne Ende“.

In den antiken Quellen nehmen die Schilderungen von Elagabals sexuellen Vorlieben breiten Raum ein, sein „weibisches“ Verhalten sowie seine Personalpolitik, die seinen Sexualpartnern hohe Ämter einbrachte. Der Autor prüft jede Überlieferung auf ihre Plausibilität und macht immer wieder deutlich, warum welcher Autor den Kaiser genauso schildert, wie er es tut, und dass diese Überlieferungen mit Vorsicht zu bewerten sind.
Schließlich jedoch hatte Elagabal den Bogen überspannt, und selbst seine Großmutter wandte sich wohl gegen ihm. Zunächst sorgte man dafür, dass er seinen Cousin adoptierte und damit als Nachfolger bestimmte. Eine Entscheidung, die er vermutlich bald bereute, wie Sidebottom plausibel erklärt. Denn schnell erfreute sich der jüngere Mitkaiser immer größerer Beliebtheit. Elagabal soll mehrfach versucht haben, ihn zu beseitigen. Doch am Ende war es Elagabal selbst, der getötet wurde – von seinen eigenen Soldaten, der Prätorianergarde. Man gönnte ihm nicht einmal eine vernünftige Bestattung, sondern warf ihn in den Tiber.

Das Buch besticht durch seine erfrischend humorvolle Sprache. An dieser Stelle möchte ich auch einen Dank an den Übersetzer Jörg Findling aussprechen – er hat das äußerst kurzweilig geschriebene Buch wunderbar übertragen.

Der wahnsinnige Kaiser (Gebundene Ausgabe)Elagabal und der Niedergang Roms
von Harry Sidebottom (Autor)
Theiss in der Verlag Herder GmbH
Auflage 2025
Gebunden mit Schutzumschlag
400 Seiten
ISBN: 978-3-534-61036-5

    Pedro Barceló, Geschichte Spaniens in der Antike. Von den Phönikern bis zum Kalifat von Córdoba (2025)

    Wer sich für die antike Geschichte der Iberischen Halbinsel interessiert, findet kaum deutschsprachige Publikationen, die auch die vorrömischen Epochen abdecken. Diese Lücke schließt Pedro Barceló nun. Er geht zunächst auf die frühen Bewohner ein und widmet sich dann phönikischen und griechischen Einwanderern, vor allem aber den Karthagern.

    Überzeugend widerlegt er die These einer angeblichen frühen karthagischen Präsenz und analysiert sehr ausführlich die Zeit der Karthager in Hispanien wie den Hasdrubal-Vertrag und die Sagunt-Affäre oder die Konflikte mit den Römern bis zum Ende des zweiten römisch-karthagischen Krieges, der, wie Barceló veranschaulicht, zu einem entscheidenden Teil in Hispanien entschieden wurde.

    Nach der Vertreibung der Karthager setzten sich die Römer endgültig auf der iberischen Halbinsel fest. Allerdings sollten noch etwa zweihundert weitere Jahre vergehen, bis die Eroberung unter Augustus als abgeschlossen gelten konnte. Die verschiedenen Stämme leisteten lange Widerstand, auch weil viele römische Statthalter hier vor allem die Möglichkeit sahen, sich auf Kosten der Einheimischen zu bereichern, und oft waren sie nicht gerade zimperlich in ihrer Vorgehensweise.

    Mit Beginn der Kaiserzeit wandelte sich das Verhältnis zwischen Rom und Hispanien, wie Barceló am Beispiel Tarraco veranschaulicht. Schließlich gelang die Romanisierung der iberischen Halbinsel und ihrer Bewohner. Diese kann exemplarisch für die Romanisierung in anderen Regionen des Imperium Romanum gelten und so widmet er ein eigenes Kapitel den Faktoren einer solchen Romanisierung.

    Barceló schildert die politischen Entwicklungen, Wirtschaft und Gesellschaft in der Hispania Romana bis zum Zeitalter des Theodosius und geht dann auf die Entwicklung des Christentums in Hispanien von den Anfängen bis zur Zeit der Völkerwanderung ein. Die neuen Einwanderer – Sueben  Alanen, Vandalen und Westgoten – änderten im Laufe der Zeit die politische Gemengelage auf der Halbinsel, besiegelten letztendlich den Zusammenbruch römischen Herrschaft.

    Aber auch das nun entstandene Westgotenreich mit Toledo als Hauptstadt konnte sich nicht auf lange Sicht behaupten. Ebenso wenig wie die Byzantiner, die sich ab der Mitte des 6. Jh. n. Chr. vorübergehend im Süden der iberischen Halbinsel festsetzten. Denn in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhundert begann der Siegeszug der zum Islam konvertierten Araber. Innerhalb weniger Jahrzehnte hatten sie ein riesiges Gebiet erobert und 711 n. Chr. landete ein aus Arabern und Berbern bestehendes Heer in der Ebene von Gibraltar. In nur sieben Jahren unterwarfen sie einen großen Teil der iberischen Halbinsel. Ihre Hauptstadt Cordoba zeigt exemplarisch die verschiedenen Epochen: über einer iberischen Kultstätte erhob sich später ein römisches Heiligtum, über dem man in der Zeit der Westgoten eine christliche Kirche errichtete. Diese wiederum musste einer Moschee weichen, in die dann später eine christliche Kathedrale eingebaut wurde.

    Barceló ist es gelungen, mit dem vorliegenden Buch eine sehr detaillierte und dabei gut lesbare Analyse der politischen und historischen Entwicklung der Iberischen Halbinsel in der Antike vorzulegen. Zur besseren Übersicht hat Barceló im Anhang zudem ein Verzeichnis der antiken Orte mit ihren heutigen Bezeichnungen sowie eine chronologische Tabelle beigefügt.

    Pedro Barceló
    Geschichte Spaniens in der Antike. Von den Phönikern bis zum Kalifat von Córdoba
    C.H.Beck Verlag, München 2025
    492 S., 29 Ill., 10 Karten
    38,00 Euro

    Erhältlich bei Amazon oder beim Beck-Verlag.

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