4. Der spätgeometrische Stil (760-700 v. Chr.)
Spätgeometrisch I (760-735 v. Chr.)
Man kann weiterhin eine kontinuierliche Entwicklung zu schlankeren Formen beobachten.
Zu Beginn der spätgeometrischen Phase wird die Dekoration attischer Vasen in 3 Punkten verändert:
1. figürliche Szenen gewinnen immer mehr an Bedeutung
2. es gibt einen plötzlichen Wechsel vom dunkelgrundigen System des Mittelgeometrischen zu einer Dekorationsart, bei der die ganze Gefäßoberfläche in verschieden breite Ornamentzonen aus verdünntem Firnis unterteilt ist.
3. an wichtigen Stellen des Gefäßes werden umlaufende Motive häufig durch Bänder von Metopen ersetzt, v. a. bei kleineren Gefäßen.
Man kann jetzt deutlich stilistische Unterschiede verschiedener Werkstätten und Künstler unterscheiden und die eben genannten, einschneidenden Veränderungen entstanden anscheinend in der Werkstatt des Dipylonmeisters. Der Dipylonmeister war ein Spezialist für große Grabgefäße und v. a. die Bauchhenkelamphora, die inzwischen kaum noch verwendet wurde, führt er zu einer letzten Blüte. Nach dem Ende der Phase spätgeometrisch I verschwindet die Bauchhenkelamphora allmählich.
Eine frühe Schöpfung und gleichzeitig namengebendes Werk des Hauptmeisters dieser Werkstatt ist die sog. Prothesisamphora vom Dipylon (Athen, Nat. Mus., Inv. Nr. 804) Höhe 1,62 m; Datierung um 760 (spätgeometrisch Ia nach Coldstream, nach Kahane reifgeometrisch). Diese monumentale Bauchhenkelamphora stand als Grabmonument auf einem Grab.
Auch figürliche Darstellungen erhalten jetzt ihre für die nächsten zwei Generationen gültige Form. Der Dipylonmeister entwickelt als erster einen festen Figurenstil bei Begräbnis- und Schlachtszenen. Im weiteren Verlauf des 8. Jh. werden männliche und weibliche Figuren dadurch unterschieden, dass man Frauen mit Röcken darstellt. Füllornamente sind ein wichtiges Zubehör des geometrischen Figurenstils, da sie die Figurenfriese mit der linearen Dekoration des Gefäßes verbinden.
Das Hauptbild dieser Amphora zeigt die Darstellung einer Prothesis, d. h. die Aufbahrung des Toten. Am Hals befinden sich 2 schmale Tierfriese. Der untere zeigt ruhende Steinböcke, der obere äsendes Rotwild.
Anstelle von Helldunkelkontrasten bestimmen Zwischentöne den Eindruck dieser Amphora. Sie werden v. a. durch die Schraffierung der Ornamente erzeugt, die jetzt das Gefäß teppichartig überziehen. Die gesamte Dekoration wird nun mit verdünntem Firnis aufgetragen. Hauptmotiv des Dipylonmeisters ist der schraffierte Mäander in allen Variationen. Er verwendet meist umlaufende Ornamente und vermeidet die „Metopendekoration“, die in gleichzeitigen Werkstätten beliebt ist.
Ein weiteres Beispiel für die Werkstatt des Dipylonmeisters ist eine Halshenkelamphora in München (Inv.Nr. 6080) 51 cm; Datierung um 750 (spätgeometrisch I b). Ein Lieblingsornament des Dipylonstils, die von stehenden und hängenden Dreiecken eingefasste, punktierte Raute, schmückt Schulter und Unterteil des Körpers. Hier zeigen die figürlichen Friese nur Tiere. Die Tiere haben etwas an Volumen gewonnen. Zu den figürlichen Teilen des Schmucks gehören auch die beiden schwarz gemalten Schlangen auf den Henkeln, die zeigen, dass die Amphora als Grabgefäß diente, denn sie waren mit dem Totenglauben verbunden. Später werden sie plastisch gebildet.
Ein weiterer Maler, den wir eindeutig erkennen können, ist der sogenannte Hirschfeld-Maler. Seine menschlischen Figuren haben oft ausgesparte Augen mit einem Punkt in der Mitte und die Köpfe haben ein spitzes Kinn. Ein Beispiel hierfür ist der sog. Hirschfeld-Krater.
Bei den Halshenkelamphoren stirbt die dunkelgrundige Dekoration langsamer aus. Auf den monumentalen Gefäßen werden wichtige Stellen betont, indem man einfach die Ornamentzone breiter gestaltet.
Der Stil der Dipylonwerkstatt und anderer gleichzeitig arbeitender Töpfereien wurde in der gesamten griechischen Welt als vorbildlich angesehen und man versuchte, die Wirkung dieses attischen Stils zu erreichen.
Im Übergang zu Phase spätgeometrisch II wird auf großen Gefäßen die Betonung der wichtigsten Stellen allmählich durch kleiner werdende Metopenzonen geschwächt.
weitere Beispiele:
– Athen Nat. Mus. Inv.-Nr. 803 (http://arachne.uni-koeln.de/arachne/index.php?view[layout]=objekt_item&search[constraints][objekt][searchSeriennummer]=194701)
– Bauchhenkelamphora Athen Nat. Mus. 805 (Kahane Taf. XXIV) Höhe 1,38 m; frühes Beispiel für Metopendekoration (http://arachne.uni-koeln.de/arachne/index.php?view[layout]=objekt_item&search[constraints][objekt][searchSeriennummer]=179399)
Spätgeometrisch II (735-700 v. Chr.)
Es gibt jetzt auffallende Gegensätze zwischen einzelnen Künstlern, aber auch zwischen großen und kleinen Gefäßen, wobei die kleineren Gefäße einheitlicher sind. Hals, Körper und Fuß der Amphoren werden immer schmaler. Am Ende der Phase spätgeometrisch I bildeten Dekoration und Form eine Einheit. Diese Einheit jetzt wird allmählich aufgelöst. Die Ornamentzonen werden schmaler und weniger betont. Außerdem erscheinen figürliche Szenen jetzt auch auf dem Ha