Monat: August 2013

Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur

Zülpich, das antike Tolbiacum, lag einst am Kreuzungspunkt mehrerer wichtiger römischer Straßen: hier trafen sich Straßen, die von Köln, von Trier, von Reims und von Neuss kamen. Von den wenigen Spuren aus römischer Zeit ragt die Thermenanlage auf dem Mühlenberg wegen ihres guten Erhaltungszustands hervor.

Das Museum zeigt zum einen die typischen Elemente römischer Badeanlagen an den Originalresten der Zülpicher Thermen, zum anderen, im ersten Obergeschoss, interessante Einblicke in die Kulturgeschichte des Badens bis heute.

Badeanlagen gab es zwar bereits lange vor den Römern, aber die Römer haben sie perfektioniert. Für sie gehörte es zur Lebensqualität, möglichst jeden Tag in die Thermen zu gehen. Dabei ging es natürlich zunächst einmal um die Reinigung an sich. Aber hier traf man sich auch mit Freunden und Geschäftspartnern, hier wurde das aktuelle Tagesgeschehen diskutiert und kommentiert. In der Regel standen die Thermen morgens den Frauen zur Verfügung, nachmittags den Männern. Nur in größeren Thermen waren von vorneherein getrennte Bereiche für Männer und Frauen vorhanden.

Im Apodyterium zog man sich aus, deponierte seine Kleidung, kaufte gegebenenfalls Dinge, die zum Baden und Reinigen nötig waren (z. B. Ölfläschchen, Schaber, Handtuch) und ging dann durch das Kaltbad (Frigidarium) und das Warmbad (Tepidarium) direkt in das Heißbad (Caldarium).

Unter dem Fußboden des Caldariums gab es einen niedrigen, auf Säulchen gestützten Hohlraum, die Hypocaustanlage. Eine von außen zugängliche Heizstelle erwärmte die Luft in diesem Hohlraum und zog über Hohlziegel in der Wand ab. Dadurch wurde der Raum auf etwa 50 Grad erhitzt. Die Heizstelle erwärmte außerdem das Wasser in einer Wanne dieses Raums auf ca. 40 Grad.

Dann ging es zurück in das Tepidarium mit ca. 25 Grad Raumtemperatur. Hier ölte man sich ein und schabte anschließend Öl und Schmutz mit einem Schaber (Strigilis) wieder ab. Hier konnte man sich massieren lassen oder sich die Zeit mit Gesprächen und Würfel- oder Brettspiel vertreiben. Anschließend ging es weiter ins Kaltbad, um sich weiter abzukühlen, bevor man sich wieder zum Umkleideraum begab.

Diese typische Abfolge der Räume entspricht dem sogenannten „Reihentypus“ einer römischen Badeanlage und enthält die wichtigsten Räume. Daneben konnte es Schwitzbäder (Sudatorien) geben, Gymnastikhöfe (Palästren) oder Hallen, in denen man ebenfalls Sport treiben konnte, aber auch etwas zu essen und trinken bekam. In anderen Bädern waren die Räume ringförmig angeordnet, sodass man jeden Raum nur einmal betrat.

In den Römerthermen Zülpich lässt sich der Badebetrieb einer römischen Thermenanlage anschaulich nachvollziehen – sowohl an den archäologischen Resten selbst, als auch anhand der Texte, die sie begleiten und erklären.

weitere Informationen: http://www.roemerthermen-zuelpich.de
Literatur: Heinz Günter Horn, So badeten die Römer: Rund um die Thermen von Zülpich (2008)

Adresse:

Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur
Andreas-Broicher-Platz 1
53909 Zülpich
Tel: 02252/83806-0

Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 10.00 bis 17.00
Samstag, Sonntag, Feiertage 11.00 bis 18.00 Uhr
Karfreitag, Ostersonntag und -montag, Pfingstmontag geöffnet
Geschlossen: Weiberfastnacht, Heiligabend (24.12.), 1. Weihnachtsfeiertag (25.12.), Silvester (31.12.), Neujahr (01.01.)

Römerbergwerk Meurin, 56630 Kretz

Die riesige im Jahre 2000 errichtete Halle schützt ein eindrucksvolles Zeugnis des römischen Bergbaus. Damals wie heute wurde hier Tuffgestein abgebaut. Die meisten dieser römischen Bergwerke wurden im Laufe der Jahrhunderte von nachfolgenden Generationen abgetragen. Ein Glücksfall der Natur hat hier, im Landkreis Mayen-Koblenz, die Spuren eines römischen Untertagebaus erhalten.

Man sieht die Stollen, die die Römer in den Stein getrieben haben und auch die Spuren ihrer Werkzeuge sind noch heute zu sehen. Der Besucher wird über ein Audio-System durch die Ausstellung geführt. Leider gibt es keine Broschüre, mit der man das Thema vertiefen könnte.

Weitere Informationen:
http://vulkanpark.com/roemerbergwerk
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6merbergwerk_Meurin

Adresse:

Römerbergwerk Meurin
An der B256
56630 Kretz

Öffnungszeiten:

Zwischen Mitte März und Anfang November ist das Museum wie folgt geöffnet:
Dienstags – Sonntags, Feiertags                     09.00 – 17.00 Uhr

Während der Ferien in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen kann das Museum auch Montags von 09.00 – 17.00 Uhr besichtigt werden.

Römische Villa Otrang, 54636 Fließem

Die römische VillaCIMG1043 in Otrang in der Nähe von Bitburg wurde Anfang des 19. Jh. entdeckt und die ersten Schutzbauten für die gefundenen Mosaike wurden bereits in den 30er Jahren des 19. Jh. errichtet. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Villa in den 60er Jahren des 20. Jh.

Eine römische Villa war keine Villa im heutigen Sinne, sondern ein Bauernhof bzw. ein Gutshof. Neben dem Hauptgebäude gab es daher immer auch Nebengebäude für die landwirtschaftlichen Aspekte des Hofes. Je nach Größe des Gutes handelte es sich beim Hauptgebäude nur um das Wohnhaus des Besitzers oder es waren bereits Räume für die Bediensteten und Wirtschaftsräume darin zu finden.

Im Laufe der Zeit bildeten sich verschiedene Villentypen aus und die Villa Otrang gehört zum sogenannten „gallo-römischen“ Typ, der römische und keltische Traditionen verband. Bei diesem Villentyp lagen das Hauptgebäude, in dem der Besitzer und die Bediensteten wohnten, sowie die oft zahlreichen Nebengebäude für die verschiedenen Wirtschaftsbereiche des Gutes innerhalb eines großen umfriedeten Hofs. In der Nähe der Villa befanden sich außerdem die Gräber der Bewohner sowie meist ein kleines Heiligtum. Das Hauptgebäude war in der Regel eine so genannte „Risalit-Villa“ in ihren unterschiedlichen Ausprägungen: hinter einer über die ganze Breite des Gebäudes vorgelagerten Säulenhalle („Portikus“) mit vorspringenden Flügeln (den Risaliten) befand sich ein zentraler größerer Hauptraum und kleinere Nebenräume.

Eine Besonderheit der Villa von Otrang ist, dass sie auf zwei Seiten Portiken mit Risaliten besitzt und es statt eines großen Hauptraums zwei mittelgroße Räume gibt. Im Laufe der Zeit war die Villa mehrfach umgebaut und erweitert worden. Man unterscheidet heute 3 größere Bauphasen. Allerdings sind die ersten Grabungen nicht gut dokumentiert, sodass die Zuordnung zu den einzelnen Phasen nicht immer klar ist. Die in der Nähe der römischen Fernstraße von Trier nach Köln gelegene Villa wurde offenbar im frühen 1. Jh. n. Chr. errichtet. Bis ins 3. Jh. wurde die Villa immer wieder umgebaut und in jedem Fall bis ins 4. Jh. genutzt.

Der Grundriss des Hauptgebäudes wurde für die Besucher des Museums vor allem durch die Grundmauern kenntlich gemacht. Die Hauptattraktion in Otrang sind aber die gut erhaltenen Mosaike, die in zwei der Schutzbauten besichtigt werden können. Insgesamt wurden 10 Mosaike gefunden, von denen allerdings nur vier vor Ort zu sehen sind. Ein weiteres befindet sich im Trierer Landesmuseum. Es handelt sich fast ausschließlich um ornamentale Motive. In einem der Gebäude sind auch Fundstücke aus dem Heiligtum im Tal ausgestellt. Ein weiterer Schutzbau, das Fachwerkhaus, zeigt ein großes Bad aus der zweiten Bauphase der Villa mit Wannen und Hypokaust-Anlage – der „doppelte Boden“, durch den die von außen durch ein Feuer erwärmte heiße Luft strömte und so die darüberliegenden Räume erwärmte. In diesem Gebäude kann man auch ein Modell der Villa sehen. Als Beispiel für die Wirtschaftsgebäude des Gutshofes kann man weiter oben am Hang in einem kleinen Schutzbau eine Kelteranlage sehen.

In der zum Teil wiederaufgebauten südlichen Portikus kann man den Blick ins Tal genießen. Die einstigen Bewohner konnten von hier auch den kleinen Tempel sehen. Für heutige Besucher stehen hier die Tische der zum Museum gehörenden kleinen Gaststätte.

Weitere Informationen: http://www.villa-otrang.de/
Literatur: Peter Hoffmann, Villa Otrang (2004)

Adresse:

Villa Otrang – Gaststätte u. Partyservice
Otranger Str.
54636 Fließem

Telefon: 06569 807
Fax: 06569 963246
E-Mail: info@villa-otrang.de

Öffnungszeiten:

Februar-März: 9-17 Uhr
April – September: 9-18 Uhr
Oktober – November: 9-17 Uhr

Museum für Antike Schiffahrt in Mainz

Im Winter 1981/1982 wurden bei der Erweiterung des Hilton Hotels in Mainz fünf römische Militärboote aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. gefunden. Die Schiffe waren offenbar von den Römern absichtlich an einer hier gelegenen Pier versenkt worden. Die von den darüber liegenden Flusssedimenten gut konservierten Teile der Rümpfe wurden ausgegraben, um neue Erkenntnisse über römische Militärboote zu erhalten. 1988 gründete das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz den Forschungsbereich Antike Schiffahrt und übernahm die Restaurierung und Konservierung der Schiffe. Um die Funde in einem angemessenen Rahmen der Öffentlichkeit zu präsentieren, eröffnete man 1994 in den Hallen einer ehemaligen Reparaturwerkstatt für Lokomotiven, die zuletzt bis 1989 als Großmarkthalle gedient hatte, das Museum für Antike Schiffahrt.

Die Hauptattraktion des Museums sind die konservierten Rumpfteile der fünf Militärschiffe sowie eines zivilen Handelsschiffes und die Nachbauten im Originalmaßstab.

Die Militärboote konnten zwei Typen zugeordnet werden. Vier der Boote waren Mannschaftsboote (Mainz Typ A), schlanke Boote mit flachem Boden, in denen etwa 30 Soldaten schnell zu einem Einsatz rudern konnten (es gab keine zusätzlichen Ruderer!). Der fünfte Rumpf gehörte zu einem Schiff mit mehr Platz und einem geschlossenen Deck (Mainz Typ B), das als Patrouillenboot oder für den Transport von Material und Soldaten diente.

Bei dem ausgestellten Handelsschiff handelt es sich um ein Prahm, ein flaches Schiff für Schwertransporte. Dieses Schiff war zwischen  Holzstraße und Kappelhofgasse gefunden worden.

Neben den Schiffen selbst zeigt das Museum für Antike Schiffahrt verschiedene Modelle und Fundstücke, die die Geschichte der antiken militärischen und zivilen Schiffahrt illustrieren: von Darstellungen von Schiffen oder des Baus von Kriegsschiffen (z. B. Reliefs der Trajansäule aus Rom) über Grabmäler von Schiffsbesitzern und Soldaten aus der römischen Kriegsflotte bis zu Orginalteilen von Schiffen (z. B. ein Rammsporn).

Das Museum wurde in den letzten Jahren noch einmal umgestaltet und seit Ende 2011 wird auf einer neu hinzugekommenen Galerie die  Geschichte des Schiffbaus im Altertum gezeigt. Ein weiterer neuer Ausstellungsbereich, „Von der Quelle zur historischen Interpretation – Wege der Forschung“, zeigt mit welchen Methoden Archäologen solche Schiffe ausgraben, konservieren und rekonstruieren.

Weitere Infos auf:
http://web.rgzm.de/36.html
http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/wiedereroeffnung-des-museums-fuer-antike-schiffahrt-in-mainz-19512

Postadresse
Museum für Antike Schiffahrt
Neutorstraße 2b
55116 Mainz

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.
Montags geschlossen

Tatort Archäologie, Ausstellung in Trier (vom 12.06.2013 bis 12.01.2014)

Die aktuelle Sonderaustellung „Tatort Archäologie“ im Landesmuseum Trier präsentiert ausnahmsweise keine archäologischen Schätze oder große Kulturen. Diesmal geht es um die Arbeit der Archäologen.

Von der Suche nach möglichen archäologischen Spuren im Boden und den Gründen für Ausgrabungen führt die Ausstellung den Besucher zu den Aufgaben, die auf einer Ausgrabung anfallen: Abtrag größerer Erdschichten, Feinarbeit mit Kelle und Pinsel, vermessen und zeichnen. Auch Grabungstagebücher und Fundlisten sind ausgestellt. Und natürlich ist die Publikation der Grabungsergebnisse wichtig. Leider fehlt hierfür vor lauter Rettungsgrabungen oft die Zeit.

Dann geht es weiter zur Bearbeitung der Funde – noch auf der Grabung, später im Denkmalamt oder Museum – bis zur Bestimmung von Keramikscherben (ursprüngliche Form und Datierung) und Restaurierung der Funde. Gereinigt und mit Fundzetteln versehen finden die Funde einer Ausgrabung dann den Weg in die Magazine der Museen, wo sie auf eine Publikation warten. Nur wenige besondere Funde werden auch ausgestellt.

Auch für Kinder gibt es viel zum Anfassen und Ausprobieren und ein „Forscherbuch“ enthält Aufgaben zur Vertiefung der Ausstellung.

Diese etwas andere Ausstellung ermöglicht einen guten Einblick in die Arbeit eines Archäologen und geht auch darauf ein, warum es wichtig ist, die Spuren unserer Vergangenheit zu erforschen und zu bewahren.

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