Monat: April 2016

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 2)

Die dreitägigen Lenaia im Januar/Februar waren dem Dionysos Lenaios gewidmet. Der Beiname könnte sich auf die Weinkelter beziehen (griech. „lenos“) oder auf die Mänaden, die Begleiterinnen des Dionysos, die auch „lenai“ genannt wurden.

Darstellungen der Lenaia auf griechischen Vasen zeigen sowohl Szenen mit Mänaden als auch das Mischen von Wein. Welche Riten genau zu Ehren des Gottes ausgeführt wurden, ist nicht bekannt. Die Darstellungen zeigen aber zum Beispiel Frauen, die Flöte spielend ekstatisch um eine mit einer Maske geschmückte Säule herumtanzen.

Ursprünglich fand dieses Fest in Athen im Lenaion statt, dessen genauer Ort nicht bekannt ist. Vermutlich verlegte man das Fest ab Mitte des 5. Jh. v. Chr. ins Dionysostheater am Südhang der Akropolis. Ab dieser Zeit wurden im Rahmen der Lenaia auch Theaterstücke aufgeführt: zunächst nur fünf Komödien, später kamen zwei Tragödien dazu. Man geht davon aus, dass das Publikum hier  vermutlich auf die lokale Bevölkerung beschränkt war.

Die ländlichen oder kleinen Dionysien im Dezember / Januar waren ein Fruchtbarkeitsfest, das möglicherweise erst im Lauf der Zeit dem Dionysos gewidmet worden war. Im Zentrum des Festes stand eine Prozession von Phalloi. Nach dieser Prozession gab es Wettbewerbe für Tanz und Gesang sowie für Dithyramben (Chorlieder). An einigen Orten gab es auch hier wieder Theateraufführungen. Dabei handelte es sich möglicherweise um Stücke, die im Jahr davor bei den städtischen Dionysien uraufgeführt worden waren.

(Fortsetzung folgt …)

Die athenischen Feste zu Ehren des Dionysos (Teil 1)

Die Stadt Athen widmete dem Gott des Weines und des Theaters 4 Feste – die Anthesteria, die städtischen Dionysien, die ländlichen Dionysien und die Lenaia.

Die Anthesteria fanden im Februar/März statt und dauerten drei Tage – vom 11. bis 13. Tag des Monats Anthesterion.

1. Tag (Pithiogien):

Dieser erste Tag war ganz dem Dionysos und dem neuen Wein gewidmet. Nur der Dionysostempel war geöffnet und dort spendete man dem Gott etwas dem Wein, um ihm für die Ernte zu danken und den Wein gleichzeitig durch den Gott segnen und reinigen zu lassen. An diesem Tag waren sogar Sklaven zu den Tänzen und Gesängen zu Ehren des Dionysos zugelassen.

2. Tag (Choen):

Der zweite Festtag wurde als Kannenfest oder Trinkfest bezeichnet, was bereits auf einen der wesentlichen Züge des Tages hinweist. Zum einen gab es ein Trinkfest der offiziellen Vertreter der Stadt, zum anderen traf man sich aber auch privat und feierte zusammen mit dem Hausgesinde und den Lohnarbeitern. Dabei trank ausnahmsweise jeder aus einem eigenen Krug. Sowohl bei den offiziellen Feiern als auch bei den privaten gab es Trinkwettbewerbe.

An diesem Tag schenkte man den Kindern kleine Krüge. Die Darstellungen auf diesen Choenkännchen zeigten daher oft auch Szenen spielender Kindern. Kinder und Erwachsene trugen Blütenkränze. Am Abend wurden die Kränze um die Krüge gelegt und im Dionysosheiligtum gespendet.

Zu den Feiern an diesem Tag der Anthesteria gehörte auch ein Schiffskarrenumzug vom Hafen durch die Stadt zum Dionysosheiligtum. Man vermutet, dass dieser Umzug die Reise des Gottes nach Athen und seinen Einzug in die Stadt zu seiner Hochzeit mit der Basilinna, die Frau des Archon Basileus (der oberste Priester Athens) und Dionysos-Priesterin, symbolisiert. Schauspieler auf dem Wagen dabei verkörperten Dionysos und sein Gefolge

Vor ihrer „heiligen Hochzeit“ – Hieros Gamos – mit Dionysos legte sie im Dionysostempel einen Eid über ihre persönliche Keuschheit ab. Nach verschiedenen Reinigungsritualen führte eine Prozession der Basilinna und einer hölzernen Stele, die Dionysos symbolisierte, zum Amtslokal des Archon Basileus. Im Innern dieses soganannten Bukolions vollzog die Priesterin dann die Brautnacht, die sogenannte Hioros. Möglicherweise übernahm dabei ihr Mann die Rolle des Dionysos. Die Bevölkerung feierte die ganze Nacht hindurch auf den Straßen und am Morgen trug man die Holzstele wieder in den Dionysostempel zurück.

Gleichzeitig begann am Abend der Übergang vom fröhlichen Treiben der ersten beiden Tage zum letzten Tag des Festes, der den Toten gewidmet war, deren Geister während dieses Festes in die Stadt kamen.

3. Tag (Chytren):

Am dritten Tag versuchte man durch verschiedene Abwehrmaßnahmen sich vor den Geistern der Toten zu schützen, die im Glauben der Athener in der Nacht ins Reich der Lebenden zurückgekehrt waren. Gleichzeitig ehrte man die Verstorbenen durch Tänze und musische Vorführungen sowie sportliche Wettkämpfe. Ein weiterer Brauch am diesem Festtag war das Schaukeln – vor allem von Kindern und Jugendlichen – zur Reinigung von Unheil. Das Ende der Anthesteria markierte die Vertreibung der Geister mit Hilfe von verschiedenen Sprüchen.

 
(Fortsetzung folgt …)

 

 

Dionysos – der Gott des Weines und des Theaters

Dionysos zählte nicht zu den zwölf altehrwürdigen olympischen Göttern. Er stand in der Tradition der Vegetationsgötter und war bereits zur Zeit Homers in Griechenland heimisch. Homer erwähnt, ihn allerdings nur selten, was vielleicht damit zusammenhängt, dass er der dort beschriebenen aristokratischen Gesellschaft fernstand. Um seine Herkunft ranken sich unterschiedliche Legenden.

Literatur (s. a. Wikipedia):

  • Ulrich van Loyen, Gerhard Regn: Dionysos. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 5). Metzler, Stuttgart/Weimar 2008, S. 230–246.
  • Renate Schlesier, Agnes Schwarzmaier (Hrsg.): Dionysos. Verwandlung und Ekstase. Schnell + Steiner, Regensburg 2008 (zur Ausstellung Dionysos – Verwandlung und Ekstase in der Antikensammlung des Pergamonmuseums, 5. November 2008–21. Juni 2009).
  • Walter Burkert: Ancient Mystery Cults. Harvard University Press, Cambridge 1987 (deutsche Ausgabe: Antike Mysterien: Funktionen und Gehalt. 4. Auflage, Beck, München 2003

 

Der Kult des Dionysos kam im 8. Jh. v. Chr. auf. Er war geprägt von Ekstase und einem orgiastischen Charakter. Darstellungen zeigen Dionysos meist bekleidet mit Panther- oder Tigerfell und er hält einen Thyrsos und einen Kantharos für Wein. Dabei kann der Gott jugendlich oder als reifer Mann mit Bart dargestellt sein. Er wird normalerweise von Satyrn und Mänaden begleitet.

Im 6. Jh. v. Chr. erhielt der Dionysoskult einen festen Platz im athenischen Festkalender. Die ursprünglichen Ausschweifungen wurden dabei reduziert und der Kult verlor seine Wildheit. Man feierte 4 Feste zu Ehren des Dionysos – die Anthesteria, die städtischen Dionysien, die ländlichen Dionysien und die Lenaia– und bald übertraf er die anderen Gottheiten an Beliebtheit.

Auf die einzelnen Feste werde ich in den nächsten Beträgen eingehen.

 

(Fortsetzung folgt …)

 

 

Die Gemma Augustea (Teil 2)

In der unteren Bildzone der Gemma Augustea sind unterworfene Barbaren – Männer und Frauen – dargestellt. Die Männer sind bärtig und tragen Hosen sowie den typischen Halsring der Kelten (Torques), der aber auch bei anderen Völkern verbreitet war. Römische Soldaten richten ein Tropaion auf. Dieses Siegeszeichen bestand aus einem hölzernen Gestell, an dem Helm, Schild, Schwert oder Lanze sowie die Rüstung und / oder Kleidung der Unterlegenen aufgehängt wurden. Das ganze Gestell hatte ein menschenähnliches Aussehen. Es bezeichnete ursprünglich im Krieg die Stelle, an der die Feinde die Flucht ergriffen hatten. Später diente ein solches Tropaion in der Kunst als allgemeines Symbol für den Sieg.

De Darstellung auf der Gemma Augustea bezieht sich vermutlich auf den Sieg des Tiberius gegen die Pannonier. Allerdings handelt es sich beim aufgehängten Schild nicht um einen Schild der dargestellten Barbaren, sondern um eine Pelta, den Schild der mythischen Amazonen. Damit wird die ganze Szene auf eine mythische, allegorische Ebene gehoben und weist ganz allgemein auf die Sieghaftigkeit des Tiberius und der Römer allgemein.

Die Hinweise auf seinen Sieg gegen die Pannonier durch Viktoria und die Szene in der unteren Bildzone, weist darauf hin, dass Tiberius die Hauptfigur der Gemma Augustea ist. So wird auf der Pelta auch sein Geburtszeichen „Skorpion“ dargestellt. Tiberius wird als legitimer Nachfolger des Augustus vorgestellt – auch er hält wie Augustus ein Szepter – und die Biga (= Zweigespann) weist darauf in, dass Tiberius seinen Triumphzug angesichts der Niederlage des Varus 9 n. Chr. verschob.

Es geht aber auch um die Überhöhung seines Vorgängers und Adoptivvaters Augustus, dessen Geburtszeichen Capricornus (=Steinbock) über zwischen Roma und Augustus dargestellt ist. Er teilt sich den Thron mit Roma und seine Darstellung ist an Jupiter angelehnt. Auch der Adler unter dem Thron weist auf Jupiter.

Die Gemma Augustea wurde vermutlich kurz nach der Rückkehr des Tiberius aus Pannonien in Auftrag gegeben. Wer sie herstellte und für wen sie bestimmt war, ist bisher jedoch nicht eindeutig geklärt.

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