Monat: März 2014

Urlaubstipp: Museo Arqueológico del Puerto de La Cruz (Teneriffa) – Die Keramik der Guanchen

CIMG1225Museo Arqueológico del Puerto de La Cruz

C/ El Lomo, 9A
38400 Puerto de la Cruz
www.arqueopc.com

Die Dauerausstellung des kleinen Archäologischen Museums in Puerto de la Cruz zeigt die Keramik der Guanchen, der kanarischen Ureinwohner. Die Texte an den Wänden sind leider nur in Spanisch, aber für deutschsprachige Besucher liegt ein Faltblatt als Ausstellungsführer aus.

Die kanarischen Ureinwohner haben uns leider keine Schriftquellen hinterlassen. Für die Rekonstruktion ihrer Lebensweise stehen uns daher neben den Beschreibungen der Eroberer nur die archäologischen Funde zur Verfügung. Wie so oft in der archäologischen Forschung ist dabei die Keramik aufgrund ihrer Haltbarkeit unter den verschiedensten Umgebungsbedingungen eine der wichtigsten Quellen. In sechs kleinen Sälen werden die verschiedenen Formen der Keramik der Guanchen, ihre Herstellung und ihre Nutzung präsentiert.

Die kanarischen Ureinwohner nutzten Höhlen als Wohnstätten und in Saal 1 ist eine solche Wohnstätte mit Feuerstelle und einigen Gefäßen nachgebildet. Saal 2 informiert über das Rohmaterial Lehm bzw. Tonerde. Mit Hilfe der heutigen traditionellen Töpferei auf Teneriffa werden die einzelnen Schritte von der Gewinnung und Vorbereitung des Rohmaterials zu einer homogenen formbaren Masse über die Formung der Gefäße per Hand (die Töpferscheibe war nicht bekannt) bis zum Brand gezeigt.

Ohne Töpferscheibe gibt es zwei Möglichkeiten Tongefäße herzustellen. Zum einen kann ein Tonklumpen ausgehöhlt und die Ränder hochzogen werden bis eine dünne Wand entsteht. Eine andere Möglichkeit besteht darin, schlangenförmige Wülste zu Wänden aufzubauen und dann solange zu glätten bis ebenfalls die gewünschte Form mit einer dünnen Wand entsteht. Danach wurde das Gefäß zunächst an der Luft getrocknet und zum Schluss gebrannt. Dieser Brand erfolgte vermutlich im offenen Feuer.

In den nächsten Sälen werden die verschiedenen Gefäßformen und ihre mögliche Verwendung gezeigt: Es gab Gefäße zum Kochen, zum Schöpfen und zur Aufbewahrung. Außerdem wurden aus Ton auch Schmuckstücke und in seltenen Fällen figürliche Darstellungen hergestellt. Auch den Toten gab man Gefäße für ihr Leben im Jenseits mit. Die Nachbildung einer Bestattungshöhle kann man in Saal 6 durch ein Guckloch sehen.

Mit dieser kleinen Daueraustellung präsentiert das Archäologische Museum in Puerto de la Cruz einen interessanten Ausschnitt aus dem Leben der Guanchen. Die Ausstellung zeigt außerdem, wie Archäologen versuchen müssen, aus Fundstücken ihre Herstellung und Bedeutung zu rekonstruieren und es dabei doch oft auch bei Vermutungen bleiben muss.

 

Öffnungszeiten
Von Dienstag bis Samstag:
10.00 bis 13.00 Uhr und 17:00 bis 21:00 Uhr
Sonntag
10.00 bis 13.00 Uhr

Sonntags Eintritt frei, sonst 2 €

Römische Wandmalerei (Teil 4): 4. römisch-pompejanischer Stil (50 bis 79 n. Chr.)

Der vierte Stil greift auf die vorangegangenen Stile zurück und vereint sie zu einem phantasievollen Neuen. Die Sockelzone imitiert wie der erste Stil Marmorblöcke, aus dem zweiten Stil werden Wanddurchbrüche mit Blick auf virtuose Architekturen übernommen und auch die Säulen werden wieder perspektivisch dargestellt. Bei der im Hintergrund zu sehenden Architektur handelt sich jedoch nicht mehr um logische und real vorkommende Architekturformen. Stattdessen werden Architekturfragmente ineinander und übereinander gestapelt, wie sie in der Wirklichkeit nicht vorkommen können. Aus dem dritten Stil stammen die „gerahmten Wandbilder“, die frei im Raum schwebenden Figuren und die zierlichen Ranken.

Möglicherweise verbandt der Maler Fabullus, der die Domus Aurea, den neuen Palast Neros ausmalte, die bisherigen Stile zu diesem neuen Stil. Dieser Stil verbreitete sich dann recht schnell und wir finden noch einige Beispiele in Pompeji und Herkulaneum, bevor der Vesuvausbruch die beiden Städte auslöschte.

Beispiele:
Haus der Vettier, Pompeji
Domus Aurea, Rom
Casa della Caccia Antica, Pompeji
Gegenüberstellung der 4 Stile

Doch wie entwickelte sich die römische Wandmalerei weiter? Die große Zeit der innovativen Künstler scheint vorbei gewesen zu sein. Zunächst hielt sich der vierte Stil natürlich noch in den anderen Regionen und es gab auch immer wieder Rückgriffe auf die vorangegangenen Dekorationsformen. Daneben ging der Trend zu einfacherer Wandmalerei, unter anderem mit geometrischen Motive oder einfarbig. Später gab es auch tapetenähnliche Dekorationen aus kleinen Mustern.

Mit den römischen Soldaten kamen römischer Wohngeschmack und damit auch römische Künstler in die Provinzen des Imperiums. So gehören die ältesten Beispiele in den recht gut aufgearbeiteten Nordwestprovinzen dem 3. Stil an. Im Lauf der Zeit entwickelten sich jedoch aus diesen Vorbildern eigene Traditionen in den verschiedenen Regionen des Reichs.

RömischeWandmalerei (Teil 3): 3. römisch-pompejanischer Stil (circa 15 v. Chr. bis 50 n. Chr.)

Nachdem zum Ende des 2. römisch-pompejanischen Stils die zuvor illusionistisch aufgelockerte Wanddekoration zunehmend flacher geworden ist, wurden die bisherigen „Fenster“ mit Ausblick auf eine dahinter liegende Landschaft oder Architektur jetzt mit Rahmen umgeben und somit als an der Wand hängende Bilder gekennzeichnet.

Die Wand ist wieder geschlossener und wird in der Regel in große Felder aufgeteilt. Die Unterteilung erfolgt nicht mehr durch realistisch wirkende Säulen, sondern durch dünne Linien, die nur noch in einigen Details an Säulen erinnern. Auch fragile Kandelaber werden jetzt gemalt, die wie die Säulen jeder Statik trotzen und mit allerlei Figuren, Tieren und Gegenständen belebt sind. Wenn die Oberzone scheinbar einen Blick in ein „Dahinter“ freigibt, sind auch hier keine echte Architektur mehr, sondern eher Andeutungen in dünnen Linien. Neben gerahmten „Wandbildern“ sind frei Raum schwebende Figuren und Stilleben charakteristisch für den 3. Stil. Rottöne bestimmen dabei das Gesamtbild.

Gegen Ende des 3. Stils wird die Wand wieder stärker mit Durchblicken auf Architektur aufgelockert. Die Malerei lässt die Wände vor- und zurückspringen und in der oberen Zone werden wieder Architekturfragmente sichtbar. Diese Entwicklung leitet dann zum 4. Stil über.

Beispiele:
– Casa dei Ceii, Pompeji (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Casa_dei_cei2_retouched.jpg; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Casa_dei_cei_retouched.jpg)
– Villa in Boscotrecase (http://de.academic.ru/pictures/dewiki/70/Fresco-Boscotrecase.jpg)
Haus des Lucrezio Fronto (http://ksbuelach.ch/fach/as/material/kg_pompeji/pict/pic03c.htm)

(Fortsetzung folgt …)

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén