Monat: März 2019

Augusta Emerita, Spanien (Teil 5)

Im nächsten Obergeschoss beginnt der Rundgang mit inschriftlichen Zeugnissen aus Merida. Sie geben einen Einblick in die Verwaltung der Stadt und nennen unter anderem eine Reihe von Stadtämtern. Ebenfalls in Raum I befindet sich ein Mosaik aus der römischen Villa „Las Tiendas“, das eine Wildschweinjagd zeigt.

Thema von Raum II ist das Umland Meridas und seine landwirtschaftliche Nutzung in römischer Zeit. Veranschaulicht wird dies durch Funde aus luxuriösen Landvillen, z. B. durch ein weiteres Mosaik. Dieses zeigt eine Nereide, die auf einem Seelöwen reitet.

Raum III widmet sich weiteren inschriftlichen Zeugnissen, die diesmal Zu- und Abwanderungen von Bewohner zeigen. So finden wir in Augusta Emerita Händler und Soldaten aus dem ganzen römischen Reich. Anderseits zog es Händler aus Merida bis nach Köln, Rom oder Großbritannien. Raum IV beschäftigt sich mit den Berufen. Neben Inschriften und Reliefdarstellungen auf Grabmälern dienen Funde von Werkzeugen usw. zu Illustration der vielfältigen Berufe, die in Merida ausgeübt wurden.

Die nächsten zwei Räume widmen sich den Porträts von Privatleuten. Danach geht es in Raum VII um Musik, bildende Kunst und Philosophie. So zeigt ein riesiges Mosaik die sieben griechischen Weisen, die die Episode „Der Zorn des Achill“ aus dem trojanischen Krieg diskutieren.

In Saal VIII endet die Dauerausstellung mit dem christlichen Merida. Raum IX zeigt Sonderausstellungen aus den Beständen des Museums und der letzte Raum präsentiert noch einmal zwei Höhepunkte der Sammlung: das sogenannte „Mosaik der Wagenlenker“ und eine Kopie des Missoriums des Theodosius. Das zentrale Bild des Mosaiks mit einer Szene aus dem Kult des Dionysos wird von zwei Bildern mit Viergespannen gerahmt. Die dargestellten Wagenlenker sind Paulus und Marcianus, zwei äußerst erfolgreiche Wagenlenker.

Das sogenannte Theodosiuas-Missorium wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Alemdralejo, einer Stadt 29 km entfernt von Merida gefunden. Es handelt sich um eine Silberplatte aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Das Original beindet sich im Gabinete de Antigüedades der Real Academia de la Historia in Madrid. Das Theodosius-Missorium ist in zwei Zonen unterteilt. In der Mitte der oberen Zone thront im Mittelpunkt der Platte Theodosius I., römischer Kaiser von 379 bis 395. Er sitzt auf einem Sessel und reicht einer vor ihm stehenden Person mit der rechten Hand einen Gegenstand. Theodosius und die links und rechts von ihm sitzenden Personen sind von einem Nimbus umgeben. Rechts von Theodosius I. sitzt Valentinian II., einer seiner beiden Mit-Regenten. Links von Theodosius ist der zweite Mitregent, sein ältester Sohn Arcadius.

In der sogenannten Krypta des Museums sieht man die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen, die im Rahmen des Museumsbaus durchgeführt wurden.

Literatur

  • Walter Trillmich und Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Hispania Antiqua – Denkmäler der Römerzeit. Philipp von Zabern, Mainz 1993
  • Sabine Panzram: Stadtbild und Elite. Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Historia : Einzelschriften 161, Steiner, Stuttgart 2002
  • Xavier Dupré Raventós (Hrsg.): Las capitales provinciales de Hispania. 2. Mérida. Colonia augusta Emerita. „L’Erma“ di Bretschneider, Rom 2004

Augusta Emerita, Spanien (Teil 4)

Um den zahlreichen Funden, die bei Ausgrabungen in Mérida zutage kamen, einen würdigen Rahmen geben zu können, wurde das Museo Nacional de Arte Romano errichtet.

Die Dauerausstellung im 1986 eingeweihten Museumsau erstreckt sich über drei Ebenen, die sich zum einen um einen hohen Saal gruppieren, in dem besonders große Fundstücke ausgestellt sind. Zum anderen umgeben die Ebenen kleinere Höfe, in denen Mosaiken an den Wänden angebracht sind.

Die ersten drei Räume im Erdgeschoss widmen sich den öffentlichen Schauspielen, die in Merida mit Theater, Amphitheater und Circus besonders stark vertreten sind. Statuen aus der Bühnenfassade sind auf der linken Seite des hohen Saals ausgestellt. Im Zentrum steht dabei wie an der Fassade selbst die Statue der Göttin Ceres. Sie ist umgeben von weiteren Götterstatuen sowie Stuatuen von Kaisern.

Im Raum I kann man sich anhand eines Modells der Stadt einen Überblick über das Aussehen Meridas in römischer Zeit verschaffen. Der nächste Raum zeigt unter anderem Portraits des Stadtgründers Kaiser Augustus und seines Nachfolgers Tiberius. Raum III zeigt Reste der Dekoration des Theaters.

Die Räume IV und V widmen sich den Religionen in römischer Zeit. Im ersten Raum geht es um den Mithraskult und andere Religionen, die aus dem Osten nach Rom gekommen waren, während sich im zweiten Raum alles um die offiziellen Kulte dreht.

Raum VI führt uns in die Welt der Gräber und präsentiert Grabmäler, Grabinschriften, Grabaltäre und Sarkophage. Raum VII widmet sich dagegen der Welter der Lebenden und stellt uns römische Häuser vor. Beispielsweise wurde ein mit Mosaikfußböden und Wandgemälden dekorierter Raum nachgebaut. Die übrigen drei Räume des Erdgeschosses zeigt Funde aus den Foren der Augusta Emerita.

Steigt man in Treppen hinauf, beginnt der Rundgang im ersten Obergeschoss in Raum X. Die nächsten drei Räume widmen sich der römischen Keramik, z. B. der Terra Sigillata. Die Räume geben einen Überblick über Gebrauchskeramik, Luxusgeschirr und Öllampen.

Raum VI setzt das Thema Bestattungswesen aus dem Raum darunter fort – diesmal geht es um kollektive Bestattungen in sogenannten Columbarien. Der nächste Raum zeigt Beispiele für Werkzeige usw. aus Knochen und Elfenbein. Hervorzuheben ist dabei eine Tafel eines Konsular-Diptychons. Hierbei handelt es sich um zwei mit Reliefs verzierte Schreibtafeln, die mit Scharnieren verbunden sind und zusammengeklappt werden konnten. Innen war die eigentliche Schreibfläche. In der Spätantike gaben römische Würdenträger mit diesen Diptychen ihren Amtsantritt im Reich bekannt. Raum IV widmet sich römischem Glas, sowohl aus Produktion in Merida selbst als auch importierte Ware.

Zwei Räume sind für die bedeutende numismatische Sammlung des Museums reserviert. Die ausgestellten Münzen illustrieren die römische Geschichte vom Ende der Republik bis in die Spätantike. En Abschluss bilden zwei Vitrinen mit Schmuck.

 

(Fortsetzung folgt …)

Augusta Emerita, Spanien (Teil 3)

Aufgrund der Fülle der römischen Reste in Mérida sollen im Folgenden nur noch einige Ruinen im Überblick vorgestellt werden.

Gleich neben dem Theater liegt das Amphitheater, in dem Gladiatorenkämpfe usw. stattfanden. Diese Art Schauspiel war bei den römischen Massen viel beliebter als Theaterstücke und so fanden in dem 8 v. Chr. eingeweihten elliptischen Bau 15.000 Zuschauer Platz. Auch hier war der Zuschauerraum in die Ebenen unterteilt, wobei nur der untere Bereich erhalten blieb.

Ein weiterer Publikumsmagnet römischer Zeit war Pferderennbahn (Circus), deren Reste am Stadtrand von Mérida liegen. Die Anlage war etwa 400 x 100 Meter groß und bot 30.000 Zuschauern Platz. Der Circus wurde vermutlich unter Kaiser Tiberius im 1. Jh. n. Chr. gebaut.

Neben dem Amphitheater kann man die Reste eines größeren Gebäudekomplexes besichtigen. Das Gebäude wurde um einen von Säulenhallen umgebenen Hof herum errichtet und wurde vom 1. bis zum 3. Jh. n. Chr. genutzt. Dabei wurde es immer wieder umgebaut. Bis heute haben sich zahlreiche Mosaiken und Reste der Wandbemalung erhalten. Man kann die Reste eines Bades und einer Küche sehen. Ob es sich bei diesem Komplex um ein Haus handelt oder um mehrere ist nicht klar. Hier können nur weitere Ausgrabungen Klarheit schaffen.

Etwas abseits gelegen sieht man neben dem Gebäudekomplex einen Teil des San Lazaro Aquaedukts und zwei Wassertürme.

Ein weiteres großes Wohnhaus, das sogenannte Mithräum-Haus (nach einem in der Nähe gefundenen Kultraum des Mithraskults), ist um mehrere Höfe herum errichtet worden. Auch hier kann man die Reste des Bades sehen sowie Mosaiken und Reste von Wandmalereien.

Außerhalb der Stadt sieht man die beeindruckenden Reste mehrerer Aquädukte, die die Wasserversorgung der Stadt sicherstellten: das Aquädukt Los Milagros und das Aquädukt Rabo de Buey (bzw. San Lázaro).

Viele Funde aus den Ausgrabungen sind im Museo Nacional de Arte Romano untergebracht, dem sich das letzte Kapitel dieser Reihe widmen wird.

 

(Fortsetzung folgt …)

Augusta Emerita, Spanien (Teil 2)

Das beeindruckendste römische Bau in Mérida ist das Theater. Eine Inschrift belegt, dass Marcus Agrippa, Freund und Schwiegersohn von Kaiser Augustus, das Theater errichten ließ. Die Einweihung erfolgte ca. 15 v. Chr. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde das Theater – vor allem das Bühnengebäude – mehrfach verändert, z. B. unter Kaiser Hadrian, wie eine erhaltene Inschrift überliefert.

Das Theater bot 6000 Zuschauern Platz. Das Halbrund der Sitzplätze (Cavea) ist vertikal in sechs Abschnitte unterteilt und horizontal in drei Bereiche. Die unteren Teile sind jeweils noch heute recht gut erhalten oder restauriert während die oberen Reihen schlecht erhalten sind. Vor der Cavea lag die halbkreisförmige Orchestra, wo sich der Chor befand.

Den Abschluss bildete die Bühne für die Schauspieler und die dahinter liegende Fassade, die als Kulisse diente. Die Bühne war ursprünglich mit Holz bedeckt und verschiedene Löcher im Unterbau lassen auf Pfosten für Vorhänge und andere für Aufführungen notwendige Elemente schließen. Die Bühnenfassade ist mit korinthischen Marmorsäulen in verschiedene Abschnitte gegliedert. Zwischen den Säulen waren Statuen von Göttern und vermutlich auch Kaisern aufgestellt. Die Fassade bot den Schauspielern drei Zugänge, über die sie die Bühne betreten konnten.

Hinter dem Bühnengebäude befindet sich ein Garten, der von Säulenhallen umgeben ist. Genau gegenüber der Bühne befindet sich ein kleiner Raum, der den Funden nach zu urteilen dem Kaiserkult galt.

In nachrömischer Zeit verfiel das Theater allmählich, füllte sich zu einem großen Teil mit Erde und diente teilweise als Steinbruch. Anfang des 20. Jahrhunderts begann man mit Ausgrabungen und seit 1933 wird das Theater beim jährlich stattfindenden Sommerfestival wieder für Aufführungen klassischer Stücke genutzt.

(Fortsetzung folgt …)

Augusta Emerita, Spanien (Teil 1)

Mérida, die Hauptstadt der Extremadura wurde 25 v. Chr. unter dem römischen Kaiser Augustus gegründet und für jeden, der sich für Römer interessiert, eine Reise wert. Colonia Iulia Augusta Emerita war die Hauptstadt der römischen Provinz Lusitania. Am Übergang der wichtigen Nord-Süd-Verbindung Via de la Plata über den Fluss Guadiana gelegen war die Stadt ein wichtiges wirtschaftliches, militärisches und kulturelles Zentrum.

Überall in der Stadt trifft man auf Spuren der Römer. Die wichtigsten Reste sind in einem archäologischen Park zusammengefasst und die Funde werden in einem eigenen Museum präsentiert.

Zwei Brücken haben sich erhalten: die Puente Romano über den Fluss Guadina und eine weitere Brücke über den Albarregas. Die Brücke über den Guadina befindet sich an einer Stelle des Flusses, an der es eine kleine Flussinsel gibt. Die ursprüngliche Brücke überspannte den Fluss in zwei mit einer Holzträgerkonstruktion verbundenen Bogengruppen. Als diese Brücke Anfang des 17. Jahrhunderts bei einem Hochwasser zerstört wurde, wurden die übrigen Teile mit weiteren Bögen verbunden und misst heute 792 Meter.

Die Brücke über den Albarregas ist mit 145 m Länge dagegen wesentlich kürzer. Sie ist Teil der Hauptstraße Méridas und entstand wohl ungefähr zur gleichen Zeit wie die Brücke über den Guadiana.

Wie jede römische Stadt bildete das Forum das wirtschaftliche und religiöse Zentrum der Stadt. Die Lage des Forums von Augusta Emerita ist zwar bekannt, aber das Forum wurde nicht systematisch ausgegraben. Teil des Forums war unter anderem ein Tempel, der als Dianatempel bekannt ist (siehe Bild oben). Der Tempel diente jedoch stattdessen dem Kaiserkult. Er wurde um die Zeitenwende errichtet. Der Tempel stand auf einem Podium und war auf allen Seiten von Säulen umgeben. An der zum Forum ausgerichteten Vorderseite befand sich eine Freitreppe. An beiden Seiten wurde der Tempel von Wasserbecken flankiert. Da der Tempel in den Palast der Grafen de los Corbos integriert wurde, ist er auch heute noch recht gut erhalten.

(Fortsetzung folgt …)

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