Monat: Februar 2018

Der sogenannte „Alexander-Sarkophag“ von Sidon

1887 fand man in der Königsnekropole von Sidon (Libanon) einen auf allen Seiten reliefierten Marmorsarkophag. Heute befindet sich dieser Sarkophag im Archäologischen Museum von Istanbul.

Als Auftraggeber dieses Sarkophags gilt Abdalonymos, der nach der Schlacht von Issos von Alexander bzw. in dessen Auftrag von Alexanders Vertrautem als König von Sidon eingesetzt wurde.

Eine der Langseiten zeigt eine Schlacht zwischen Makedonen und Persern, vermutlich die Schlacht von Issos. Der Reiter auf der linken Seite trägt einen Löwenhelm und wird in der Regel als Alexander gedeutet. Daher ist dieser Sarkophag auch als „Alexander-Sarkohag“ bekannt. Auf der rechten Seite befindet sich ein in unrealistischer Weise nackt dargestellter Krieger. Dieser wird als Hephaistion interpretiert.

Auf der zweiten Langseite wird Abdalonymos bei einer gemeinsamen Jagd von Makedonen und Persern von einem Löwen angefallen. Alexander kommt ihm zu Hilfe. Von der anderen Seite kommt wieder Hephaistion dazu.

Eine der Schmalseiten zeigt eine weitere Schlacht zwischen Griechen / Makedonen und Persern. In der Mitte ist jetzt Abdalonymos dargestellt. Daher geht man davon aus, dass diese Schlacht nach Alexanders Tod stattfand. Ab ca. 326 v. Chr. waren auch Orientalen ins Heer von Alexander integriert. Die andere Schmalseite zeigt eine Pantherjagd, bei der nur Abdalonymos und orientalische Begleiter dargestellt sind.

Aber auch die Giebel des Sarkophagdeckels sind mit Reliefs geschmückt. Über der Pantherjagd ist eine weitere Schlacht zwischen Griechen und Persern mit Abdalonymos im Zentrum dargestellt. Die andere Seite zeigt die Ermordung des Perdikkas, einem General Alexanders und nach dessen Tod Regent über das von Alexander geschaffene Reich. 320 v. Chr. wurde er allerdings von drei seiner Offiziere ermordet.

Der Sarkophag ist sehr gut erhalten und zeigt noch heute viele Farbspuren, obwohl sie seit der Auffindung des Sarkophags zunehmend verblasst sind. Das Grab war bereits im Altertum ausgeraubt worden. Dabei hatten die Räuber auch den Sarkophag an einigen Stellen beschädigt. Die Waffen der Reliefs waren offenbar aus Silber. Eine kleine silberne Axt wurde in der Grabkammer gefunden, lässt sich aber nicht mehr der richtigen Stelle zuordnen.

Literatur:

  • Franz Winter: Der Alexandersarkophag aus Sidon. Straßburg 1912.
  • Karl Schefold, Max Seidel: Der Alexander-Sarkophag. Berlin 1968.
  • Volkmar von Graeve: Der Alexandersarkophag und seine Werkstatt. Berlin 1970.

Das Pantheon in Rom (Teil 2)

Der Außenbau des Pantheons ist dreigeschossig gegliedert, innen ist der Kuppelbau nur zweigeschossig. Der ganze Bau ist auf den Innenraum hin konzipiert. Der Fußboden ist mit Marmorplatten ausgelegt, deren Muster die Kassetten der Kuppel nachahmen. Der Fußboden ist leicht nach außen abfallend und es gibt Kanäle für das Regenwasser.

An der Wand finden wir abwechselnd rechteckige und halbrunde Nischen, in deren Öffnung je zwei Säulen standen. Jeder Wandabschnitt wird zudem von vorgelagerten, freistehenden Säulen eingerahmt. Diese bilden ein umlaufendes System, auf dem das Obergeschoss aufliegt. Die Säulen dort haben dagegen keine tragende Funktion mehr. Hier handelt es sich nur um eine Scheinarchitektur. Die dem Eingang gegenüberliegende Nische reicht bis ins Obergeschoss.

In die Wände waren farbige Marmorplatten in die Wand eingelassen. Unten finden wir gelbe, grüne und rote Marmorplatten, oben gelbe und rote. Die Beleuchtung des Raumes erfolgte einzig durch die Öffnung in der Kuppel.

Die genaue Nutzung des Gebäudes ist nicht ganz klar. Der Name Pantheon weist darauf hin, dass hier mehrere Götter verehrt wurden. Welche allerdings genau, ist nicht überliefert. Nur Venus, Mars und Divus Iulius, der vergöttlichte Caesar, werden bei Cassius Dio genannt. Cassius Dio schreibt aber auch, dass Hadrian hier Gericht hielt. Im dritten Jahrhundert ist hier eine Bibliothek erwähnt.

608 n. Chr. schenkte der oströmische Kaiser Phokas das Gebäude Papst Bonifatius IV., der es zu einer Kirche umwandelte. In späteren Jahrhunderten wurde das Pantheon zur Grabeskirche von bedeutenden Künstlern wie dem Maler Raffael. Auch die ersten italienischen Könige Viktor Emanuel II. und Umberto I sowie Umbertos Ehefrau Margarethe von Italien fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Die Nutzung als Kirche ist wohl auch der Grund dafür, dass das Pantheon heute einer der am besten erhaltenen Bauten der römischen Antike ist. Zur modernen Forschung zum Pantheons siehe auch https://web.archive.org/web/20140505212308/http://www.digitalpantheon.ch/

 

Literaturauswahl:

  • C. Grau, Pantheon Projekt. Textem, Hamburg 2011
  • A. Grüner, Das Pantheon und seine Vorbilder. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts. Römische Abteilung. Band 111, 2004, S. 495–512.
  • G. Heene, Baustelle Pantheon. Planung, Konstruktion, Logistik. Bau + Technik, Düsseldorf 2004
  • W.-D. Heilmeyer, Apollodorus von Damaskus, der Architekt des Pantheon. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 90, 1975, S. 316–347
  • W.-D. Heilmeyer / E. Schraudolph / H. Wiewelhove, Der Ruhm des Pantheon. Antikensammlung Staatliche Museen zu Berlin, 1992
  • T. A. Marder /M. Wilson Jones, The Pantheon: From Antiquity to the Present. Cambridge University Press, New York 2015.
  • W. Martini: Das Pantheon Hadrians in Rom. Das Bauwerk und seine Deutung (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Band XLIV, Nr. 1). Steiner, Stuttgart 2006
  • E. La Rocca: Agrippa’s Pantheon and Its Origin. In: Tod A. Marder, Mark Wilson Jones (Hrsg.): The Pantheon. From Antiquity to the Present. Cambridge University Press 2015, S. 49–78 (Online).

Das Pantheon in Rom (Teil 1)

Im Jahre 25 v. Chr. ließ Agrippa, Freund und Schwiegersohn von Kaiser Augustus, einen Tempel auf dem Marsfeld errichten. Es handelte sich um einen quergestellten, ca. 44 x 20 m großen Bau. Ausgrabungen in den 1990er Jahren haben ergeben, dass hinter diesem Bau offenbar ein runder Hof mit 44 m Durchmesser lag.

Im Jahre 80 n. Chr. wurde dieser Tempel durch einen Brand zerstört und unter Domitian wieder restauriert. Aber schon 110 n. Chr. fiel er erneut einem Brand zum Opfer. Die Errichtung des heutigen Baus begann eventuell schon unter Trajan; vollendet wurde das Pantheon jedoch unter Hadrian.

Der Neubau wurde von dem innovativen Architekten Apollodoros geplant. Man betritt den Tempel durch eine dreischiffige Vorhalle, deren äußere Schiffe in Conchen enden. Von dort aus gelangt man in die überkuppelte Rotunde.

Die Kuppel besteht aus Opus Caementicium. Die Kuppel wurde nicht in einem Stück gegossen, sondern man legte einzelne Ringe horizontal übereinander. Die Höhe der Kuppel entspricht etwa ihrem Durchmesser, sodass dem Gebäude ein vollständiger Kreis eingeschrieben werden kann.

Zur Überwölbung war zwar eine Mauerstärke von 6 m notwendig, nicht aber die entsprechende Masse. Daher konnte der Zylinder mit Nischen „ausgehöhlt“ werden. Zusätzlich gab es Entlastungsbögen in der Außenwand und weitere Bögen über den Nischen im Innern.

(Fortsetzung folgt …)

Götter der Etrusker – Zwischen Himmel und Unterwelt (Sonderausstellung 14.10.2017 – 4.2.2018 im Archäologischen Museum Frankfurt) (Teil 2)

Typisch für die etruskische Kultur sind auch verschiedene Dämonen, die auf Urnen und Sarkophagen, in der Grabmalerei und auf anderen etruskischen Denkmälern dargestellt wurden. Dazu gehören vor allem Vanth, dargestellt als Frau mit Flügeln, einer Fackel und einer Schriftrolle. Charun entspricht dem griechischen Fährmann Charon. Er ist bärtig und trägt einen Hammer. Seine Haut ist bläulich wiedergegeben.

Wie so oft bei antiken Völkern, stammt vieles, was wir über Religion und Kultur der Etrusker wissen, aus Gräbern. Zum Totenkult gehörten offenbar komplexe Opferhandlungen und Rituale: die Aufbahrung des Leichnams und die Prozession zum Grab sowie verschiedene Rituale, Spiele und ein Bankett zu Ehren des Toten. Auch glaubte man an ein Leben im Jenseits. Es gab Brand- und Körperbestattung, wobei sich die Vorlieben für das eine oder das andere je nach Region oder auch sozialem Stand unterschieden.

Die Frankfurter Ausstellung bringt uns das etruskische Bestattungswesen mit Hilfe von Urnen, aber auch durch Abbildungen von Grabmalereien und natürlich durch originale Grabbeigaben (Vasen, Schmuck usw.) näher.

Die Ausstellung ist eine schöne Ergänzung zu den großen Überblicksausstellungen zur etruskischen Kultur. Leider gibt es keinen Katalog, anhand dessen man das Gesehene vertiefen könnte.

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