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Die römische Villa Suburbana von Stadtbergen bei Augsburg

Südwestlich von Augsburg, am Rand der Hochebene zum Tal der Wertach hin, wurde 1931 auf dem Gebiet der Gemeinde Stadtbergen eine römische Villa ausgegraben. Die damalige Grabungsdokumentation ging 1944 größtenteils ebenso verloren wie die Funde selbst. Erhalten hat sich allerdings ein Plan der Villa und zwischen 1971 und 1981 wurden weitere archäologische Untersuchungen durchgeführt. Fridolin Reutti geht von drei Bauphasen aus, von denen jedoch nur die dritte einigermaßen sicher rekonstruiert werden kann.

Es handelte sich um eine luxuriös ausgestattete Villa Suburbana, also eine Vorstadtvilla. Auf allen Seiten sind dem Gebäude Säulenhallen vorgelagert. Die Hauptseite, die seitlich durch zwei runde Ecktürme betont wird, öffnet sich nach Südosten. Von dort aus betrat man die Villa durch eine große Halle, die zum Mittelteil der Villa führt. Direkt hinter diesem Durchgang gibt es einen länglichen Raum, der als Verteiler zu den verschiedenen Gebäudeteilen diente. Von hier aus öffnen sich Räume sowohl im hinteren Bereich der Villa als auch Räume neben der Eingangshalle sowie Treppenhäuser, die zu einem zweiten Stock führten. Außerdem gelangt man von hier aus zu den beiden Seitentrakten, die in den bereits erwähnten Eckrisaliten enden. Auch diese seitlichen Gebäudeteile waren zweistöckig, da man hier ebenfalls Treppenhäuser nachweisen konnte.

Mosaiksteine, Marmorplatten oder auch der Rest einer Marmorsäule zeigen, wie reich diese Luxusvilla dekoriert war. Auch konnten im Rahmen der archäologischen Untersuchungen Nebengebäude nachgewiesen werden. Einige der Funde stammten aus dem 1. Jh. n. Chr. Das Aussehen der Villa zu diesem Zeitpunkt ist jedoch unklar. Sicher ist, dass die Villa mehrfach umgebaut wurde, bevor sie das heute bekannte Aussehen annahm. Münzfunde lassen vermuten, dass die letzte Besiedlung der Villa in die Zeit zwischen 275 n. Chr. und dem Ende des 4. Jh. n. Chr. fällt.

Literatur:

  • Fridolin Reutti: Eine römische Villa suburbana bei Stadtbergen, Landkreis Augsburg. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 39, 1974, S. 104–126
  • Wolfgang Czysz, Karlheinz Dietz, Hans-Jörg Kellner, Thomas Fischer: Die Römer in Bayern. Stuttgart 1995, S. 517–518

Villa Rustica (Burgweinting bei Regensburg)

Luftbild Google

 

Südöstlich von Regensburg wurden auf dem Gebiet des Ortes Burgweinting Reste mehrerer römischer Villae Rusticae nachgewiesen. Eine davon wurde 1911/12 und 1915/1916 in Teilen ausgegraben und in neuerer Zeit durch Luftbildarchäologie erforscht.

Dieser Gutshof wurde von einer, ein unregelmäßiges Viereck bildender etwa 70 cm starken Mauer umschlossen, deren Gesamtlänge 402 Meter betrug. Das Südtor weist eine 3 Meter breite Durchfahrt mit ein- und ausspringenden Mauerschenkeln auf. Diese Hauptfront orientiert sich an einem vorbeifließenden Bach. Lücken an den anderen Seiten der Mauer, bei denen teilweise auch Kiesschüttungen nachgewiesen werden konnten, lassen auf drei weitere Tore schließen.

Der Gutshof umfasste mehrere Gebäude, die sich teils an die Mauer anlehnten, teils aber auch freistehend waren. Unter anderem konnten 10 Steinbauten nachgewiesen werden, von denen drei mit beheizbaren Räumen ausgestattet waren.

Als Haupthaus wird ein etwa 12,5 x 11 m großes Gebäude in der Mitte des teilweise mit Bruchsteinen gepflasterten Hofes gedeutet. Im Südteil dieses Gebäudes gibt es zwei Räume mit Hypokaust-Anlagen. Ein Gang trennt diese Räume von mehreren Räumen im Nordtrakt, die teilweise unterkellert sind. Vom Mittelgang aus wurden auch die hypokaustierten Räume beheizt.

Im Westen war dem Gebäude über die ganze Breite eine Säulenhalle oder ein Korridor vorgelagert. An der Ostseite schlossen sich ein Hof und weitere Gebäude an, die bis zur Hofmauer reichten und als Wirtschaftsräume interpretiert werden.

In der Ostecke des Gutshofes wurde ein zweiter Gebäudekomplex ausgegraben. Auch hier handelte es sich wohl um ein Wohngebäude. Hier waren mehrere Zimmer um einen Innenhof herum gruppiert und durch hölzerne Zwischenwände getrennt. Einer der Räume war eine Küche mit einem gemauerten Herd. Zudem fand man in der Südostecke des Innenhofes einen weiteren Kellerraum.

Um diesen Gebäudekomplex herum scharten sich weitere Gebäude, vermutlich Wirtschaftsgebäude, teilweise mit Ziegelpflaster und Hypokaust-Anlage. Auch fand man zwei Gruben, in denen unter anderem Tafelgeschirr (Terra Sigillata) zutage trat. Die in der Villa gefundenen Scherben stammen aus der Zeit von der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts bis zum 4. Jahrhundert n. Chr.

Im Westteil des Gutshofes fand man Reste weiterer Wirtschaftsgebäude und außerhalb des Hofes entdeckte man noch eine Scheune sowie einen ursprünglich überdachten Brunnen.

Die Anlage dieser Villa ist heute durch Bepflanzung sichtbar gemacht und bei Google sehr gut auf dem Luftbild oben zu sehen.

 

Literaturauswahl:

  • K. Dietz u. a., Regensburg zur Römerzeit (1979) S. 261–264.
  • W. Irlinger / J. Faßbinder, Die römische Villa rustica von Burgweinting – Von der Entdeckung über die Prospektion zur Visualisierung, in: Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg, Band 4, 2000, S. 287 – 300

Villa von Alburg bei Straubing (Teil 2)

Die wenigen freigelegten Mauerreste des Westtraktes legen nahe, dass es im Anschluss an den zentralen Raum auch dort einen Gang mit Vorraum gab. Der Rest des westlichen Gebäudetraktes war aber offenbar anders aufgeteilt als der Ostteil und scheint weniger, aber dafür größere Räume aufzuweisen. Allerdings muss eine Rekonstruktion hypothetisch bleiben, da dieser Teil nicht ausgegraben wurde.

Wie bereits erwähnt, befand sich die Schauseite des Gebäudes mit Portikus und seitlichen Risaliten im Norden. Der dem Ostteil vorgelagerte Risalit bestand aus drei Räumen, von denen der ca. 7 x 6 m große nördliche und der eine südlich anschließende Raum hypokaustiert waren. Zwei außen an der Ostwand angebaute kleine Räume könnten der Beheizung oder der Lagerung des Brennmaterials gedient haben. Eventuell wurde auch der an den südlichen hypokaustierten Raum anschließende Raum als Heizraum genutzt. Dieser lag 80 cm niedriger und war über eine Treppe erreichbar.

Der westliche Risalit wurde nicht ausgegraben. Zwischen den Risaliten waren dem Gebäude zwei nur leicht fundamentierte Mauern vorgelagert. Hier gab es wohl eine Portikus. Das genaue Aussehen bleibt jedoch aufgrund des fragmentarischen Grabungsbefundes unklar. So ist unsicher, ob der hintere Teil geschlossen und der vordere offen war, oder ob der hintere Teil sich mit Holzsäulen auf eine davorliegende Terrasse öffnete.

Besonders bekannt wurde diese Villa, als man 1950 nur gut 100 Meter nordöstlich des Hauptgebäudes einen Kupferkessel fand, in dem sich mehrere bronzene Gesichtshelme, verzierte Pferdekopfschutzplatten, Statuetten und Eisengeräte befanden. Dies könnte darauf hinweisen, dass die Villa dem Kommandanten des römischen Lagers in Straubing gehörte. Vergraben wurde der Schatz vermutlich im Zusammenhang mit den Einfällen der Alamannen um 233 n. Chr.

Literatur:

  • Josef Keim, Hans Klumbach: Der römische Schatzfund von Straubing (= Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 3). 2., um eine Bibliografie erweiterte Auflage. Beck, München 1976.
  • Johannes Prammer: Das römische Straubing. Ausgrabungen, Schatzfund, Gäubodenmuseum (= Bayerische Museen. 11). Schnell & Steiner, München 1989
  • Johannes Prammer: Straubing, Ndb. Kastelle und Vicus. In: Wolfgang Czysz u. a.: Die Römer in Bayern. Lizenzausgabe der Auflage von 1995. Nikol, Hamburg 2005, S. 518–521.

Villa von Alburg bei Straubing (Teil 1)

In der Umgebung von Straubing, dem antiken Sorviodurum, wurden viele römische Villen bzw. Gutshöfe nachgewiesen. Meist erfolgte dieser Nachweis allerdings nur aufgrund von Häufungen von Oberflächenfunden, die bei Begehungen aufgelesen wurden. Eine der wenigen Grabungen fand dagegen bei der Villa am Alburger Hochweg statt.

Aufgrund der ausgegrabenen Teile und später angeschnittenen Mauern wird die Villa als Portikusvilla mit Eckrisaliten rekonstruiert. Es handelte sich wohl um einen ausgedehnten Gutsbetrieb, wie zahlreiche Keller und Gebäudespuren zeigen. Sogar eine eigene Ziegelproduktion gab es hier, von der man noch 7 Brennöfen fand.

Das Hauptgebäude war etwa 48 x 24 Meter groß. Man betrat das Gebäude wohl von Süden her, obwohl sich die Schauseite mit Portikus und Eckrisaliten an der Nordseite befand. In der Mitte der Südseite führt jedoch ein von zwei quadratischen Räumen flankierter Gang zu einem großen quergelagerten Raum (ca. 10 x 7,5 Meter), der das Zentrum des Gebäudes bildete. Ungewöhnlich ist eine Vertiefung von 2,70 Metern in diesem Raum. Der Ausgräber interpretiert diese Vertiefung als Impluvium, also das Sammelbecken für Regen in einem Atrium. Ein solches Impluvium ist jedoch normalerweise nicht so tief.

Nach Osten schloss sich zunächst ein länglicher Raum oder Gang an, von dem ein kleiner Raum mit Zugang zur nördlich gelegenen Portikus abgetrennt war. Der anschließende Gebäudeteil bestand aus einem weiteren nord-südlich verlaufenden Gang, der je drei symmetrisch angelegte Räume trennte. Eine hier gefundene Feuerstelle sowie ein Wasserkanal, der zu einer nördlich des Gebäudes gelegenen Zisterne führte, lassen darauf schließen, dass es sich hier um den Wirtschaftstrakt handelte.

(Fortsetzung folgt…)

Römische Villa von Schambach „Kipferberg“ bei Treuchtlingen

Im Umkreis der Orte Schambach und Treuchtlingen wurden zahlreiche römische Gutshöfe gefunden. Ein Gutshof im Ortsteil Weinbergshof wurde in Grundrissen sichtbar gemacht. Andere sind nur aus Luftbildern bekannt oder heute überbaut.

So fand man beispielsweise am Hang des „Kipferbergs“ in Schambach 1885 eine römische Villa, an der schon im darauffolgenden Jahr Grabungen stattfanden. Allerdings sind die Aufzeichnungen nicht mehr vorhanden. Erhalten haben sich dagegen die Unterlagen einer erneuten Untersuchung von 1964.

Das rechteckige Hauptgebäude ist 37,25 x 25,20 Meter groß. Die Räume sind um einen großen Innenhof gruppiert und am Ostende des Gebäudes war ein Heizraum angebaut. Da das Gelände nach Südwesten abfiel, waren Hof und Räume terrassiert angelegt.

Der Haupteingang lag an der Südostseite. An dieser Seite war dem eigentlichen Gebäude eine 15 x 4,5 Meter große Säulenhalle (oder ein Korridor?) vorgelagert. Nordöstlich dieser Säulenhalle (Portikus) gab es einen Raum, der über den oben erwähnten Heizraum durch eine Hypokaust-Anlage beheizt werden konnte.

Von der Portikus führte ein Gang zum Innenhof. Die Räume zu beiden Seite dieses Gangs (zwei rechts des Eingangs und einer links) bildeten wohl den Wohntrakt, da sie Estrichböden haben. Auf der anderen Seite des Hofes gab es eine schmale Raumreihe aus fünf Räumen, von denen einer im Südosten in den Hof hineinragt. Im Nordosten war dieser Wirtschaftsbereich durch eine überdachte Portikus verbunden, die zum Hof hin wohl Holzpfosten hatte. Die geschlossene Rückwand war mit geometrischen und pflanzlichen Motiven bemalt.

Im Südwesten war dem ganzen Gebäude eine weitere Portikus vorgelagert. Sie war 4,4 Meter tief und lag 2 Meter tiefer als die anschließenden Räume. Man erreichte die Portikus über eine Treppe an der Südecke des Innenhofes. Die Rückwand war bemalt. Von den Säulen haben sich nur noch Bruchstücke einfacher Blattkapitelle aus Sandstein erhalten.

Genau in der Mitte dieser Säulenhalle gibt es einen Raum, der in den Innenhof hineinreicht. Unklar ist, wofür dieser Raum genutzt wurde. Handelte es sich vielleicht um ein kleines Heiligtum?

Die Mauern des Gebäudes waren zweischalig und bestanden aus Kalkstein mit Kalkmörtel. Das Dach war mit Ziegeln gedeckt und zumindest teilweise waren die Fenster verglast. Die Villa wurde vermutlich im 2. Viertel des 2. Jahrhunderts n. Chr. erbaut und im 3. Jh. wieder verlassen. Zu möglichen Nebengebäuden lässt sich nichts sagen, da sich die Ausgrabungen auf das Haupthaus beschränkten. Heute ist der Gutshof überbaut.

 

Literatur:

F.-R. Herrmann, Eine römische Villa bei Schambach im Landkreis Weißenburg. Jahresbericht Bayerische Bodendenkmalpflege 6-7; 1965-1966, 14ff.

L. Wamser, Biriciana – Weißenburg zur Römerzeit. Führer zu Archäologischen Denkmälern in Bayern. Franken 1 (3. Aufl. 1990) 110, Abb. 102

Wohnformen im antiken Rom

Casa del Fauno, Pompeji

Im Gegensatz zu vielen Neugründungen findet man in Rom selbst nicht das typische rechtwinklige Straßennetz römischer Städte. Denn Rom war nicht auf dem Reißbrett entstanden, sondern entwickelte sich allmählich aus einzelnen Siedlungen, die wild gewachsen waren.

In archaischer Zeit gab es kaum differenzierte Wohnformen. Meist wohnte man in ovalen Hütten mit nur einem einzigen Raum. Reste von solchen Hütten haben sich auf dem Palatin erhalten, da eine solche Hütte als Haus des Romulus galt und über Jahrhunderte in die Verehrung des legendären Stadtgründers einbezogen war. Eine etwas spätere Entwicklung waren rechteckige Langhäuser, z. B. mit 2 Räumen, auf einem Tufffundament.

Zur Zeit der etruskischen Herrschaft kamen die bei den Etruskern üblichen Breithäuser und Hofhäuser auf. Breithäuser hatten in der Regel drei Räume sowie eine vorgelagerte Halle. Das etruskische Hofhaus war dagegen dem typischen römischen Atriumhaus schon sehr ähnlich.

Atriumhäuser, wie sie sich zu Beginn der Republik und in der mittleren Republik ausbildeten, sind in Rom nicht fassbar. Gute Beispiele finden wir aber beispielsweise in Pompeji.

In der späten Republik verband man griechische Vorbilder mit dem römischen Atriumhaus. Die in der griechischen Welt verbreiteten gepflasterten Peristylhöfe repräsentativer Häuser wurden von den Römern als Ziergärten ausgestaltet. Auf diese Weise entstanden regelrechte Stadtpaläste, wie die Casa del Fauno in Pompeji (s. oben) oder die Casa dei Grifi auf dem Palatin in Rom.

Vor den Städten zog man sich in Villae Suburbanae zurück. Diese waren zum einen von den Haupthäusern von Gutshöfen abgeleitet, vereinten damit aber auch Elemente hellenistischer Paläste. Hierzu gehören z. B. die Villa des Lucullus im Norden Roms mit ihren ausgedehnten Gärten oder die Villa von Settefinestre. Oft waren die Villen mit einer Aussicht auf die Umgebung versehen bzw. die Landschaft rund um die Villa und die Aussicht bildete ein essenzielles Element der Architektur.

Dies zeigt sich vor allem auch in Villen an der Küste, wo die Aussicht auf das Meer ein wichtiges Element der Architektur bildet. So ist z. B. die Villa von Damecuta auf Capri eine Aneinanderreihung von Räumen mit Blick auf das Meer. Andere Villen an der Küste beziehen das Meer selbst in die Architektur ein, in Form von Meerwasserbecken oder Speisesälen in Grotten.

Im krassen Gegensatz zu diesen Villen standen die Wohnmöglichkeiten für die ärmere Bevölkerung. Sie wohnten in einfachen Tabernae, wobei der vordere oder untere Teil als Werkstatt und Verkaufsraum dienen konnte. Um mehr Wohnraum in der Stadt zu schaffen, entstanden aber auch mehrstöckige Häuser, die sogenannten Insulae, von denen sich in Ostia Beispiele erhalten haben.

 

Literaturhinweise:

  • Erika Brödner, Wohnen in der Antike (1989)
  • Ian M. Barton (Hrsg.), Roman Domestic Buildings (1996)
  • Harald Mielsch, Die römische Villa. Architektur und Lebensform (1997)
  • Peter Connolly, Hazel Dodge, Die antike Stadt. Das Leben in Athen und Rom (1998)
  • Shelley Hales, The Roman house and social identity (2009)
  • Patrick Schollmeyer, Handbuch der antiken Architektur (2014) 152 – 172, Lit. 219 – 220 (mit weiteren Literaturhinweisen)

 

Buchbesprechung: Andreas Stinsky, Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht

(Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz 2016)

Der Leiter des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim stellt mit seinem reich bebilderten Buch eines der Highlights des Kulturparks vor. Nach einleitenden Kapiteln zu Lage und Forschungsgeschichte nimmt Andreas Stinsky mit auf einen Rundgang durch die Villa, die seit 1987 systematisch untersucht wird und teilweise rekonstruiert wurde. Ein Schwerpunkt liegt dabei natürlich auf dem Hauptgebäude, aber auch die Gebäude des Wirtschaftsteils kommen nicht zu kurz.

Sowohl beim Hauptgebäude als auch bei den Nebengebäuden geht der Autor ausführlich auf die Ausgrabungsergebnisse ein. Er stellt die wichtigsten Informationen wie Maße, Funde und gegebenenfalls die Nutzung im Lauf der Benutzung vor und illustriert alles zudem mit zahlreichen Fotos.

Im Anschluss an diesen Rundgang geht Stinsky auf die Bauform der Villa ein. Die Vorbilder der Villa mit einem längsaxialen Wirtschaftshof, der dem Hauptgebäude vorgelagert ist, finden wir nicht in Italien. Stattdessen zeigen die Vergleichsbeispiele, dass es sich hier offenbar um die Weiterentwicklung gallischer Höfe handelt. Dabei ursprüngliche Bauweise mit Fachwerk wurde von der gallischen Elite nun durch die von den Römern übernommenen Stein-Ziegel-Bauweise ersetzt.

Nach einem Überblick über die Entwicklung des Landguts im Lauf der Zeit, stellt Stinsky auch die benachbarte Villa am „Furtweg“ vor und schließt seinen Führer zur Villa von Reinheim mit einem kurzen Exkurs zum Vicus von Bliesbruck und dem Übergang zum Mittelalter mit der Ankunft der Franken im 6./7. Jh. n. Chr.

Andreas Stinsky, Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht (Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz 2016)

€ 17,90 (D) / sFr 17,90 / € 18,40 (A)
96 Seiten, 95 Abbildungen
17,5 x 24,5 cm
gebunden
ISBN: 978-3-945751-20-6

Das Buch ist unter anderem bei Amazon erhältlich. Ein Klick auf das Bild führt direkt dorthin.

Villa dei Misteri in Pompeji

Bei Pompeji, nur etwa 300 m nördlich der Porta di Ercolano, befindet sich die sogenannte Villa die Misteri (Villa der Mysterien). Die durch ihre Fresken berühmte Villa suburbana (eine Villa in Stadtnähe) wurde im 2. Jh. v. Chr. erbaut und immer wieder erweitert.

Die Villa liegt auf einem kleinen Hügel. Die Höhenunterschiede wurden mit Hilfe von Substruktionen – in Form einer Kryptoportikus und einem Damm – ausgeglichen, sodass sich die eigentliche Villa auf einer Ebene erstreckt. Der Grundriss ist viereckig und der Haupteingang befand sich an einer Seitenstraße. Im Bereich des Haupteingangs befanden sich die Wirtschaftsräume. Hier fand man beispielsweise die Küche, Backöfen und eine Weinpresse.

Von den Wirtschaftsräumen führt ein Durchgang zu einem großen Peristylhof und von dort zu einem Atrium, um das herum dich die Wohnräume gruppieren: Schlafzimmer (Cubicula), ein Speisezimmer (Triklinium), Empfangsraum (Tablinum) usw. Aus dem 1. Jh. v. Chr. stammt die Apsiden förmige Terrasse mit Blick auf das Meer, wo sich heute der Eingang befindet.

Der heutige Name der Villa bezieht sich auf die Wandmalereien im Triklinium (siehe Bild oben). Die Reihenfolge und auch die Deutung der insgesamt zehn Szenen mit lebensgroßen Figuren sind noch unklar. Eine mögliche Interpretation ist, dass es sich Einweihungsriten in den Mysterienkult des Dionysos handelt. In diesem Fall könnten die zehn Szenen wie folgt interpretiert werden:

  1. Ein Junge, möglicherweise Dionysos, liest das Ritual einer sitzenden und einer stehenden Frau vor
  2. Eine Frau bringt Opfergaben dar, während sich eine andere Frau mit Hilfe von zwei weiteren Frauen reinigt
  3. Ein Silen spielt die Lyra; eine Frau gibt einem Hirschkalb Milch
  4. Eine junge Frau scheint entsetzt zu flüchten, wobei sich ihr Mantel hinter ihr aufbauscht
  5. Ein Silen bietet einem jüngeren Satyr Wasser an
  6. Die Hochzeitszeremonie von Dionysos und Ariadne
  7. Eine Frau verbirgt das Symbol der Fruchtbarkeit unter einem Tuch verborgen; neben ihr steht eine geflügelte Gestalt, die eine junge Frau als Teil des Aufnahmeritus auspeitscht
  8. Tanz einer Bacchantin (Begleiterin des Dionysos)
  9. Eine von Eroten umgebene junge Frau wird gekämmt, möglicherweise als Vorbereitung auf ihre Hochzeit
  10. Eine ältere Frau, vielleicht die Hausherrin, sitzt auf einer Art Thron und betrachtet die anderen Szenen

Wie immer man die Szenen auch deuten mag, die künstlerische Gestaltung ist beeindruckend und die Lebendigkeit der Figuren geben dem Betrachter das Gefühl, unmittelbar am Geschehen teilzunehmen.

 

Literaturauswahl:

  • Paul Veyne, Das Geheimnis der Fresken. Die Mysterienvilla in Pompeji (2018)
  • Filippo Coarelli (Hrsg.), Eugenio La Rocca, Mariette de Vos Raajimakers, Arnold de Vos, Pompeji. Archäologischer Führer (1993)

Villa Poppaea in Oplontis, Torre Annunziata

1964 stieß man in der Nähe des heutigen Ortes Torre Annunziata, dem antiken Oplontis, auf die Reste einer römischen Villa, die 79 n. Chr. wie Pompeji und Herculaneum dem Ausbruch des Vesuv zum Opfer gefallen war. Verschiedene Funde gaben Anlass zur Vermutung, dass die Villa Poppaea, der zweiten Frau Kaiser Neros, gehörte oder zumindest ihrer Familie. So trug eine Amphore die Aufschrift „Secundo Poppaeae“, was sich auf einen Freigelassenen der Poppaea beziehen könnte, und ein Krug war mit dem Stempel einer Ziegelei aus dem Besitz Poppaeas versehen („L. Arriani (A)mphionis“).

Die Villa, die seit 1997 zusammen mit Pompeji und Herculaneum in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde, ist eine der größten in der Region um Herculaneum und Pompeji und ist mehr als 3000 m² groß.  Die Errichtung der Villa lässt sich aufgrund ihrer Wandmalereien des zweiten sogenannten pompejanischen Stils in die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. datieren.

Man betritt die Anlage heute von der Gartenseite aus. Die Villa besitzt zahlreiche Wohn-, Schlafräume für die Besitzer der Villa und ihre Angestellten, Es gab Baderäume, mehrere Gärten und ein großes Schwimmbecken. Sogar eine Weinkelter konnte nachgewiesen werden.

Die ältesten Räume der Villa, die Räume der Besitzer, gruppieren sich um ein toskanisches Atrium. Die Sklavenunterkünfte befinden sich an der Ostseite der Anlage. Hier befindet sich ein Peristyl, das von Lagerräumen und Schlafzimmern für Diener und Sklaven umgeben ist. Die weitläufigen Gartenanlagen waren teilweise von Säulenhallen mit Wandmalereien umgeben. Die Gärten wurden ausgiebig untersucht, um herauszufinden, welche Pflanzen solche Gärten schmückten. Man fand Hinweise auf Platanen, Olivenbäume, Zitronen, Oleander und Apfelbäume.

Weitere Informationen: http://pompeiisites.org/en/oplontis

Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim (Teil 4)

Im französischen Teil des europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim wurden die Reste einer römischen Straßensiedlung konserviert. Die Siedlung war ca. 20 Hektar groß und wurde etwa zwischen 40 und 50 n. Chr. gegründet. In ihrer Blütezeit in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. lebten hier vermutlich ca. 2000 Menschen.

Bei den Gebäuden handelt es sich vor allem um sogenannte Streifenhäuser, die auf eine Hauptstraße hin ausgerichtet waren. Die Häuser reihten sich Mauer an Mauer; nur selten gab es zwischen den Häusern schmale Durchgänge. Den Schmalseiten der Häuser zur Straße hin waren Säulengänge vorgelagert. Das Innere der Häuser verband Wohnbereiche mit Bereichen zur Ausübung verschiedener Handwerke und den dazugehörigen Geschäften. Beispielsweise fand man Reste einer Bronzegießerei und einer Bäckerei. Einige der Häuser hatten auch Räume mit Fußbodenheizung.

Auch eine große öffentliche Thermenanlage gehörte zu dieser Siedlung. Die Reste dieser Badeanlage werden heute unter einem Schutzdach bewahrt. Zu diesen Thermen gehörte neben dem Umkleideraum und den eigentlichen Baderäumen (Kaltbad, Warmbad und Heißbad) ein Hof für sportliche Aktivitäten, in dem sich auch ein Schwimmbecken befand.

Neben der Thermenanlage, im Zentrum der Siedlung, gab es eine Basilika ca. 31 x 15 Meter große, die Versammlungen oder für Gerichtsverhandlungen gedient haben könnte, sowie eine repräsentative Brunnenanlage. Dieser Bereich ist jedoch nicht sichtbar gemacht worden.

Neben seiner Funktion als Museum und archäologischer Park ist der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auch ein Forschungszentrum. Anhand der vielen teilweise überregional bedeutenden Funde in dieser Region von der Bronzezeit bis heute wird hier die Entwicklung der Besiedlung der Region Bliesbruck-Reinheim erforscht und in verschiedenen Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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