Kategorie: Römer Seite 9 von 22

Largo di Torre Argentina, Rom (Teil 2)

Etwas jünger als Tempel C ist Tempel A. Hier konnten mehrere Bauphasen nachgewiesen werden. Die älteste Phase aus dem frühen 3. Jh. v. Chr. stand auf einem 4 m hohen und ca. 9,5 m x 16 m großen Tuffsteinpodium. Eine Freitreppe an der Ostseite führte zu dem eigentlichen Tempel. Im 2. Jh. v. Chr. wurden Podium und Tempel vergrößert und auf der alten Treppe wurde ein Altar errichtet. Im späten 2. Jh. oder Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. errichtete man noch einmal ein neues Podium und die Front des Tempels wurde weiter vorgelagert. Das Podium war jetzt 15 m x 27,5 m groß und der Tempel war auf allen Seiten von Säulen umgeben.

Der größte Tempel des Largo Argentina ist Tempel D. Dieser schließt südlich an Tempel C an, ist aber nur teilweise ausgegraben. Da für diesen Bau bereits der römische Beton Opus Caementitium verwendet wurde, kann dieser Tempel frühestens im frühen 2. Jh. errichtet worden sein. Von dieser Bauphase haben sich allerdings nur Reste des Podiums erhalten. Aus einer zweiten Bauphase Ende des 2. / Anfang des 1. Jahrhunderts stammt das Tuffstein-Podium mit Travertin-Verkleidung. Eine Freitreppe führte auf das Podium zu einer Cella aus Ziegelsteinen. Die heute sichtbaren Cella-Reste stammen allerdings erst aus domitianischer Zeit. Im Gegensatz zu den anderen Tempeln hatte dieser Kultbau offenbar keine Säulen.

(Fortsetzung folgt …)

Largo di Torre Argentina, Rom (Teil 1)

Der Largo di Torre Argentina (bzw. Largo Argentina) befindet sich auf dem antiken Marsfeld Roms und entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als man die Altstadt neu gestaltete und die Kirche San Nicola die Cesarini und umliegende Wohngebäude abgerissen wurden. Dabei stieß man unterhalb des heutigen Straßenniveaus auf Reste von vier Tempeln und anderer Gebäude aus der Zeit der römischen Republik.

Zwar sind die Reste der Tempel nicht öffentlich zugänglich, aber der Bereich, die sogenannte Area Sacra (Heiliger Bezirk), ist von allen Seiten gut sichtbar. Die Tempel konnten bisher nicht zweifelsfrei bestimmten Gottheiten zugeordnet werden. Man nennt sie daher Tempel A, B, C und D (von Nord nach Süd). Man kann drei Haupt- und mehrere Zwischenphasen unterscheiden. Tempel A, C und D stehen für sich auf einem unteren Pflaster aus dem 4.-2. Jh. v. Chr. Tempel B entstand dagegen erst um 100 v. Chr. Zu diesem Zeitpunkt verband man alle Tempel mit einem Tuffsteinpflaster und einer sie umgebenden Säulenhalle zu einem einheitlichen Tempelbezirk. Nach einem Brand 80 n.Chr. wurde das Tuffsteinpflaster durch eines aus Travertin ersetzt.

Der älteste der vier Tempel ist Tempel C (Ende des 4. oder Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr.). Er erhebt sich auf einem 4,25 m hohem Podium. In republikanischer Zeit waren die Wände aus Tuff, heute dagegen sieht man Ziegelwände aus der Kaiserzeit. Der Tempel ist ein peripteros sine postico, hat also an Vorder- und Längsseiten Säulenumgänge, hinten aber nicht. Ursprünglich gehörte zu diesem Tempel eine Plattform, zu der drei Stufen führten und auf der ein Altar stand. Der erste Altar wurde im 2. Jh. v. Chr. vom Tuffsteinpflaster überbaut und durch einen neuen Altar auf dem neuen Platzniveau ersetzt.

(Fortsetzung folgt …)

Der sogenannte „Altar des Domitius Ahenobarbus” (Teil 2)

Die Darstellung des Census im Louvre entspricht einer nüchternen Berichterstattung. Detailliert sind hier im sogenannten narrativen Stil die Phasen einer solchen Volkzählung aneinandergereiht. Auf der rechten Seite werden die römischen Bürger in das Register des Zensors aufgenommen, dann folgt ein Reinigungsopfer für das Heer und schließlich werden die Soldaten rekrutiert.

Datierung und Deutung der Darstellungen sind umstritten. Der Seethiasos wird als Hinweis auf einen Seesieg gedeutet und die Darstellung des Census weist darauf hin, dass die Statuenbasis von einem Censor gestiftet wurde. 122 v. Chr. siegte Domitius Ahenobarbus am Zusammenfluss von Rhone und Isère gegen Gallier. Später 115 v. Chr. wurde er Censor.

Alternativ werden aber auch Marcus Antonius (97 v. Chr. Censor, 102 v. Chr. Seesieg) oder Cnaeus Cornelius Lentulus (70 v. Chr. Seesieg, 67 v. Chr. Censor) vorgeschlagen. Allerdings fand zwischen 70 und 28 v. Chr. fand kein Census statt und stilistisch kann das Relief nicht in augusteische Zeit datiert werden. Auch gehören die dargestellten Waffen wohl noch ins 2. Jh. Chr. v. Chr. und es sind alle Soldaten mit schwerer Bewaffnung dargestellt. 107 v. Chr. wurde aber zum einen das Bürgerheer in ein Berufsheer umgewandelt; zum anderen waren seit dieser Heeresreform, die man Gaius Marius zuschreibt, nur noch römische Bürger schwer bewaffnet, während das Auxiliarheer der Bundesgenossen Roms leicht bewaffnet war.

 

Der sogenannte „Altar des Domitius Ahenobarbus” (Teil 1)

Im Pariser Louvre und in der Münchner Glyptothek befinden sich Teile der sogenannten Ara (= Altar) des Domitius Ahenobarbus. Bei den Reliefs, die Anfang des 17. Jahrhunderts n. Chr. in einem Neptuntempel auf dem Marsfeld in Rom gefunden wurden, handelt es sich jedoch nicht um einen Altar, sondern um eine Statuenbasis aus dem Tempel. Diese Statuenbasis ist ca. 5,6 m lang, 1,75 m breit und 0,8 m hoch.

Die drei in München ausgestellten Seiten zeigen einen sogenannten Seethiasos, d. h. einen Zug von verschiedenen Meereswesen, in hellenistischem Stil.

Dargestellt ist hier der Hochzeitszug des Meeresgottes Neptun mit Amphitrite, die in einem von tanzenden Tritonen gezogenen Wagen sitzen. Tritone sind Mischwesen aus einem menschlichen Oberkörper und einem fischartigen Unterkörper mit Schwanzflosse. Der Wagen wird von anderen mythologischen Wesen begleitet. Zu diesem Gefolge gehören neben weiteren Tritonen auch Nereiden (Meeresnymphen), Seepferde (Hippocampen) und Eroten. Auf einem Hippocampus nähert sich Doris, die Mutter der Amphitrite.

Auf dem Relief des Louvre, der zweiten Langseite, ist dagegen ein typisch römisches Thema dargestellt: ein Census, also eine Volkszählung. Diese fand alle fünf Jahre statt und oblag den zwei Censoren. Der Census diente der Erfassung der römischen Bürger nach ihrem Vermögen zur Festsetzung der Steuern. Aus der Volkszählung ergab sich somit, wer welchem Stand angehörte. Daraus ergab sich aber auch die Zusammensetzung des Senats und zu welcher Waffengattung jemand eingezogen wurde.

(Fortsetzung folgt …)

Römische Funde auf Capri (Teil 3)

Neben der Villa Jovis finden sich auf ganz Capri verstreut weitere Spuren römischer Bautätigkeit.

Die am Meer gelegene Villa Palazzo a Mare wurde vermutlich von Augustus errichtet und später von Tiberius weiter ausgebaut. Leider ist nach jahrhundertelangen Plünderungen und späteren Überbauungen nur noch wenig von dieser Villa zu sehen: Teile von terrassenförmig angelegten Mauern und Zisternen sowie einige Reste der Wohnbereiche. Eine Rampe führte zu einem kleinen zur Villa gehörenden Hafen. Dort haben sich noch Reste eines halbkreisförmigen Nymphäums erhalten. Auch Becken für die Fischzucht gehörten wohl zur Villa.

Auch die Villa Damecuta am Westabhang Capris wurde im Laufe der Jahrhunderte geplündert und teilweise überbaut, sodass nur entlang der Felskante einige Reste erhalten sind. Dazu gehört in Wandelgang (Ambulatio), zu einer halbkreisförmigen Struktur führt. Diese diente vermutlich als Aussichtspunkt. Von hier hat man den Golf von Neapel und Ischia im Blick. Am anderen Ende des Wandelgangs lagen die Wohn- und Schlafräume. Hier haben sich Reste des Wandputzes erhalten. In dem noch erhalten Schlafraum sieht man noch einen Teil eines Fußbodenmosaiks. In diesem Raum fand man auch den Torso eines nackten Jünglings.

Über der berühmten blauen Grotte von Capri legten die Römer eine weitere Villa an, die Villa di Gradola. Die Ausgrabungen brachten unter anderem Statuenfragmente, Säulen, Kapitelle und Fußböden zutage.  Die Anlage verteilt sich über mehrere Terrassen und war über eine in den Felsen gehauene Treppe mit der blauen Grotte verbunden. Statuen von Poseidon und Tritonen in der Grotte lassen darauf schließen, dass man die Grotta Azzurra in römischer Zeit als Nymphäum (Nymphen-Heiligtum) ausgebaut hatte.

Auch andere Grotten wurden als luxuriöse Nymphäen gestaltet, deren Reste man zum Teil auch heute noch sehen kann. Die Grotta di Matermania war in zwei unterschiedlich große Räume unterteilt. Vom ursprünglichen Tonnengewölbe sieht man heute nur noch die Ansätze an der hinteren Wand des kleineren Raums. Dort sind auch noch Spuren des Wandputzes erhalten. Der größere Raum schloss hinten mit einer Apsis ab, zu der einige Stufen hinaufführten. Dort sieht man noch Reste von Wandmalerei.

Weniger gut zugänglich sind die Grotta del Castiglione und die Grotta dell‘ Arsenale. Das Nymphäum in der Grotta del Castiglione gehörte zu einer darüber liegenden römischen Villa. Die Grotte wurde aber in späteren Jahrhunderten als Zufluchtsort vor Überfällen durch Piraten genutzt, wobei viele der römischen Einbauten zerstört wurden.

In der Grotta dell‘ Arsenale gruppierten sich mehrere kleinere Räume und einen größeren Raum. Man fand hier Reste von Marmorfußböden und farbigen Mosaiken sowie einen Marmorsarkophag aus einer späteren Nutzung der Grotte als Grabstätte.

Literatur: Ein Führer für die antiken Denkmäler der Insel Capri

 

Römische Funde auf Capri (Teil 2)

Heute kann man auf Capri Reste von verschiedenen römischen Villen besichtigen. Ob alle diese Villen zu den bei Tacitus erwähnten zwölf römischen Villen des Tiberius gehörten, ist nicht gesichert. Vor allem bei der größten dieser Villen, der sogenannten Villa Jovis, geht man allerdings davon aus, dass Tiberius von hier aus von 26 n. Chr. bis zu seinem Tod 37 n. Chr. über sein Reich herrschte.

Die Villa Jovis liegt auf dem Monte Tiberio, einem senkrecht zum Meer abfallenden Felsen im Nordosten Capris. Sie nimmt mit ihren ca. 7000 qm Fläche den ganzen Felssporn ein. Der beengte Raum zwang den Architekten dazu, die Räume auf mehreren Terrassen anzulegen. Da der Felsen keine natürliche Quelle besaß, wurde die festungsartige Villa außerdem um eine Zisternenanlage herum errichtet, die 8000 Kubikmeter fasste. Schon die gewaltigen Substruktionen zeugen von der Einzigartigkeit der Anlage. Insgesamt verteilten sich die Räume auf acht Stockwerken, die über Rampen und Treppen miteinander verbunden waren.

Im Südwesten der Villa führte eine Rampe zum Eingangsbereich und dann weiter nach oben zu den Korridoren, die zum einen nach Westen zu den Wohnräumen der Bediensteten und der Küche führten und zum anderen an der Südseite – entlang an einer Badeanlage – zu den Räumen des Kaisers in den zwei obersten Stockwerken im Osten und Norden der Anlage. Im Osten finden wir große Säle – möglicherweise Bibliotheken – und einen halbkreisförmigen Raum mit großen Fenstern, die den Blick auf das Meer freigaben. Als Speisesaal diente vermutlich einer der Räume im nördlichen Bereich der Villa. Außerdem gelangte man von diesem nördlichen Wohnbereich über eine Rampe zu einer sogenannten Ambulatio, einem Wandelgang, von dem aus man zum Golf von Neapel blicken konnte.

Außer dem ca. 40 Meter hohen Zentralbau der Villa Jovis gehörten zu dieser Villenanlage Wälder und Gärten sowie ein Signalturm für die Kommunikation mit dem Festland und Rom.

Von der Ausstattung der Villa ist leider nicht mehr viel erhalten, aber die Ausgrabungen lassen darauf schließen, dass alle Stockwerke mit Fresken und Fußbodenmosaiken versehen waren. Der Boden der Hauptterrasse bestand aus verschiedenfarbigen Marmorplatten. Viele Funde fanden im Lauf der Zeit ihren Weg in verschiedene Museen. Dazu gehört ein Mosaikfußboden in Neapel (Museo di Capodimonte) und der sogenannte Capri-Altar in London (British Museum).

Die Villa Jovis ist die wichtigste archäologische Sehenswürdigkeit auf Capri. Allerdings ist sie nur zu Fuß zu erreichen. Der Fußweg von der Piazzetta in Capri aus dauert etwa eine Stunde.

Literatur:

  • Ein Führer für die antiken Denkmäler der Insel Capri
  • Clemens Krause, Villa Jovis. Die Residenz des Tiberius auf Capri. Zabern, Mainz 2003
  • Harald Mielsch, Die römische Villa, Beck, München 1987, 142 – 148
  • Erika Brödner, Wohnen in der Antike, WBG, Darmstadt 1989, 223 – 225

Siehe auch: https://www.zaw.uni-heidelberg.de/hps/klarch/institut/villa_jovis.htm

 

(Fortsetzung folgt …)

Römische Funde auf Capri (Teil 1)

Capri, die beliebte Urlaubsinsel im Golf von Neapel, bietet dem Besucher nicht nur Sonne, Meer und faszinierende Grotten. Wer will, kann dort auch auf den Spuren der Antike wandeln. Und es gibt einiges zu entdecken.

Bereits im Paläolithikum, vor ca. 400.000 Jahren, als Capri noch mit dem Festland verbunden war, lässt sich die Anwesenheit von Menschen hier nachweisen. Seit ca. 10.000 Jahren ist Capri eine Insel. Mit seiner strategisch günstigen Lage am südlichen Rand des Golfs von Neapel lag Capri an wichtigen Seehandelsstraßen und hatte Kontakt mit Griechenland und dem Orient. Im 7. Jh. v. Chr. geriet Capri unter den Einfluss der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. von Griechen aus Chalkis und Eretria gegründeten Stadt Cumae und später, ab dem 5. Jh. v. Chr., unter den Einfluss von der von Cumae gegründeten Stadt Neapolis, dem heutigen Neapel.

Die entscheidende Wende kam unter dem römischen Kaiser Augustus. Er machte Capri zu seinem Privatbesitz und begann ein umfangreiches Bauprogramm. Augustus hielt sich oft auf Capri auf und auch Beamte und Freigelassene aus seinem Gefolge haben hier ihre Spuren hinterlassen. Sein Nachfolger Tiberius führte die Bautätigkeit fort und verlegte 27 n. Chr. sogar seinen ständigen Wohnsitz nach Capri. Laut Tacitus besaß Tiberius auf Capri zwölf Villen! Auch im weiteren Verlauf des 1. Jahrhunderts n. Chr. war Capri beim Kaiserhaus und der römischen Aristokratie beliebt. Aber die antiken Quellen überliefern zunehmend weniger Informationen über die Insel. Ende des 2. Jh. n. Chr. gerät die Insel noch einmal in die „Schlagzeilen“, als Kaiser Commodus seine Schwester Lucilla und seine Frau Crispina nach Capri verbannt. Im 3. Jh. n. Chr. schließlich kam es dann offenbar zu weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen, die zum Niedergang Capris führten.

In den nächsten Jahrhunderten verfielen die antiken Bauten. Sie wurden geplündert und dienten als Steinbruch. Erst ab dem 18. Jh. n. Chr. wurden die antiken Ruinen der Insel wieder wertgeschätzt und Ziel zahlreicher Besucher. Die nächsten Artikel werden einige der noch heute sichtbaren römischen Spuren vorstellen.

Literatur: Ein Führer für die antiken Denkmäler der Insel Capri

(Fortsetzung folgt …)

Das Musen-Mosaik von Vichten, Luxemburg

Ein Höhepunkt im Musée national d’Histoire et d’Art in Luxemburg ist das Fußbodenmosaik, dass 1995 in einer gallo-römischen Villa in Vichtem ausgegraben wurde, wo das gut 60 m² große Mosaik den Empfangssaal der Villa schmückte.

Flechtbänder, Ranken und andere dekorative und geometrische Formen bilden den Rahmen für den Hauptteil der Komposition, in dem die Musen in achteckigen Bildfeldern dargestellt sind. Im Zentrum sieht man Calliope, die Muse der epischen und elegischen Dichtung, an der Seite von Homer.

Dieses zentrale Medaillon umgeben die übrigen acht Musen, die Hesiod um 700 v. Chr. überliefert hat: Clio (Geschichtsschreibung), Euterpe (Musik und lyrische Dichtung), Thalia (Komödie), Melpomene (Tragödie), Terpsichore (Tanz und dramatische Chöre), Ae rato (Liebesdichtung), Polymnia (Chorgesang und Harmonie) und Urania (Astronomie). Die Musen sind durch Beischriften eindeutig benannt.

Das Mosaik entstand um 240 n. Chr. Die Gesamtkomposition des Mosaiks ähnelt Mosaiken des Raums Trier. Möglicherweise war der Besitzer der Villa in Vichtem Mitglied einer Familie aus dem Stamm der Treverer und hatte in Trier eine bedeutende Stellung im 3. Jh. n. Chr.

Die Ausgrabungen brachten auch Kenntnisse zur Herstellung des Mosaiks zutage. Die Steinchen waren aus Marmor, Kalkstein, Keramik und Sandstein. Offenbar wurden die Mosaiksteinchen (Tessellae) in einem Raum neben dem Empfangssaal vorbereitet, bevor sie dort in eine 3 cm dicke weiße Kalkmörtelschicht gelegt wurden.

Das Mosaik wurde nach seiner Bergung zunächst im Landesmuseum in Trier und später im Luxemburger Nationalmuseum restauriert. Dort nimmt es heute einen separaten Raum ein und ist ein Prunkstück der Dauerausstellung.

 

Literatur:

  • Jean Krier, „Fouille, étude Et Restauration. Peintures Romaines De Vichten.“ Archéologia (Dijon), 395 (2002) S. 44-47
  • Rainer Fischer, „Mosaik Von Vichten.“ Musée Info, 13 (2000) S. 38-39

Römisches Weißenburg Teil 4 – das Römermuseum

Schon ab 1931 wurde das Gebäude des heutigen Museums als Heimatmuseum genutzt, in dem vor allem die Funde aus den Grabungen der Reichslimeskommission ausgestellt waren. Nach einer Umgestaltung 1964 wurde das ganze Fundspektrum der Region von der Vor- und Frühgeschichte bis um Mittelalter präsentiert.

1979 entdeckte man den sogenannten Weißenburger Schatzfund und man baute das Museum um. Seit 1983 ist es als RömerMuseum eine Außenstelle der Archäologischen Staatssammlung in München. 2017 endete der bisher letzte Umbau.

Im Erdgeschoss befind sich die Touristeninformation Weißenburgs sowie das Bayerische Limes-Informationszentrum. Der eigentliche Rundgang beginnt im ersten Stock mit archäologischen Funden aus dem gesamten Limesgebiet in Bayern. Der erste Raum widmet sich der Vor- und Frühgeschichte, alle weiteren der Römerzeit. Anhand verschiedener Fundstücke werden zunächst die römischen Hinterlassenschaften in Weißenburg selbst vorgestellt, danach der Limes im Raum Weißenburg. Weitere Räume informieren über das römische Alltagsleben und die Religion der Römer sowie über das römische Straßennetz und Gutshöfe. Unter den ausgestellten Funden sind beispielsweise Haarnadeln und Parfümfläschchen aus den Thermen, Schlüssel aus dem Kastell oder auch Militärdiplome, die die Entlassung eines Soldaten aus dem Militärdienst beurkundeten.

Das zweite Obergeschoss widmet sich dann dem Schwerpunkt der Sammlung, den über hundert Meisterwerken aus dem Schatzfund von Weißenburg. Dazu gehören neben einigen Alltagsgegenständen 17 Götterfiguren, 11 Votivtafeln, Opfergefäße und andere Gegenstände, die im Götterkult verwendet wurden, sowie Teile von Paraderüstungen, z. B. Gesichtsmasken.

Bei den Votivtafeln handelt es sich um Weihgeschenke in Heiligtümern, mit denen man sich für die Hilfe eines Gottes bedankte. Die Votive zeigen immer den gleichen Aufbau. Die Gottheit, bei der man sein Gelübde einlöst, steht in einem tempelartigen Gebilde, darüber ist eine dreiblättrige Krone abgebildet. Die Götterstatuetten zeigen die Vielfalt des römischen Pantheons: Hausgötter (Laren, Genien usw.), die kapitolinische Trias (Jupiter, Juno, Minerva), Merkur, Herkules, Venus, Apollo sowie Eroten.

Insgesamt ist Weißenburg für jeden an der Geschichte der Römer in Deutschland interessierten sicher eine Reise wert.

Literaturauswahl:

Hermann Dannheimer: Führer durch die Abteilung Völkerwanderungszeit und Frühes Mittelalter im Römermuseum Weissenburg. Prähistorische Staatssammlung, Museum für Vor- u. Frühgeschichte, München, Bad Windsheim 1984

Hans-Jörg Kellner, Gisela Zahlhaas, mit Beiträgen von Hans-Gert Bachmann, Claus-Michael Hüssen, Harald Koschik, Zsolt Visy und Ulrich Zwicker: Der römische Tempelschatz von Weissenburg i. Bay. von Zabern, Mainz 1993

Römisches Weißenburg Teil 3 – die großen Thermen (Bauphase III)

Um ca. 180 n. Chr. wurden die Weißenburger Thermen größer und luxuriöser wiederaufgebaut. Die neue Anlage war 65 x 42,5 Meter groß. Der neugestaltete Eingangsbereich verzichtete auf eine Säulenhalle. Stattdessen betrat man die Anlage jetzt durch eine 320 m² Sporthalle. Dahinter lag ein großer Umkleidebereich, von dem ein abgetrennter Bereich an der Westwand auch beheizbar war. Gegenüber an der Ostwand lag jetzt ein Schwitzbad. Das runde Laconium aus Bauphase II wurde dagegen nicht mehr aufgebaut. Vom Umkleideraum führte die Raumfolge jetzt ringförmig über das Frigidarium über ein kleineres Laubad im Osten der Anlage ins Caldarium und dann über zwei hintereinanderliegende Tepidarien wieder in Kaltbad. Die neue Thermenanlage folgte also dem Ringtyp römischer Thermen.

In der Regierungszeit von Septimius Severus (193-211 n. Chr.) und Caracalla (211-217 n. Chr.) wurde das Bad noch einmal verschönert und das Laconium und der beheizbare Ankleideraum wurden vertauscht. Vor dem Schwitzbad wurde ein kleines Kaltbad zur Abkühlung eingebaut. Auch dieser Bau wurde allerdings Opfer der Flammen und im Zuge der Alamanneneinfälle nach 230 n. Chr. zerstört. Danach wurden nur noch einige Räume weiterverwendet.

Die Reste der großen Thermen sind heute als Museum zugänglich. Der Besucher sieht die Fundamente der verschiedenen Bauphasen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und die Zusammenhänge werden anhand von Infotafeln erklärt. Der Rundgang führt beispielsweise vorbei am Caldarium und der runden Sauna vorbei in die Basilika. An verschiedenen Stellen sieht man Reste von Fußbodenheizungen mit den dazugehörigen Heizräumen. Das kleine Kaltbad aus der letzten Bauphase wurde sogar komplett rekonstruiert.

Insgesamt gibt das Thermenmuseum nicht nur einen guten Überblick über die Weißenburger Thermen im Laufe der Jahrhunderte, sondern lässt auf den Infotafeln auch den Alltag in einer römischen Badeanlage lebendig werden. Die beweglichen Funde aus den Ausgrabungen sind dagegen im Römermuseum der Stadt aufbewahrt.

 

Literaturauswahl:

Ute Jäger: Römisches Weißenburg. Kastell Biriciana, Große Thermen, Römermuseum. Keller, Treuchtlingen/Berlin 2006

Ludwig Wamser: Biriciana – Weißenburg zur Römerzeit. 2. Aufl. Theiss, Stuttgart 1986. (Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern: Franken 1)

 

(Fortsetzung folgt …)

 

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